Ein handgeschriebener Brief an die Opfer liegt am Canaleta-Brunnen in Barcelona. | Bildquelle: dpa

Nach dem Anschlag Barcelona erwacht wieder

Stand: 19.08.2017 04:24 Uhr

Barcelona lässt den Schrecken des Terroranschlags Stück für Stück hinter sich. Obwohl vieles noch unklar ist, wollen Bewohner und Touristen das Leben in der Stadt wieder herstellen. Unterstützung bekommen sie vom deutschen Außenminister.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Es sind die Geräusche, die zur Rambla, der berühmten Prachtstraße von Barcelona, einfach dazu gehören: das Klappern der Rollkoffer von Urlaubern auf dem Straßenpflaster. Und die Stadtführungen für Touristen in allen möglichen Sprachen.

Nach dem Anschlag vom Donnerstag verstummten diese Geräusche. Doch seit gestern sind sie zurück - und mit ihnen die vielen tausend Besucher der Flaniermeile: vor allem Urlauber, aber auch Einheimische, wie Francisco. Der 60-Jährige sagt: Barcelona dürfe sich vom Terrorismus nicht einschüchtern lassen, jeder müsse sein Leben weiterleben: "Nur so geht es voran. Wenn man sich nach einem solchen Anschlag zu Hause einschließt, dann wird man doch verrückt!"

Menschen stehen auf der Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona im Kreis um niedergelegte Blumen und Kerzen. | Bildquelle: dpa
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Auf der Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona: Zurück zur Normalität?

Schlimmeres verhindert

Es ist die Botschaft, die auch der deutsche Außenminister zu seinem Besuch in Barcelona mitbringt: keine Angst vor dem Terror. Für Sigmar Gabriel ist Spanien weiterhin ein Land, in das Urlauber ohne Bedenken reisen können - trotz der Vorfälle der vergangenen Tage: "Wir sind ganz sicher, dass Spanien nach wie vor ein Reiseland ist, vor dem wir keinerlei Warnungen aussprechen müssen."

Die Menschen seien natürlich tief verunsichert, dazu bedürfe es gar keiner Hinweise des Auswärtigen Amtes, so Gabriel. "Die spanischen Sicherheitsbehörden haben hier - so sind die ersten Informationen - möglicherweise sogar Schlimmeres verhütet."

Außenminister Gabriel dankt Polizisten in Barcelona | Bildquelle: dpa
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Anerkennung von Gabriel: Der Außenminister dankt Polizisten auf dem Ramblas in Barcelona.

"Die Hilfe anbieten, die man anbieten kann"

Der Minister spielt damit auf Erkenntnisse der spanischen Polizei an, wonach die mutmaßlichen Terroristen von Barcelona einen noch größeren Anschlag geplant hatten. Sie sollen im Süden der Region Katalonien dafür Sprengstoff vorbereitet haben. Weil ein Teil davon ungeplant in einem Haus explodierte, seien die Drahtzieher auf das Attentat mit dem Lieferwagen ausgewichen - so die Theorie der Ermittler.

Fünf Deutsche wurden bei dem Anschlag verletzt, zwei Frauen schweben in Lebensgefahr. Außenminister Gabriel hat in Barcelona das Krankenhaus besucht, in dem die deutschen Opfer behandelt werden: "Was wir jetzt machen wollen ist, in dieser schrecklichen Situation zu versuchen, die Hilfe anzubieten, die man anbieten kann."

Die wäre besonders wichtig für die Angehörigen, die jetzt anreisen würden. "Das geht bei ganz banalen Dingen los wie eine Wohnung oder ein Zimmer zu suchen." Gabriel lobte dabei die Hilfe der spanischen Behörden: Sie unterstützten die Angehörigen der Opfer unbürokratisch.

Bundesaußenminister Gabriel gedenkt der Terroropfer
tagesschau 12:00 Uhr, 19.08.2017, Jan-Peter Bartels, ARD Madrid

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Wunden, die schnell heilen werden

Auf der Flaniermeile La Rambla haben am Abend hunderte Menschen der Opfer des Terroranschlags gedacht. Besucher aus aller Welt legten Textbotschaften an verschiedene Stellen der Straße, in denen sie ihr Mitgefühl zum Ausdruck brachten. Auch wurde öffentlich für die Opfer gebetet.

Der Einheimische Francisco findet das gut. Er stellt klar: Dass der Terrorismus Barcelona getroffen habe, sei reiner Zufall gewesen: "So etwas wie hier passiert leider in London, Paris oder Berlin. So ist das Leben. Es schlägt hier zu oder dort." Wunden werde der Anschlag der vergangenen Woche hinterlassen, sagt Francisco. Doch nach seinen Worten werden sie schnell heilen.

Barcelona auf dem Weg zurück zum Normalzustand
O. Neuroth, ARD Madrid
19.08.2017 09:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. August 2017 um 10:00 Uhr.

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