Belgische Polizisten kontrollieren an der französisch-belgischen Grenze | Bildquelle: AP

Belgien kontrolliert Grenze zu Frankreich "Zeebrügge soll nicht das neue Calais werden"

Stand: 24.02.2016 05:09 Uhr

Die belgische Polizei kontrolliert wieder Menschen an der Grenze zu Frankreich. Die Behörden wollen so verhindern, dass Flüchtlinge aus einem Lager bei Calais nach Belgien kommen. Bei Innenminister Jambon klingt es aber auch nach einer Retourkutsche.

Von Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

Es war das Thema der Abendsendungen: Belgien macht zeitweise ein Stück seiner Grenze nach Frankreich dicht. An den küstennahen Grenzübergängen sollen bis zu 290 zusätzliche Polizisten eingesetzt werden. Grund für die neuen Kontrollen ist die geplante Teilräumung des Flüchtlingslagers in der nordfranzösischen Hafenstadt Calais. Wenn die Räumung verschoben wird, gehen die belgischen Behörden davon aus, dass sie in den nächsten Tagen passieren wird.

Der belgische Innenminister Jan Jambon | Bildquelle: REUTERS
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Fürchtet ein "Calais in Zeebrügge" - der belgische Innenminister Jambon

Die Belgier fürchten, dass sich dann Tausende Flüchtlinge von Calais auf den Weg in die belgische Hafenstadt Zeebrügge machen, um von dort aus mit dem Schiff nach Großbritannien zu gelangen. "Zeebrügge soll nicht das neue Calais werden. Wir wollen um jeden Preis verhindern, dass es Zeltlager bei uns gibt", sagte der belgische Innenminister Jan Jambon.

Frankreich könne die Grenzkontrollen sicher gut verstehen. Immerhin habe Frankreich das Gleiche gemacht - nach den Terroranschlägen von Paris, sagte der Politiker der rechtspopulistischen Partei NVA. Und wie er es sagt, klingt es ein wenig wie eine Retourkutsche.

Papiere zeigen, Kofferraum öffnen

Nun stehen also belgische Polizisten an den kleinen Grenzübergängen nach Nordfrankreich. Sie halten Autos und Lastwagen an, kontrollieren Papiere und schauen in Kofferräume. "Das muss gemacht werden, bei allem, was derzeit passiert", sagte eine Autofahrerin dem belgischen Fernsehen, die an der belgisch-französischen Grenze nahe des Ferienortes De Panne kontrolliert wurde. Ein anderer Autofahrer meint, Belgien interessiere die Flüchtlinge doch gar nicht, sie wollten weiter nach England.

Belgische Polizisten kontrollieren an der Grenze zu Frankreich Insassen eines Busses. | Bildquelle: AFP
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Belgische Polizisten kontrollieren an der Grenze zu Frankreich Insassen eines Busses.

"Ich möchte nach England"

Bereits im Januar hat die belgische Polizei nahe der Küste rund 950 Migranten aufgegriffen, die eigentlich nach Großbritannien wollten. Etwa die Hälfte davon erwischten die Beamten in Zeebrügge. Die meisten Menschen stammten aus dem Irak und dem Iran. "Ich möchte nach England", sagte damals ein Flüchtling dem Nachrichtensender euronews. "Dort leben mein Onkel und mein Cousin, die helfen wollen."

Belgien kontrollliert Grenze: Zeebrügge soll nicht Calais werden
K. Bensch, ARD Brüssel
24.02.2016 04:31 Uhr

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Behörden raten von Flüchtlingshilfe ab

Anfangs halfen viele Bewohner von Zeebrügge den Flüchtlingen. Doch dann forderte der Gouverneur von Westflandern sie auf, die Hilfe einzustellen, weil die Behörden Zustände wie in Calais fürchteten.

Das ärgert Menschen wie Pfarrer Maréchal, der Migranten Zuflucht in der Kirche gewährte. "An der belgischen Küste ist es verboten, Möwen zu füttern, weil es zu viele davon gibt", sagt er. "Doch, wenn sich Menschen in einer schwierigen Lage befinden, brauchen sie Nahrung. Wenn man ihnen kein Essen gibt, dann werden sie vielleicht kriminell und brechen irgendwo ein."

Der Bürgermeister der belgischen Stadt Brügge, nahe der Küste, sieht das anders. Bei den meisten Menschen, die kämen, handele es sich nicht um Bürgerkriegsflüchtlinge, sondern um Wirtschaftsmigranten und Opfer von Menschenschleusern. Seine Botschaft lautet: Belgien ist nicht Frankreich. Und Zeebrügge solle nicht wie Calais werden.

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Ein Flüchtling watet im "Dschungel" durch Matsch und Schlamm: Tausende leben in dem verwahrlosten Camp im französischen Calais. | Bildquelle: AFP

Dieser Beitrag lief am 24. Februar 2016 um 08:12 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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