Kommentar

US-Präsident Donald Trump, links, und sein Berater Steve Bannon im Januar dieses Jahres in Washington | Bildquelle: AFP

Trump und Bannons Abgang Jetzt könnte es erst richtig wild werden

Stand: 19.08.2017 13:57 Uhr

Nein, seinen Ex-Chef wird Ex-Chefstratege Bannon nach seiner Rückkehr zum Krawallportal "Breitbart" nicht kritisieren, meint Martina Buttler. Stattdessen dürften die Moderaten in Trumps Regierung dran sein. Und das könnte die Präsidentschaft endgültig destabilisieren.

Ein Kommentar von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Glückwunsch, Herr Präsident! Glückwunsch zu einer neuen Front! Was jetzt kommt, könnte die Russland-Ermittlungen, den Kleinkrieg mit den Medien oder den Streit mit republikanischen Politikern wie einen Kinderspielplatz erscheinen lassen.

Unumwunden: Es ist gut, dass der Mann, der es darauf angelegt hatte, den Staat, wie er existiert, zu zerschmettern, raus ist aus dem Haus. Es ist gut, dass derjenige, der seine Webseite zum Sprachrohr der Alt-Right-Bewegung erklärt hat, nicht mehr direkt ins Ohr des Präsidenten flüstert. Es ist gut, dass der neue Stabschef John Kelly aufräumt und so nach dem letzten rettenden Strohhalm greift, den der US-Präsident überhaupt noch hat. Will Trump die Kurve kriegen, muss er Kelly vertrauen, um Ordnung ins Weiße Haus zu bekommen.

Die Hände wieder frei, die Waffen wieder in den Händen

Das mag auf den ersten Blick mit dem Abgang Steve Bannons gelungen sein. Auf den zweiten Blick könnte die wilde Fahrt jetzt erst richtig losgehen. Bannon hat gleich, nachdem er seine Taschen aus seinem Büro trug, erklärt, dass er zu "Breitbart News" zurückgeht - und freudig angekündigt, dass er nun frei sei und wieder seine Waffen in den Händen halte.

Worte und das Forum der rechtspopulistischen Webseite - das kann für Donald Trump und seine Präsidentschaft gefährlich werden. Bannon wird sich nicht gegen ihn stellen – das hat bisher noch keiner der geschassten Berater im Weißen Haus getan – ganz im Gegenteil. Sie singen auch außerhalb noch das hohe Lied auf Trump.

Jetzt sind vor allem Kushner, McMaster und Kelly im Visier

Aber diejenigen, mit denen sich Bannon im und um das Oval Office in den vergangenen Monaten erbitterte Kämpfe lieferte, müssen sich nun warm anziehen. Allen voran Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, der Nationale Sicherheitsberater H. R. McMaster und am Ende womöglich auch der neue Stabschef John Kelly.

Und wenn Bannon sie ins Visier nimmt und von außen anschießt, dann wird es für Trump zum Problem. Denn dann kann der Stabschef machen, was er will – das Weiße Haus wird nicht zur Ruhe kommen. "Breitbart" hat auf das Ende von Bannons Karriere in der Schaltzentrale der Macht mit einem einfachen Hashtag reagiert: #War - Krieg. Schon in der Vergangenheit äußerten sich die "Breitbart"-Leute beispielsweise kritisch über Trumps Nordkorea-Politik.

Trumps Universum destabilisiert?

"Breitbart" - das ist der direkte Draht zu Trumps Basis. Der Nachrichtenversorger, dem Trumps Wähler vertrauen. Wenn hier Kritik und Skepsis an einzelnen Punkten von Trumps Politik und vor allem an seinem Team gesät werden, dann könnte die Basis bröckeln.

Noch immer unterstützen Umfragen zufolge rund dreiviertel der Trump-Wähler den US-Präsidenten. Das könnte sich bald ändern. Das Trump-Universum könnte destabilisiert werden. Bei den Kongresswahlen im kommenden Jahr werden die ehemaligen Trump-Wähler völlig auseinanderdriften - nach rechts und links.

Für Trump ist der Abgang des nächsten prominenten Mannes aus seinem engsten Kreis ein Armutszeugnis, aber das ist nur eine Fußnote. Seine Präsidentschaft könnte gerade den Anfang vom Ende gesehen haben. Bezeichnenderweise aus seinem engsten Kreis. Was der Kongress nicht schafft, weil es keine Mehrheit für ein Amtsenthebungsverfahren geben wird - Bannon könnte es möglich machen. Eventuell hat Bannon nach seinem Abgang etwas geradezu Prophetisches gesagt: Die Präsidentschaft, für die er gekämpft habe, sei vorbei.

Trump wird Trump bleiben

Die Frage ist nur: Was kommt stattdessen? Nur eines ist sicher: Trump wird sich auch jetzt nicht ändern. Er duldet niemanden im Rampenlicht neben sich und will immer das Gefühl haben, dass er die Richtung ansagt. Trump bleibt Trump in Form und Inhalt.

Die Frage ist nur: Wie gut kommt er mit dem neuen Gegner klar, der nicht auf ihn zielt, ihn aber am Ende das Oval Office kosten könnte?

Kommentar: Steve Bannon ist raus
Martina Buttler, ARD Washington
19.08.2017 22:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. August 2017 um 12:11 Uhr.

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