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Architekturstudenten bauen Bunker um

Auf eine Nacht unter albanischem Beton

Aus Angst vor Invasoren aus dem Ausland hatte Albaniens Diktator Hodscha einst Hunderttausende Bunker im ganzen Land errichten lassen. Die Beton-Ungetüme haben jetzt eine neue Bestimmung: Albanische und deutsche Studenten bauen sie in Touristen-Unterkünfte um.

Von Stephan Ozsváth, ARD-Hörfunkstudio Südosteuropa

Alter Bunker in Albanien
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Meterdicker Beton und schwere Flügeltüren: Der Bunker ist auf den ersten Blick wenig einladend.

Letztes Handanlegen am Geschützbunker in Tale, 50 Kilometer von der albanischen Hauptstadt Tirana entfernt. Holzdielen zieren den eigentlich schmucklosen Beton-Iglu: Eine Nasszelle und Platz für bis zu acht Reisende. Hier sollen künftig Rucksack-Touristen einziehen.

20 Innenarchitektur-Studenten aus Mainz und Tirana bauen den Bunker um - mit Hilfe der albanischen Nachbarn. "Die schweren Türen aus Beton am Bunker waren nicht zu öffnen. Dann kam ein Landwirt aus der Nachbarschaft mit seinem Traktor und half uns, diese aufzuziehen", erzählt FH-Dozent Markus Pretnar.

Schließlich ist die Betonkuppel 1,30 Meter dick, und entsprechend verstärkt sind auch die Flügeltüren des Bunkers. Einer von mehreren Hunderttausend, die über das ganze Land verstreut sind - Mahnmale der Paranoia. Wie viele es genau sind, ist schwer zu sagen. "Wir haben uns mittlerweile darauf geeinigt zu sagen, dass es insgesamt wohl 350.000 Bunker sein könnten. Wobei die Größe und die Bauart der Bunker unterschiedlich sind", sagt Pretnar.

"Bed and Bunker" - Studenten bauen albanischen Bunker zum Hostel
S. Ozsváth, ARD Wien
22.09.2012 12:58 Uhr

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Auf Bunker-Tour durch Albanien

Diktator Enver Hodscha ließ sie in den 1970-er und 1980-er Jahren bauen, als er Invasoren aus dem Ausland fürchtete. Bauern nutzen sie heute als Futtersilos, manche als Imbissbude - warum nicht auch als Hostel für Rucksack-Touristen, dachte sich die albanische Studentin Iva Shtrepi. Das Bunker-Hostel war das Thema ihrer Diplomarbeit an der FH Mainz: "In meinem Kopf ist es, ganz Albanien nur durch eine Bunker-Tour zu bereisen. Denn es gibt sie ja überall - am Meer, in den Bergen und in urbanen Gebieten. Es wäre schon eine schöne Idee."

In Albanien werden Bunker in Unterkündte für Touristen umgebaut
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Mit Fenstern, Türen und viel Holz im Innenraum entsteht eine passable Unterkunft.

Und an dieser Idee kann jeder mitarbeiten, auf dessen Grundstück ein Bunker steht. Einzige Bedingung: Das Copyright müssen die Hochschulen in Tirana und Mainz behalten. Gäste sollen nicht mehr als acht Euro pro Nacht bezahlen - und die Gemeinden sollen die Hostels verwalten.

Aber denen muss man die Idee erst einmal schmackhaft machen. "Wir haben eine Beziehung, die wir Schritt für Schritt aufbauen. Auch die Gemeinde versteht langsam die Bedeutung dieser Gebäude, um Touristen zu reizen, auch in unbekannte Gebiete zu kommen", sagt Endrit Marku, Dozent an der privaten Polis-Universität in Tirana, dem albanischen Partner der Mainzer.

Regierung hofft auf noch mehr Touristen

Pro Jahr kommen etwa 500.000 Touristen nach Albanien. Das sollen noch mehr werden, wünscht sich die Regierung. An potenziellen Unterkünften ist jedenfalls kein Mangel. Genug Bunker stehen ja herum. Ein Fahrradkurier aus Berlin wird der erste Gast in Tale sein. Und die Studenten selbst beteuern, sie würden jederzeit unter albanischen Betonkuppeln übernachten.

Stand: 22.09.2012 13:49 Uhr

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