Steve Bannon | Bildquelle: AP

Bannon vor Geheimdienstausschuss Der Meister des Schweigens

Stand: 17.01.2018 11:00 Uhr

Der Geheimdienstausschuss des US-Kongresses hatte viele Fragen an Steve Bannon. Die Antworten fielen jedoch spärlich aus: Der Ex-Chefstratege schwieg beharrlich zu seiner Arbeit für Präsident Trump. Für die Ausschussmitglieder sind Bannons Motive offensichtlich.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Zehn Stunden hat Trumps ehemaliger Chefstratege Steve Bannon vor dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses gesessen. Gesagt hat er offenbar nicht viel. Der Abgeordnete Jim Hines berichtet: "Ich bin froh, dass aus beiden Parteien Gegenwehr kam, weil das sehr nach einem Maulkorb aussieht, der Bannon verpasst wurde." Bannon wollte nichts zu seiner Arbeit im Weißen Haus sagen, und auch zu der Übergangszeit der Präsidentschaft zog er es vor zu schweigen.

"Trump nicht ans Messer liefern"

Dabei berief Bannon sich offenbar darauf, dass es das Vorrecht des Präsidenten sei, bestimmte Informationen nicht offenzulegen. Warum er die Aussage verweigert hat, ist für Jennifer Granholm, ehemalige demokratische Gouverneurin aus Michigan klar: "Bannon ist beim Präsidenten in Ungnade gefallen. Er muss nun beweisen, dass er ihn nicht ans Messer liefert. Wenn er das ohne Schaden für sich selbst erstmal machen kann, macht er es. Deshalb hat er heute sicher so gehandelt wie er es getan hat", sagte Granholm auf CNN.

US-Präsident Trump und Ex-Chefstratege Bannon | Bildquelle: AFP
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Einst ein Herz und eine Seele: US-Präsident Trump und sein damaliger Chefstratege Bannon im Januar 2017


Bannon war einer von Trumps engsten Beratern im Weißen Haus in den ersten Monaten. Er soll der Kopf hinter Trumps düsterer Antrittsrede gewesen sein. Im August musste er gehen - zu einem offenen Zerwürfnis mit Trump kam es allerdings nicht. Das folgte erst jetzt mit der Veröffentlichung des Buches "Fire and Fury". Darin stehen kritische Äußerungen Bannons über Trumps Sohn Donald Junior. Er bezeichnet dessen Verhalten als Verrat und unpatriotisch. Dabei bezieht er sich auf ein Treffen von Trump Junior mit einer russischen Anwältin im Wahlkampf.

Viele "Fire and Fury"-Ausgaben auf dem Tisch

Der Präsident warf nach Bekanntwerden der Kommentare Bannon vor, den Verstand verloren zu haben. Der Ex-Chefstratege ruderte zurück, musste in der Folge aber seinen Posten als Chef von Breitbart News aufgeben. Mehr als eine Ausgabe des Buches "Fire and Fury" lag auch bei Bannons Anhörung vor dem Geheimdienstausschuss auf dem Tisch, wie der demokratische Abgeordnete Hines erzählt: "Es wird Sie nicht überraschen, dass mehrere Ausgaben von 'Fire and Fury' im Raum waren." Bannon sei in dem Buch sehr offen gewesen, was passiert sei und wer was gesagt habe im Weißen Haus und in der Übergangsperiode. "Und dann er sitzt da und sagt: ich beantworte zu diesen Zeiten keine Fragen, weil mich das Weiße Haus darum gebeten hat", kritisiert Hines.

Vorladung von Sonderermittler Mueller

Wie nun bekannt wurde, hat Bannon auch eine Vorladung von Sonderermittler Robert Mueller bekommen. Der untersucht, ob es geheime Absprachen zwischen Russland und dem Trump-Team im Wahlkampf gegeben hat. Und das letzte Wort vor dem Geheimdienstausschuss sei für Bannon noch nicht gesprochen, ist sich der republikanische Politiker Rick Santorum sicher: "Wie weit der 'Maulkorb' gereicht hat, hat mich überrascht. Ich hätte erwartet, dass Steve unproblematische Fragen beantwortet. Dass er das nicht gemacht hat, verstehe ich nicht. Und ich vermute, das ist noch lange nicht das Ende der Geschichte." Aus dem Weißen Haus heißt es, niemand habe Bannon angewiesen, nicht transparent zu sein.

Bannon schweigt vor Geheimdienstausschuss
Martina Buttler, ARD Washington
17.01.2018 09:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Januar 2018 um 12:50 Uhr.

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