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Das Konzept ist einfach: eine Moderatorin, ein brisantes politisches Thema, dazu Anrufer, Skyper, E-Mails, SMS und Einträge aus der iranischen Bloggerszene. Das Ergebnis: viel Zündstoff. Nicht nur die Anrufer und User, die sich an der BBC-Sendung "Nobate Shoma - Sie sind dran!" beteiligen, sind oft gegensätzlicher Meinung.
Inzwischen geraten die Sendung und auch der persische Dienst der britischen BBC in die Kritik: Er sei parteiisch, seine Berichterstattung und vor allem "Nobate Shoma" dienten als Kommunikationsforum der Opposition und Sprachrohr des Westens, so die Vorwürfe aus Regierungskreisen in Teheran.
Unsere deutsch-iranische Kollegin Marjan Parvand hat eine Ausgabe der umstrittenen Sendung mitverfolgt:
Die BBC dreht den Spieß um und macht den Vorwurf zum Thema ihrer Sendung: Moderatorin Nuscheen fragt: "Mischen sich andere Staaten und deren Medien zu sehr in die inneren Angelegenheiten des Irans ein? Was meinen Sie? Sie sind dran, sprechen Sie mit uns."
Um die politische Komponente zu betonen, wird vorweg ein Ausschnitt aus der Pressekonferenz von US-Präsident Barack Obama gesendet. Er verurteilt darin das gewaltsame Vorgehen gegen die Demonstranten im Iran.
Aber die politische Diskussion wird gleich zu Beginn der Sendung von der Realität eingeholt. Denn am Telefon ist Nader aus Teheran. Er sagt, er sei mitten in einer Demonstration auf dem Baharestan-Platz in Teheran. Es ist laut um ihn, er keucht. Er müsse lauter sprechen, sagt die Moderatorin, die Verbindung sei schlecht.
Nader: "Was soll schon Obama für uns machen? Ich bin hier mitten unter den Demonstranten. Sie lassen uns nicht durch, ich komme nicht voran. Wir sind in Gefahr! Was spielt es schon für eine Rolle, was Obama sagt." Die Moderatorin unterbricht ihn - vielleicht weil die Verbindung zu schlecht ist.
Vielleicht auch, weil sie denkt, dass über den Sender, der im Iran über Satellit und online zu empfangen ist, Informationen über die aktuelle Situation auf den Straßen der iranischen Hauptstadt weitergegeben werden. Das möchte die BBC eigentlich nicht, der britische Sender hat den Anspruch, unparteiisch zu sein.
Auffällig an der Sendung ist, dass es vor allem die Exiliraner sind, die über die eigentliche Frage der Sendung - Einmischung des Westens in die inneren Angelegenheiten des Irans - diskutieren. Die Stimmen aus dem Land selbst sind vor allem mit dem Geschehen auf Teherans Straßen beschäftigt.
Wieder ist ein Anrufer von dort in der Leitung. Hamed: "Vorweg für euch im Westen: Knallharte politische und wirtschaftliche Sanktionen muss es geben, sollte dieses Regime an der Macht bleiben! Ich war bis eben bei den Demonstrationen auf der Baharestan-Straße dabei. Sie nehmen uns die Handys weg. Sie nehmen uns die Kameras weg. Sie schubsen uns von der Straße weg. Egal ob hundert Menschen irgendwo stehen oder nur drei. Alles ist geschlossen, hier liegt alles brach."
Ein weiteres Element der Sendung sind E-Mails. Auch so können sich die Zuschauer und User an der Sendung beteiligen. Das tun momentan viele aus dem Iran, denn die Telefonleitungen sind oft unterbrochen, die Auslandsverbindungen oft voller Störgeräusche.
Massa aus Teheran schreibt in ihrer Mail: "Schon wieder will die Regierung die USA als Sündenbock hernehmen. Lässt denn Herr Obama jeden Abend die "Allahu Akbar" rufenden Menschen per Fallschirm auf die Dächer der Stadt herunter?" Mit Ironie sieht es auch Danial, der sich ebenfalls aus der Hauptstadt per Mail an die BBC-Sendung wendet: "Die USA sind eine Gnade für die Welt. Wir können alles in ihre Schuhe schieben."
