Seitenueberschrift

Nach Ermordung des tunesischen Oppositionellen

Polizei fasst mutmaßlichen Mörder Belaids

Rund drei Wochen nach der Ermordung des tunesischen Oppositionspolitikers Chokri Belaid hat die Polizei offenbar den mutmaßlichen Täter festgenommen. Der Mann und ein ebenfalls gefasster Komplize seien Mitglieder der islamistischen Salafisten-Bewegung, sagten zwei Vertreter der Polizei der Nachrichtenagentur AFP.

Ein Auto mit dem Sarg von Chokri Belaid vor dem Haus seines Vaters
galerie

Die Trauer um den ermordeten Belaid ist riesengroß.

Der tunesische Sender "Radio Mosaique" berichtete, der Mann soll die Tat bereits gestanden haben. Dabei soll er sich auf eine Fatwa, ein islamisches Urteil, gegen Belaid berufen haben. Vom tunesischen Innenministerium gibt es noch keine Stellungnahme.

Bei dem mutmaßlichen Mörder handele es sich den Angaben zufolge um einen 31-jährigen Handwerker. Er wurde demnach in Karthago, einem Vorort von Tunis, festgenommen. Sein Komplize soll das Motorrad gefahren haben, mit dem der 31-Jährige nach der Tat geflüchtet war. Zur Identifizierung der beiden Verdächtigen trug laut den beiden Vertretern die Aussage einer Augenzeugin des Mordes bei. Sie sei unter Polizeischutz gestellt worden.

1/

Trauer und Protest bei der Beerdigung von Chokri Belaid

Die Beerdigung des tunesischen Oppositionspolitikers wurde zur Demonstration von mehr als einer Million Menschen. Maria Feck hat die Kundgebung in Tunis fotografiert.

Trauer um Chokri Belaid in Tunis

Aus Trauer wurde Protest: Zwei Tage nach der Ermordung des Oppositionspolitikers Chokri Belaïd hat ein Generalstreik das öffentliche Leben in Tunesien weitgehend lahmgelegt. (Foto: Maria Feck)

Das Land ist in der Krise

Belaid war am Morgen des 6. Februar vor seinem Wohnhaus erschossen worden. Seine Ermordung stürzte Tunesien in eine tiefe Krise. Die Opposition machte die islamistische Regierungspartei Ennahda und ihren Vorsitzenden Raschid Ghannouchi für die Tat verantwortlich, es kam zu heftigen Protesten. Ghannouchi und die Ennahda weisen jede Verantwortung zurück.

Als Ausweg aus der Krise wollte der bisherige Regierungschef Hamadi Dschebali eine Expertenregierung bilden, er scheiterte aber am Widerstand seiner Ennahda-Partei und trat daraufhin zurück. Die Ennahda benannte inzwischen Innenminister Ali Larajedh als ihren neuen Kandidaten für das Amt. Er wurde am Freitag mit der Regierungsbildung beauftragt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Februar 2013 um 09:30 Uhr.

Stand: 26.02.2013 01:29 Uhr

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

3 Kommentare zur Meldung. Kommentierung der Meldung beendet.

Schlagwörter der Meldung:
Darstellung: