Beicht-App in Spanien Zeig mir den Weg zum nächsten Priester

Stand: 31.12.2016 13:09 Uhr

Sie sind Katholik, irgendwo in Spanien unterwegs und haben gerade gesündigt? Dank "Confesor GO" ist das kein Problem: Ein Pater aus Madrid hat die App erfunden, die den nächsten freien Priester anzeigt.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Am Eingang der Kirchengemeinde "Santos Inocentes" in Madrid hängt ein Schild mit einem durchgestrichenen Handy. "Um mit Gott zu sprechen, brauchst Du so etwas nicht", steht darunter. Darauf angesprochen lacht Pater Ricardo Latorre, der Erfinder der Beicht-App: In seiner Kirche sollte es ohne Handy oder Smartphone gehen - außerhalb dürfen die Gläubigen es von ihm aus aber gerne nutzen, um zum Beispiel den nächsten Priester für eine Beichte zu finden.

"Beichtväter in Echtzeit finden"

Handy-Verbotsschild in einer Kirche in Spanien
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"Um mit Gott zu sprechen, brauchst Du so etwas nicht!"

"Die App ist sehr einfach zu bedienen, sie hat nur drei Knöpfe", erklärt Pater Ricardo Latorre. Es geht darum, einen Priester zu finden, der gerade in der Nähe ist. "Die App erkennt Deinen Standort und schon bekommst Du angezeigt, welche Priester genau jetzt Zeit haben, die Beichte abzunehmen", sagt Latorre. Über die App selbst könne man nicht beichten.

Die App zeigt eine Liste mit den verfügbaren Priestern in der Umgebung an. Klickt man auf einen Namen, öffnet sich gleich ein Kartenprogramm und zeigt den schnellsten Weg zu ihm - inklusive möglicher Staus. Rund 120 Priester in ganz Spanien machen bei dem Projekt mit.

"Manche meiner Kollegen waren etwas verblüfft über die App, eher die Älteren, denen moderne Technik fremd ist", sagt der Pater. Er wolle mit der App niemanden angreifen, nicht den Glauben, nicht die Rituale der Kirche. Die App solle Verbindungen schaffen, sagt er: "Vor allem zur Jugend, für die Smartphones Alltag sind."

Pater Ricardo Latorre mit "Confesor GO", der Beicht-App, auf seinem Smartphone
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Pater Ricardo Latorre mit "Confesor GO", der Beicht-App, auf seinem Smartphone

Junge Menschen zurück in die Kirche holen

Die App ist also auch der Versuch der katholischen Kirche in Spanien, junge Menschen zu erreichen. Denn viele haben sich von der Kirche abgewandt. Gerade in den Jahren der schweren Wirtschaftskrise kritisierten junge Spanier den Reichtum der Kirche, während viele von ihnen arbeits- und perspektivlos waren.

Der Student Javier Cascón hat die Beicht-App schon genutzt: "Sie erleichtert das Beichten sehr. Du kannst dank der App schließlich schnell einen Priester finden - und zwar dann, wenn du ihn brauchst."

"Beichtväter in Echtzeit finden"
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Screenshot: "Beichtväter in Echtzeit finden"

Beicht-App "Confesor GO": Die Karte zeigt an, wo sich der nächste freie Beichtvater befindet.
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Screenshot: Die Karte zeigt an, wo sich freie Beichtväter befinden.

Nicht mehr bis zum nächsten Sonntag warten

Die Beicht-App könnte zu einem Exportschlager werden: Kirchengemeinden aus vielen Ländern haben schon ihr Interesse angemeldet. Marcelo Moncayo, Journalist aus Südamerika, sieht vor allem in seiner Heimat einen Markt für die App: "Mexiko, Argentinien, Kolumbien oder Ecuador sind sehr katholische Länder, in denen es gerade einen riesigen technischen Fortschritt gibt." Wenn Leute mit ihrer Beichte nicht bis zur nächsten Messe sonntags warten wollen, könnten sie nun ohne großen Aufwand früher beichten und sich aussprechen.

Pater Ricardo kann sich vorstellen, dass seine Erfindung auch in Europa Erfolg haben wird. Zum Beispiel in Deutschland: "Natürlich! Ich bin mir sicher, dass es in Deutschland viele Gläubige gibt, die die App gerne nutzen würden." Sie bekämen nicht nur die Anschrift des nächsten Priesters für eine Beichte - sie können sich mit der App auch darauf vorbereiten. Denn zur Grundausstattung gehört eine Übersicht der Zehn Gebote.

Spanischer Priester erfindet Beicht-App
O. Neuroth, ARD Madrid
31.12.2016 12:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete HR Info am 12. Juni 2017 in der Sendung "Das Interview" im Rahmen der ARD-Themenwoche "Woran glaubst Du?" vom 11. bis 17. Juni 2017.

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