Abdullah Kurdi (Mitte) hält den in weiße Tücher gewickelten toten Körper seines Sohnes Aylan in den Händen. | Bildquelle: AFP

Auf der Flucht ertrunkener Aylan in Kobane beerdigt "Unsere Geschichte soll eine Mahnung sein"

Stand: 04.09.2015 16:59 Uhr

Der im Mittelmeer ertrunkene dreijährige Aylan ist in seiner syrischen Heimatstadt Kobane beigesetzt worden. Das Foto von seiner Leiche hatte weltweit Entsetzen ausgelöst. Aylans Vater forderte bei der Zeremonie mehr Verständnis für Flüchtlinge.

Von Peter Steffe, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Am Morgen war der Fahrzeug-Konvoi mit den Särgen der Toten und dem Vater, der das Unglück im Mittelmeer überlebt hatte, im türkisch-syrischen Grenzgebiet eingetroffen. Unter starken Sicherheitsvorkehrungen ging es direkt nach Kobane weiter. Dort wurden unter großer Anteilnahme von Freunden und Nachbarn der dreijährige Aylan, dessen Bruder und seine Mutter beigesetzt. Die vierköpfige Familie war im vergangenen Jahr aus Kobane geflohen, nachdem die Terrormiliz "Islamischer Staat" die Stadt nahe der türkischen Grenze angegriffen hatte.

Familie wollte ursprünglich nach Kanada

Am Rande der Beisetzung berichtete der Vater Abdullah Kurdi dem saudischen TV-Sender Al Hadath noch einmal über Einzelheiten der Flucht, die ihn und seine Familie von Syrien eigentlich nach Kanada führen sollte, zu Verwandten. "Die kanadischen Behörden haben sich geweigert, uns aufzunehmen. Meine Schwester hat mich gefragt, was ich denn vorhabe. Ich habe gesagt, es gebe keinen anderen Ausweg, außer dass wir illegal in ein europäisches Land, wie beispielsweise Deutschland fliehen, damit wir weiterleben können." Seine Familie habe ihn finanziell unterstützt, um die Flucht zu ermöglichen.

Flüchtlingsboot kenterte auf dem Mittelmeer

Mehrmals versuchte Kurdi mit seiner Frau und den beiden Söhnen über das Mittelmeer Richtung Griechenland zu fliehen. Zweimal scheiterte das Vorhaben, sie wurden von der türkischen Küstenwache erwischt. Der dritte und letzte Versuch endete in einer Tragödie. Das Boot kenterte durch den starken Wellengang. Aylan, Galip und ihre Mutter Rihana kamen ums Leben. Nahe des türkischen Badeortes Bodrum wurde die Leiche des Dreijährigen angespült. Das Bild löste weltweit Entsetzen und Fassungslosigkeit aus. Mit seiner toten Frau und den beiden ertrunkenen Söhnen kehrte Abdullah Kurdi heute wieder dorthin zurück, wo die Flucht im vergangenen Jahr begonnen hatte - nach Kobane, um seine Familie in der Heimat zu beerdigen.  

Die Welt solle aus seinem Schicksal lernen, sagte Kurdi. "Ich hoffe, meine Geschichte ist eine Mahnung. Vielleicht wird jetzt etwas unternommen um das Massensterben zu stoppen. Wir sind auch Menschen." Die Türkei, aber auch Kanada sollen Abdullah Kurdi inzwischen die Staatsbürgerschaft angeboten haben.

Er will aber in Kobane bleiben, dort wo seine Familie ihre letzte Ruhestätte gefunden hat. In seiner Heimat, wie der trauernde Vater betont: "Warum müssen wir nach Europa fahren? Syrien ist doch viel schöner. Aber das ist es offenbar, was Gott will. Ich weiß wirklich nicht, was ich noch sagen soll, es gibt nichts mehr zu erzählen. Gott möge mir beistehen."

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 03. September 2015 um 22:30 Uhr.

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