Erneutes Todesurteil gegen Ex-Politiker in Bangladesch

Polizisten vorm Gerichtsgebäude in Dhaka. (Bildquelle: dpa)

Kriegsverbrechertribunal in Bangladesch

Und wieder ein Todesurteil in Dhaka

Ein Kriegsverbrechertribunal in Bangladesch hat erneut einen führenden Politiker der radikalislamischen Partei Jamaat-e-Islami zum Tode verurteilt. Das Gericht in Dhaka sah es als zweifelsfrei erwiesen an, dass der 61-jährige Muhammad Kamaruzzaman während des Unabhängigkeitskriegs 1971 an Massenmorden, Vergewaltigungen, Entführungen und Folterungen beteiligt war.

Mehrere tausend Demonstranten, die sich in der Hauptstadt Dhaka versammelt hatten, begrüßten die Entscheidung mit lautem Jubel. Sie fordern seit Monaten den Strang für alle Kriegsverbrecher und ein Verbot der Jamaat-e-Islami.

Jubel in Bangladesch über Todesurteil (Bildquelle: REUTERS)
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Das erneute Todesurteil löste Jubel ...

Protest in Bangaldesch gegen Todesurteile für Kriegsverbrecher (Bildquelle: AFP)
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...aber auch Protest aus.

Es ist das vierte Urteil des Kriegsverbrechertribunals, das von Premierministerin Sheikh Hasina zur Aufarbeitung des blutigen Bürgerkriegs vor mehr als 40 Jahren eingesetzt worden war. In drei Fällen erhielten führende Köpfe der Partei Jamaat-e-Islami die Todesstrafe, ein weiterer Islamistenchef bekam eine lebenslange Haftstrafe. Mindestens neun Urteile stehen noch aus. Alle führenden Jamaat-Politiker sind derzeit entweder hinter Gittern oder untergetaucht.

Ausschreitungen nach Urteilen

Nach den Urteilsverkündungen war es in den vergangenen Monaten immer wieder zu gewalttätigen Ausschreitungen durch Parteianhänger gekommen, bei denen Dutzende Menschen starben. Experten gehen davon aus, dass auch die islamistische Gruppe, die sich am vergangenen Wochenende blutige Straßenschlachten mit der Polizei geliefert hatte, von Jamaat-e-Islami finanziert wird.

Das heutige Bangladesch war nach dem Ende der britischen Kolonialherrschaft 1947 zunächst ein Teil Pakistans. 1971 erkämpfte es sich in einem blutigen Krieg mit indischer Unterstützung die Unabhängigkeit. Nach Schätzungen von Historikern starben damals zwischen 300.000 und drei Millionen Menschen.

Stand: 09.05.2013 15:15 Uhr

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