Jummy Savile 1967 auf Sendung bei der BBC. | Bildquelle: picture alliance / Photoshot

Untersuchung zu BBC-Missbrauchsskandal Die Ehrfurcht vor "König Jimmy" machte alles möglich

Stand: 25.02.2016 15:46 Uhr

Systematisches Wegschauen, eine Atmosphäre der Angst und eine Kultur der Ehrfurcht. Das hat laut einem Untersuchungsbericht den Missbrauchsskandal um den verstorbenen Star-Moderator Jimmy Savile möglich gemacht. Das Ergebnis stimmt mit den Erfahrungen von Opfern überein.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

"Er war wie ein Gott. Er war einer der größten Stars, jeder wollte unbedingt in seine Shows", erinnert sich Kevin Cook. "Und ich war der Größte bei meinen Freunden, als ich in seine Fernsehshow eingeladen wurde. Er war der Mann in dieser Zeit." Cook war neun Jahre alt, als er in Jimmy Saviles Fernsehshow eingeladen wurde.

"Niemand wird dir glauben"

Anschließend nahm ihn Savile mit in seinen Umkleideraum und missbrauchte ihn. "Als es vorbei war, drohte mir Savile: Wage es ja nicht, das irgendjemand zu erzählen. Niemand wird dir glauben. Ich bin König Jimmy, und wir wissen, wo du wohnst."

Jimmy Savile | Bildquelle: picture alliance / Photoshot
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Der Bericht über Jimmy Saville listet 72 Missbrauchsfälle auf.

Es war dieser Starkult, der es Savile ermöglichte, ein halbes Jahrhundert lang Kinder und Jugendliche, Besucher und Teilnehmer seiner Shows zu missbrauchen oder zu vergewaltigen. Der Report der Ex-Richterin Janet Smith listet 72 dieser Taten in der BBC auf, darunter acht Vergewaltigungen zwischen 1959 und 2006, begangen von Savile an Kindern und Jugendlichen, Mädchen, Jungen, Teenagern. Das jüngste Opfer sei acht Jahre alt gewesen, so der Report.

"Man wollte hier nicht für Ärger sorgen"

Gerüchte über Jimmy Saviles Sexualverbrechen habe es immer wieder gegeben, mehrere Gelegenheiten, ihnen nachzugehen und ihn früh zu stoppen, seien verpasst worden, so das Fazit der Ex-Richterin Janet Smith: "Die BBC-Mitarbeiter glaubten und ihnen wurde das auch manchmal gesagt, dass es nicht in ihrem Interesse sein könne, eine Beschwerde auf den Weg zu bringen. Loyalität gegenüber den Stars, der Stolz auf den Erfolg der Shows verhinderte, dass den Gerüchten nachgegangen wurde. Man wollte hier nicht für Ärger sorgen."

Zu hierarchisch, zu verschlossen, zu viel Ehrfurcht

Richterin Smith kritisierte die Unternehmenskultur der BBC: zu hierarchisch und zu verschlossen, zu viel Ehrfurcht gegenüber den eigenen Stars, nur so habe es passieren können, dass die Gerüchte um die Verbrechen des Moderators nie die BBC-Spitze erreicht hätten.

Jimmy Savile | Bildquelle: dapd
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Mit dem Image eines Wohltäters wurde Jimmy Savile sogar zum Sir geadelt.

Der Täter starb hoch geachtet

Savile starb 2011, damals noch hoch geachtet als Top-Star des britischen Fernsehens, von der Queen zum Sir geadelt. Erst nach seinem Tod wagten viele seiner Opfer an die Öffentlichkeit zu gehen. Danach wurde klar: Der Mann, der als Wohltäter galt, weil er Millionen für Kinderkrankenhäuser sammelte, hatte seine Taten nicht nur in der BBC begangen, sondern auch in den von ihm unterstützten Einrichtungen. Klar wurde inzwischen auch: Außer Savile nutzten weitere Fernsehstars ihre Berühmtheit, um junge Fans zu missbrauchen und zu vergewaltigen.

"Wir werden die Lektionen lernen"

BBC-Generaldirektor Tony Hall versprach heute eine neue Unternehmenskultur: mehr Schutz für Whistleblower, weniger Hierarchie, mehr Aufmerksamkeit gegenüber Sexualmissbrauch. Er wandte sich auch an die Opfer: "Sie haben außerordentlichen Mut bewiesen, an die Öffentlichkeit zu gehen. Wir sind entschlossen, Ihren Mut zu honorieren. Wir werden die Lektionen dieser schrecklichen Zeit lernen. Und wir werden für Sie da sein."

Jimmy Savile-Report wirft BBC Versagen vor
J.- P. Marquardt (NDR, London)
25.02.2016 14:29 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 25. Februar 2016 um 23:33 Uhr im Deutschlandfunk.

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