Polizisten am Bahnhof in Brüssel | Bildquelle: dpa

Terrorverdächtige in Brüssel Motorräder, Überfälle und die Scharia

Stand: 30.12.2015 20:40 Uhr

Nach der Festnahme von zwei Verdächtigen in Brüssel sind Details über die Männer bekannt geworden. Nach Medienberichten soll ein Verdächtiger bereits wegen Raubüberfällen im Gefängnis gesessen haben. Beide Männer gehörten zudem einer Motorrad-Gang an.

Von Ralph Sina, ARD-Studio Brüssel

Er soll der Drahtzieher der belgischen Terrorgruppe gewesen sein und Mitglieder für Anschläge in der Brüsseler Innenstadt angeworben haben: Der Mann kommt aus der Gemeinde Anderlecht und gehörte nach belgischen Medieninformationen der mittlerweile aufgelösten salafistischen Organisation "Shariah4Belgium" an.

In Video-Botschaften an den belgischen König kündigte "Sharia4Belgium" an, das Land in einen islamischen Staat zu verwandeln. "Sharia4 Belgium" rief im Internet zudem zur Ermordung des ehemaligen belgischen Verteidigungsministers auf und zur Zerstörung des Atomiums in Brüssel, dem bekanntesten belgischen Wahrzeichen.

Islamistische Motorrad-Gang

Der jetzt festgenommene Mann ist den Strafverfolgungsbehörden nicht nur wegen seiner Mitgliedschaft bei "Shariah4Belgium" und seiner Salafistenpredigten gut bekannt. Der 30-Jährige saß auch wegen bewaffneter Raubüberfälle auf Bistros und Restaurants in Anderlecht insgesamt sechs Jahre lang in Haft. Diese Raubüberfälle organisierte der Mann nach Informationen einer belgischen Tageszeitung gemeinsam mit einer von ihm mitgegründeten Motorrad-Gang für radikale Islamisten.

Den "Kamikazee-Riders" gehört auch der zweite Festgenommene an. Der Club veröffentlicht auf seiner Facebook-Seite neben Motorrad-Fotos Videos mit antiisraelischer Propaganda. Auch einige der insgesamt 130 aus Syrien zurückgekehrten Belgier, die an der Seite der Dschihadisten-Miliz "Islamischer Staat" gekämpft haben, sollen dieser Gang gehören.

Belgien: Erkenntnisse über Terrorverdächtige
R. Sina, WDR Brüssel
30.12.2015 17:40 Uhr

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Das Propagandamaterial der IS-Terrormiliz, das bei dem mutmaßlichen Kopf der Terrorzelle gefunden wurde, analysieren zur Zeit Experten. Die Ermittler kamen der Gruppe nach belgischen Medieninformationen durch das Abhören von Telefonen auf die Spur.

Pseudo-Soldatenuniformen

Bereits im Januar waren bei einer Terrorzelle in Verviers Imitate von Polizeiuniformen entdeckt worden. Bei den jetzt Festgenommenen entdeckte man Pseudo-Soldatenuniformen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Terrorverdächtigen planten, mit diesen Uniformen getarnt Stationen der Polizei und Armee anzugreifen.

Bei den beiden Festgenommenen wurden aber keine Waffen und Munition entdeckt. Die Angst, dass Waffen oder Sprengstoff noch bei möglichen Komplizen gelagert wird, ist groß. Mehrere Silvesterpartys in Restaurants der Brüsseler Innenstadt wurden bereits abgesagt.

Korrespondent

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