An diesem Punkt der Sendung stellt sich eine grundsätzliche journalistische Frage: Wie wählt die Redaktion aus? Gibt es Mails, in denen die USA und der Westen als Verursacher der Krise im Iran ausgemacht werden, und die ich nicht zu hören bekomme? Möglich.
Eine viel plausiblere Erklärung ist aber folgende: Den persischen Dienst der BBC schauen eher die Städter im Iran. Sie und nicht die Menschen in den ländlichen Gebieten haben Satellitenschüsseln auf ihren Dächern. Sie haben die schnellen Onlineverbindungen. Sie wagen es, sich über das Verbot hinwegzusetzen und westliche Medien in ihren Wohnzimmern zu empfangen.
[Bildunterschrift: Die Städter holen sich den Westen einfach ins Wohnzimmer: Satellitenschüsseln auf einem Dach in Teheran ]
Zurück zur Sendung. Abbas aus Teheran ruft von zu Hause an: "Wir geben nicht auf, wir sind noch nicht am Ende. Die Menschen sollen keine Angst haben. Die ganze Armee Irans ist momentan in Teheran. Und so weit ich weiß, stammen sie alle aus den Provinzen. Was bedeutet das? Unsere Provinzen helfen uns nicht genug."
Abbas ist der Meinung, der Westen solle sich noch nicht einmischen: "Das Regime wartet doch nur darauf, uns mit Herrn Obama gleichzusetzen. Dann können sie schön 'Tod den USA' rufen und auf uns schießen."
Auch der nächste in der Leitung ist aus Teheran. Möglicherweise ein Indiz dafür, wie sehr sich der Kampf gegen die iranischen Machthaber auf die Hauptstadt konzentriert. Mohamad war auf einer Demonstration und berichtet: "Tränengas! Sie versuchen, die Menschen damit auseinander zu treiben. Es gibt Schießereien. Eine Frau wurde verletzt, aber nicht ins Krankenhaus abtransportiert - die Soldaten haben sie mitgenommen."
Und er fährt fort: "Wir wollen von der gesamten Welt, dass der Iran politisch und wirtschaftlich strikt unter Sanktionen gestellt wird. Da hat unsere Nobelpreisträgerin Schirin Ebadi schon vollkommen recht."
Ebadi hatte gefordert, dass die UNO und das Europäische Parlament Sondergesandte in den Iran schicken, um die Gewalt zu stoppen. Das greift die Moderatorin auf, um ein weiteres Element der Sendung miteinzubeziehen: die Blogger. Der Iran hat eine sehr aktive Bloggerszene, persisch ist eine der häufigsten Sprachen im Netz.
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Die Webloggs, die heute in "Nobate Shoma" Erwähnung finden, beschäftigen sich weniger mit Straßenkampf. Sie beziehen sich vielmehr auf den friedlichen Protest, der jeden Abend von den Dächern des Landes ertönt. "Allahu Akbar - Gott ist groß", rufen die Menschen - und fühlen sich nicht mehr allein, schreibt eine Bloggerin. Eine andere traut sich nicht auf das Dach, weil sie Angst um die jungen Mädchen hat, die auch in ihrem Haus leben. Sie will nicht, dass sie am nächsten Morgen auf dem Weg zur Arbeit von der Bassidsch-Miliz verhaftet werden.
Ein Blogger fasst die Lage in seinem Land so zusammen: Es sei der Kampf von "Allahu Akbar" gegen die Schlagstöcke. Es ist der Kampf von Twitter gegen Staatsfernsehen und es ist der Kampf von Mobiltelefon gegen die Zensur.
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Aber auch eine Stimme aus den Reihen von Ahmadineschad kommt zu Wort: Ein Blogger hat auf seiner Seite, die in der Sendung gezeigt wird, das Bild von Onkel Sam veröffentlicht. Darunter steht der altbekannte Satz: "I want you!" - ergänzt durch diesen Satz: "to say Allahu Akbar!"
Gesteuert oder nicht gesteuert, vom Westen beeinflusst oder nicht - in diesem Forum kommen offenbar alle Meinungen zu Wort. Am Ende möchte die Moderatorin die Frage der Sendung mit dem letzten Anrufer erörtern. Das geht aber nicht, denn Farshad aus Teheran hat etwas anderes zu berichten: "Die Menschen sind leider auseinandergetrieben worden. Sie twittern, dass jemand getötet wurde, aber ich habe das nicht gesehen." Gab es Schüsse? "Ja, es gab Schüsse!"
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