Polizisten am Bahnhof in Brüssel | Bildquelle: dpa

Zwei Festnahmen in Belgien Anschläge verhindert?

Stand: 29.12.2015 14:13 Uhr

Sie wollten in der Silvesternacht in Brüssel offenbar ein Blutbad anrichten: Zwei Terrorverdächtige, die die belgische Polizei jetzt festgenommen hat. Einer der beiden gilt als Kopf einer Terrorzelle. Der IS-Anhänger soll Kämpfer angeworben haben.

Von Malte Pieper, ARD Brüssel

Es ist ein Erfolg, auf den die belgischen Behörden lange gewartet haben: Denn sollten sich alle Vorwürfe als wahr herausstellen, ist es Polizei und Staatsanwaltschaft offenbar in letzter Minute gelungen, Anschläge zu verhindern und damit möglicherweise ein Blutbad.

Medienberichten zufolge war unter anderem ein Angriff auf das zentrale Polizeikommissariat geplant. Es liegt nur wenige Schritte von der Grand Place entfernt, dem historischen Marktplatz von Brüssel, einem der Anziehungspunkte für Touristen. Geplant gewesen seien außerdem Anschläge auf weitere symbolisch wichtige Orte in der belgischen Hauptstadt - und das alles wahrscheinlich in der Silvesternacht.

Christian Feld, ARD Brüssel, zu den Festnahmen in Belgien
tagesschau 15:00 Uhr, 29.12.2015

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Zahlreiche Razzien im Großraum Brüssel

In den vergangenen Tagen hatte die Polizei wieder zahlreiche Razzien in und um Brüssel durchgeführt. Dabei gingen den Beamten offenbar die beiden nun Hauptverdächtigen ins Netz. Einer von ihnen soll Kopf einer regelrechten Terrorzelle sein. Er habe Kämpfer angeworben und Anschläge vorbereitet. In seiner Wohnung fand die Polizei Militärkleidung sowie Propagandamaterial des sogenannten "Islamischen Staates". Beide Männer sitzen in Untersuchungshaft.

Die belgische Polizei steht seit längerem unter immensem Druck. Aus keinem anderen Land in Europa sind im Vergleich so viele junge Menschen als Kämpfer zur Terrormiliz IS gegangen wie aus Belgien. Immer wieder führen Spuren der Terrorszene nach Brüssel, in den Problemstadtteil Molenbeek.

Einer der Drahtzieher der Anschläge von Paris hatte hier sein Netzwerk. Noch immer auf der Flucht ist einer seiner Helfer, der mutmaßliche Attentäter, Salah Abdeslam. Er konnte der Polizei offenbar immer wieder entwischen und gilt inzwischen als meistgesuchter Terrorist des Landes.

Mehrere Tage galt höchste Warnstufe

Erst vor wenigen Wochen hatten die belgischen Behörden die Hauptstadt Brüssel de facto lahmgelegt, als sie für mehrere Tage die höchste Terrorwarnstufe ausriefen. Premierminister Charles Michel sprach damals von einem Anschlag, der möglicherweise unmittelbar bevorsteht. Schulen und Kindergärten wurden geschlossen, die U-Bahn stellte ihren Betrieb, die Einwohner wurden aufgefordert, Menschenansammlungen zu verhindern und nach Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten. Die Straßen waren menschenleer.

Polizei und Staatsanwaltschaft führten anschließend immer wieder Razzien durch. Die meisten Festgenommenen mussten aber wieder frei gelassen werden. Nichtsdestotrotz betonte die Regierung immer, allein durch die ständigen Durchsuchungen habe man die Szene so verunsichert, dass sie kaum in der Lage sei, Anschläge zu planen.

Für Brüssel und ganz Belgien gilt weiterhin die zweithöchste Terrorwarnstufe. Sie bedeutet, dass die Behörden weiter von einer "ernsthaften Bedrohung" ausgehen. Das heißt, dass man Anschläge für möglich und wahrscheinlich hält. Erst gestern hatte das nationale Krisenzentrum betont, an der Einstufung nichts ändern zu wollen.

Anschlag verhindert? Belgische Polizei nimmt Terrorverdächtige fest
M. Pieper, MDR Brüssel
29.12.2015 13:37 Uhr

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