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Feuer nahe der Hauptstadt Dhaka

Mehr als 100 Tote bei Fabrikbrand in Bangladesch

In Bangladesch sind bei einem Feuer in einer Textilfabrik mindestens 120 Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben der Behörden gibt es mehr als 200 Verletzte. Die Arbeiter waren in den oberen Etagen des Fabrikgebäudes nahe der Hauptstadt Dhaka eingeschlossen. Die Brandursache ist noch unklar.

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

Die ganze Nacht hindurch kämpften Rettungskräfte gegen die Flammen an. Inzwischen ist das Feuer gelöscht, doch erst nach und nach wird das Ausmaß der Katastrophe klarer. Auf immer neue verkohlte Leichen stießen die Rettungskräfte in den Morgenstunden.

Das Feuer war gestern Abend in einem der unteren Stockwerke der Textil-Fabrik ausgebrochen und hatte sich dann so rasch auf die darüber liegenden Etagen ausgebreitet, dass die dort tätigen Arbeiterinnen und Arbeiter in der Falle saßen. Augenzeugen berichten, einige hätten sich aus Verzweiflung aus den Fenstern gestürzt und seien dann auf diese Weise ums Leben gekommen oder schwer verletzt worden.

"Zuerst wusste ich gar nicht, was los war", erzählt eine Arbeiterin, die dem Inferno verletzt entkommen konnte. "Aber als die anderen zu fliehen versuchten, merkte ich, was passiert war. Ich sprang aus dem Fenster. Ein Kollege und ich landeten auf dem Boden."

Mehr als 100 Menschen sterben bei Brand in Textilfabrik
tagesschau 20:00 Uhr, 25.11.2012, Gabor Halasz, Neu Delhi

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Sicherheitsvorkehrungen in Fabriken oft mangelhaft

Die Ursache der Brandkatastrophe ist noch ungeklärt. Ein Offizieller spekulierte darüber, dass ein Kurzschluss das Feuer ausgelöst haben könnte. Der Vorfall müsse jedoch eingehend untersucht werden.

Bei der Einschätzung der Sicherheitsvorkehrungen in der Fabrik gehen die Darstellungen stark auseinander: Augenzeugen berichten von zu engen Ausgängen, die es den Menschen unmöglich gemacht hätten zu fliehen. Ein Fabrik-Sprecher jedoch beharrt darauf, dass der Betrieb die von der Europäischen Union geforderten Standards eingehalten habe.

Fest steht, dass es in Schwellenländern wie Bangladesch, aber auch in Pakistan oder Indien, immer wieder zu verheerenden Bränden in Textilfabriken kommt. Um möglichst billig produzieren zu können, pferchen die Betreiber Arbeiterinnen und Arbeiter oft auf engstem Raum zu Hunderten zusammen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind oft mangelhaft.

Textilien für den europäischen Markt

Regelmäßig strömten in den vergangenen Jahren Fabrikarbeiterinnen und -arbeiter auf die Straßen, um für mehr Lohn und für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Bangladesch ist stark abhängig von der Bekleidungsindustrie, sie ist für rund 80 Prozent aller Exporte des Landes verantwortlich. Ein Großteil der Textilien hier wird für den europäischen Markt hergestellt.

In der betroffenen Fabrik wurde auch Kleidung für den europäischen Konzern C&A hergestellt. Die Fabrik sei beauftragt gewesen, 220.000 Sweatshirts herzustellen und von Dezember 2012 bis Februar 2013 an C&A in Brasilien zu liefern, sagte ein Unternehmenssprecher. Er sprach den Opfern dieses furchtbaren Unglücks sowie deren Familien und Angehörigen" sein Mitgefühl aus. Der Textildiscounter KiK erklärte, er habe keine Produkte in dieser Fabrik herstellen lassen.

In rund 4500 Fabriken nähen mehr als zwei Millionen Menschen, unter anderem für westliche Großkunden wie H&M, Wal-Mart oder Tesco. Einige der amerikanischen und europäischen Auftraggeber verweisen darauf, dass sie auf Brandschutz-Maßnahmen in ihren Produktionsstätten streng achten würden. Jedenfalls aber dürfte der verheerende Brand in Dhaka die Diskussion um Arbeitsbedingungen in Billiglohn-Ländern neu entfachen.

Erst vor wenigen Wochen waren bei einer der schlimmsten Feuer-Katastrophen in der Geschichte Pakistans über 280 Menschen ums Leben gekommen, als eine Fabrik in der Hafenstadt Karatschi niederbrannte. Hinterher hatte sich herausgestellt, dass auch der deutsche Billig-Textil-Anbieter Kik hier nähen ließ.

Feuerkatastrophe in Textilfabrik in Bangladesch
K. Küstner, ARD Neu Delhi
25.11.2012 10:07 Uhr

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Stand: 25.11.2012 13:02 Uhr

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