Bangladesch: Drei Manager nach Fabrikbrand festgenommen

Ermittlungen in Bangladesch

Manager nach Textilfabrik-Brand festgenommen

Vier Tage nach dem Großbrand mit 112 Todesopfern in einer Textilfabrik in Bangladesch hat die Polizei drei Manager des Unternehmens festgenommen.

Den Männern werde vorgeworfen, eine Evakuierung des Gebäudes verhindert zu haben, erklärte der Polizeichef von Dhaka, Habibur Rahman, der Nachrichtenagentur AFP. "Überlebende sagten uns, sie hätten Arbeitern nicht erlaubt, vor dem Feuer zu fliehen und hätten von einer Routinefeuerübung gesprochen", sagte Rahman.

Festnahmen nach Brand in Textilfabrik
K. Küstner, ARD Neu-Delhi
28.11.2012 14:47 Uhr

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Laut Zeugen sollen die drei Führungskräfte Vorhängeschlösser an den Ausgängen angebracht haben, sodass kaum jemand den Flammen entkommen konnte. Überlebende hatten auch erklärt, dass die Feuerlöscher nicht funktioniert hätten. Als Brandursache vermutet die Feuerwehr einen Kurzschluss.

Ausgebrannte Nähstube in Dhaka (Bildquelle: dapd)
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Die Fabrikräume sind komplett ausgebrannt. Nach Angaben von Arbeitern sollen die Feuerlöscher nicht funktioniert haben. Auch sollen die Türen verschlossen gewesen sein.

Höher als erlaubt gebaut

Die Polizei vernahm zudem den Inhaber der Firma Tazreen Fashion. Er wird verdächtigt, sich nicht an die Bauvorschriften gehalten zu haben. Für das neunstöckige Fabrikgebäude nahe Dhaka habe nur eine Genehmigung über drei Stockwerke vorgelegen, sagte Polizeichef Rahman weiter.

Mehr als 1000 Mitarbeiter vom Feuer eingeschlossen

Mehr als 1000 Arbeiter waren während der Nachtschicht von Samstag auf Sonntag in der Fabrik von den Flammen eingeschlossen gewesen. Die Firma produzierte Kleidung für westliche Firmen, darunter C&A und Kik.

Am Dienstag trauerten die Menschen in Bangladesch um die Opfer der Katastrophe. Auf den Dächern von Regierungsgebäuden und den etwa 4500 Textilfabriken hing die grün-rote Landesflagge auf Halbmast.

Massenbestattung der Brandopfer aus der Textilfabrik in Bangladesch (Bildquelle: AFP)
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Abschied von den Angehörigen: Bestattung der 112 Opfer des Brandes.

Arbeiter fordern mehr Sicherheit in Fabriken

Nach einem Bericht der in den Niederlanden sitzenden Menschenrechtsorganisation Clean Clothes Campaign kamen seit 2006 etwa 700 Menschen bei Bränden in Textilfabriken ums Leben. Aktivisten werfen westlichen Auftraggebern vor, sich nicht ernsthaft für sichere Arbeitsbedingungen in ihren Subunternehmen in Billiglohnländern einzusetzen.

Den dritten Tag in Folge protestierten die Textilarbeiter deshalb für mehr Sicherheit in den Fertigungsstätten und eine Bestrafung der für den Brand Verantwortlichen. Erneut gingen Tausende aufgebrachte Beschäftigte vor den Toren Dhakas auf die Straßen und blockierten den Verkehr.

Protest der Textilarbeiter in Bangladesch (Bildquelle: dapd)
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Die Näher und Näherinnen wollen die unsicheren Arbeitsbedingungen nicht länger hinnehmen. Tausende protestieren deshalb seit Tagen.

Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein. Augenzeugen berichteten von mindestens 20 Verletzten. Auf Anordnung der Behörden wurden die meisten der 300 Textilfabriken des Bezirks geschlossen.

Erneut Feuer in Textilfabrik

Indes hat es bereits wieder in einer Textilfabrik in Bangladesch gebrannt. Mindestens 50 Menschen wurden bei dem Feuer der Fabrik Section Seven Limited in der Hafenstadt Chittagong verletzt.

Die Arbeiter hätten fluchtartig das Gebäude verlassen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Das Feuer sei in der vierten Etage des fünfstöckigen Gebäudes wegen eines Kurzschlusses ausgebrochen. Die Feuerwehr habe den Brand rasch unter Kontrolle bringen können, hieß es weiter.

Dieser Beitrag lief am 28. November 2012 um 23:30 Uhr im Deutschlandfunk.

Stand: 28.11.2012 11:57 Uhr

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