Landtagswahl in Bayern als Testlauf für den Bund

Wahlplakate vor der Landtagswahl in Bayern. (Bildquelle: dpa)

Landtagswahl in Bayern

Testlauf für den Bund

Bei der Landtagswahl in Bayern darf die CSU nach letzten Umfragen auf eine absolute Mehrheit hoffen, trotz Banken-Skandalen und Vetternwirtschaft. Die FDP hingegen muss um ihren Wiedereinzug in den Landtag bangen. Eine Woche vor der Bundestagswahl gilt die Abstimmung auch als Testlauf für Berlin.

Von Angela Tesch, MDR, ARD Hauptstadtstudio

Bundeskanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer sind ein ungleiches Paar, aber sie wissen, dass sie sich brauchen. Im Wahlkampf stehen sie zusammen. Bei einem gemeinsamen Auftritt in Düsseldorf schmeichelt die Kanzlerin Seehofer: "Bayern ist gut regiert, weil die CSU regiert. Und Bayern muss weiter von der CSU und von dir als Ministerpräsident regiert werden, das ist unser gemeinsamer Wunsch."

Bayern-Wahl: Testlauf für den Bund
A. Tesch, ARD Berlin
14.09.2013 10:33 Uhr

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Der bayrische Ministerpräsident hatte schon Monate zuvor die Friedenspfeife geraucht. Manche sprachen auch von einer Unterwerfungsgeste, als er gelobte, im Wahlkampf keine Fehler zu machen: "Und deshalb sind wir fest entschlossen, dass wir in den nächsten Monaten ein schnurrendes Kätzchen sind und kein brüllender Löwe", versprach Seehofer damals.

Fluch und Segen einer starken CSU

Eine starke CSU in Bayern ist für die große Schwester CDU immer Fluch und Segen zugleich. Die bayrischen Stimmen sind wichtig für das Abschneiden der Union im Bundestag. Der Meinungsforscher Richard Hilmer von Infratest dimap erinnert an 2009. Da hatte die CSU 42 Prozent der bayrischen Wählerstimmen "zugeliefert" und das Unionsergebnis damit empfindlich gedrückt. Am Ende waren es 33,5 Prozent im Bund.

Das sei schon ein bisschen wenig gewesen für die CSU, sagt Hilmer. Natürlich hoffe die Union auch bei dieser Bundestagswahl, dass die CSU einen deutlich höheren Stimmenanteil einbringt. Er sollte "möglichst nah an der 50-Prozent-Marke liegen, damit die Position der Union als klar stärkste Partei mit allen strategischen Vorteilen dauerhaft gesichert" sei, erklärt Hilmer.

Sollte es dazu kommen, wachsen natürlich auch die bayrischen Ansprüche in Berlin. Schon jetzt machen Forderungen nach einem vierten Ministerposten in der Regierung die Runde. Und bayrische Extrawürste werden angebraten, wie die ultimative Forderung nach einer Pkw-Maut. Die Kanzlerin hat im TV-Duell kategorisch abgelehnt, danach wieder etwas eingelenkt. Man wird sehen.

Jörg Schönenborn, WDR, zur Landtagswahl in Bayern
tagesthemen 22:35 Uhr, 14.09.2013

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FDP muss um Einzug in Landtag bangen

Merkels größeres Problem bei der Bayernwahl ist das Abschneiden der FDP. Egal ob die Liberalen im bayerischen Landtag bleiben oder rausfliegen. In beiden Fällen könnte es zur Mobilisierung oder Solidarisierung der Wähler beitragen. Zweitstimme FDP - das ist in Niedersachsen für die CDU gründlich schiefgegangen. Deshalb wirbt Merkel bei jedem Wahlkampfauftritt um beide Stimmen für die CDU.

Der Generalsekretär der FDP, Patrick Döring, macht den Verbleib seiner Partei in der bayrischen Landesregierung unterdessen zu einer Frage der demokratischen Hygiene: "Nach vielen Jahren der Alleinherrschaft der CSU hat es doch ganz gut getan, dass auch mal ein kleiner liberaler Partner dabei ist, der manche Überheblichkeit, manchen Großmut und auch manche Unregelmäßigkeit hart angeht und kritisiert."

Die FDP als Korrektiv in Bayern und gern auch im Bund: "Das wäre ein schöner Auftakt für die letzte Woche des Bundestagswahlkampfes", findet Döring.

SPD-Spitzenkandidat Ude liegt in Umfragen weit hinter Seehofer zurück. (Bildquelle: dpa)
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SPD-Spitzenkandidat Ude liegt in Umfragen weit hinter Seehofer zurück.

Wenig Chancen für SPD-Spitzenkandidat Ude

Einen Verlierer gibt es schon vor dem Urnengang in Bayern: Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, den Spitzenkandidaten der SPD. Dabei war die Begeisterung für den Seehofer-Herausforderer anfangs riesengroß. Die Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder von der SPD erinnert sich: "Allein, wenn ich zum Semmeln-Kaufen gehe, hat mich der Verkäufer gleich angesprochen, was ich denn sagen würde zum Thema Ude", sagt Schieder. "Naja, ich glaube, sie haben schon ein bissl Angst vor dem Ude."

Das ist lange vorbei. Der Abstand zwischen Ude und Seehofer könnte nicht größer sein. Schwacher Trost: Fast die Hälfte der Wähler war sich zuletzt noch nicht sicher, ob und wen sie wählen soll.

Stand: 14.09.2013 11:27 Uhr

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