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Dauerbaustelle im Vatikan
Der schmutzige Petersdom
Zu Weihnachten steht er wieder im Blickpunkt der christlichen Welt: der Petersdom. Damit die Kirche im weißen Glanz erstrahlen kann, ist Dombaumeister Virgilio im Dauereinsatz. Denn Feinstaub und Wüstensand haben sich in der Fassade des Petersdoms eingenistet.
Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom
Rund um Weihnachten zeigt sich der Petersdom von seiner schönsten Seite. Vor allem der Platz davor: Ein grandioser Christbaum als Blickfang, daneben eine nicht minder beeindruckende Krippe. Die Stühle, die sonst den Petersplatz verunzieren, sind im Winter weggeräumt. Und oben, im dritten Stock im Apostolischen Palast, da leuchtet an dämmrigen Tagen ein Licht - und der kundige Tourist und Pilger weiß: hinter diesem Fenster arbeitet der Papst.
Gut, dass die Besucher nicht hinter die Fassade schauen und vor allem hören können, dort nämlich ist es mit der Idylle vorbei. Die Westseite des Petersdoms, also der Chor, ist komplett eingerüstet. Luca Virgilio, der Technische Direktor der Dombauhütte, zeigt die Baustelle."Das ist der Kompressor, den wir für unser Reinigungssystem nutzen. Das System ist ganz aktuell, modern und kann den Travertin mit extremer Sensibilität reinigen."
Ein Besuch bei der Dombauhütte Sankt Peter
T. Kleinjung, ARD Rom
24.12.2012 11:42 Uhr
Feinstaub und Wüstensand verschmutzen den Dom
Der Petersdom ist schmutzig geworden. Richtig schmutzig. Im Sommer ist es der Sand aus der Wüste, der in allen Ritzen, Löchern und Rillen stecken bleibt, im Winter der Feinstaub, den Autos und Heizungen produzieren. Der Dreck frisst sich in den Travertin-Stein, der aufgrund seiner porösen Struktur ein sehr viel leichteres Opfer ist als beispielsweise Marmor. Und natürlich kann man den empfindlichen Stein auch nicht einfach so mit einem Hochdruckreiniger abspritzen.
"Unser System greift die Oberfläche des Travertin nicht an", sagt Virgilio. "Es schadet ihm nicht, sondern reinigt ihn in kleinsten Schritten. Das ist sehr wichtig, um eine Reinigung zu haben, die den Travertin nicht zu weiß macht. Es entfernt den modernen Schmutz, die Karbon-Teilchen des Smogs, belässt aber die natürlichen Oxidationen im Travertin, ohne ihn zu stark aufzuhellen."
"Ein solches Bild hat es noch nie gegeben!"
Allein die Westseite des Petersdoms ist 7000 Quadratmeter groß, dazu all die Nischen, Ecken, Säulen, Simse und Kapitelle. Um das bis in den letzten Winkel hinein zu reinigen, rechnet Virgilio mit etwa zwei Jahren. Und das ist nur die schmale Seite. Die Südfassade, also die Längsseite, wurde in den letzten fünf Jahren auf Hochglanz poliert. Seit Frühjahr erstrahlt sie wieder in einem fast unnatürlichen Weiß, wie ein Neubau.
"So wie sie jetzt aussieht, erscheint die Basilika in einem neuen Bild", sagt Virgilio. "Wenn wir bedenken, dass sie in ungefähr anderthalb Jahrhunderten gebaut wurde, hat es ein solches Bild noch nie gegeben. Aber die Reinigung hellt den Travertin nicht zu sehr auf, da haben wir schon aufgepasst."
Ein absolut sicherer Arbeitsplatz
Im Jahre 1506 wurde der Grundstein für den Petersdom gelegt. Und seitdem ist diese Kirche eine Dauerbaustelle, um die sich die etwa 120 Mitarbeiter der "Fabbrica di San Pietro", der Dombauhütte, kümmern - Restauratoren für das Innere der Kirche, Archäologen für die Ausgrabungen unter der Kirche, Archivare für die Pläne und Zeichnungen von Michelangelo, Bernini und Bramante. Und es gibt auch einen Architekten wie Luca Virgilio, dessen einzige Aufgabe das Bewahren und Erhalten ist und nicht das Neubauen. "Hier ist der Architekt tatsächlich nur zu 50 Prozent gefragt. Das sage ich natürlich in Anführungsstrichen, denn bei einem so außergewöhnlichen Baudenkmal, vielleicht dem wichtigsten Gebäude auf der Welt, kann man auch auf einen Teil seiner Professionalität verzichten."
Und auch das ist im Krisenland Italien nicht ganz unwichtig: Dieser Arbeitsplatz ist absolut sicher. Die Arbeit wird Luca Virgilio und seinen Kollegen nicht ausgehen. Die Nordseite des Petersdoms ist noch nicht gereinigt und auch das Wahrzeichen des katholischen Roms, die berühmte Kuppel der Kirche, ist renovierungsbedürftig. "Wir wissen alle, dass der Bau eine Geschichte von 400 bis 500 Jahren hat", sagt Virgilio. "Also ist klar, dass jedes einzelne Teil ständig kleine Reparaturen oder eine Restaurierung braucht. Und auch die Kuppel hat dies nötig."
Doch wann und wie die Arbeiten durchgeführt werden, das zu entscheiden, sagt der 49-jährige Architekt, sei nicht seine Aufgabe. Da müsse man sich schon an den Hausherrn wenden: an Papst Benedikt XVI.
Stand: 24.12.2012 03:55 Uhr
