Bei Gevgelija überqueren diese Flüchtlinge die Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien. | Bildquelle: dpa

Flüchtlinge schutzlos unterwegs "Das ist unmenschlich"

Stand: 20.10.2015 14:31 Uhr

Kälte, Regen, Schlamm: Die Menschen auf der Westbalkan-Route sind dem Wetter schutzlos ausgeliefert. Und sie sind enttäuscht: "Wir haben alles verloren. Wir brauchen Europa", sagt einer der Flüchtlinge.

Von Stephan Ozsváth, ARD-Hörfunkstudio Wien.

Es sind Hunderte, die die Züge in Gevgelija besteigen. Der Ort in Mazedonien liegt an der Grenze zu Griechenland. Am Wochenende sind mehr als 20.000 Flüchtlinge hier angekommen. Am Sonntag war die Rekordmarke mit 13.000 Flüchtlingen erreicht, erzählt Alexandra Krause vom UN-Flüchtlingshilfswerk.

Die Helfer können kaum durchatmen

Auch mit Bussen und Taxis versuchen die Flüchtlinge, weiterzukommen. Denn ein Zug fasst nur 700 Personen. Doch kaum sind die einen weg aus Gevgelija, kommen schon die nächsten. Die Helfer können kaum durchatmen. Jasmin Rexhepi von der Hilfsorganisation LEGIS berichtete am Montag: "Ich war auf der anderen Seite, habe mit den Griechen gesprochen. Sie haben gesagt: Sie erwarten wieder 7000 Flüchtlinge aus Athen."

In Zelten inmitten von Weingärten sind die Flüchtlinge untergebracht. Mittlerweile ist der Bahnhof aus dem kleinen Grenzstädtchen direkt an die Grenze verlegt worden. Am Montag hatte es sich entlang der ganzen Westbalkan-Route gestaut. Tausende Flüchtlinge saßen an den Grenzen von Serbien nach Kroatien und von dort nach Slowenien fest - Regen und Kälte schutzlos ausgeliefert.

Fluchtwege nach Europa: Slowenien
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Die Karte zeigt die alternative Route durch Kroatien und Slowenien nach Österreich nach der Schließung der ungarischen Grenze.

"Wir brauchen Europa"

Heidar aus dem Irak, der gerade in Gevgelija angekommen ist,  ist enttäuscht. "Das ist unmenschlich",  sagt er. "Wir sind vor dem Krieg geflohen. Vor der Zerstörung. Wir haben alles verloren: Unsere Familien, unsere Kinder. Die Bomben töten uns. Es gibt viele Waffen in den Straßen. Wir brauchen Europa. Wir müssen leichter nach Europa kommen können. Aber wir sagen auch: Danke Europa."

Am Abend hieß es: Entwarnung. Slowenien und Kroatien ließen wieder Flüchtlinge durch. Tausende konnten weiter. Zuvor waren beide Regierungen in Streit über den Weitertransport der Flüchtlinge geraten. Slowenien hatte mit Verweis auf eine Obergrenze Österreichs erklärt, selbst nur 2500 Flüchtlinge pro Tag aufnehmen zu können. Kroatien schickte sie aber weiter.

Chaos und Not auf der Balkanroute
tagesschau 16:00 Uhr, 20.10.2015, Darko Jakovljevic, ARD Wien

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Slowenien: Wie sollen wir das schaffen?

Sloweniens Außenministerin Vesna Györkös Znidar ätzte gegen den Nachbarn. "Slowenien ist ein kleiner Staat, Kroatien hat behauptet, 24.000 Menschen versorgen zu können. Wo sind denn jetzt diese Kapazitäten, fragte sie, da Kroatien ausschließlich die Rolle eines Transportunternehmens übernommen hat."

Der slowenische Oppositionsführer Janez Jansa plädierte für den Bau eines Zauns an der Grenze zum Nachbarn Kroatien. Dort wird die Flüchtlingskrise zusätzlich durch den Wahlkampf verschärft. Anfang November wird in Kroatien gewählt. Auch die konservative Präsidentin Kroatiens hat sich für einen Zaun nach ungarischem Modell ausgesprochen. Der sozialdemokratische Premier Zoran Milanovic lehnt das ab. "Die letzte Lösung wäre der Bau einer Mauer an diesem kurzen Stück grüner Grenze. Wenn man Sumpf und Wälder abzieht, ist das nicht viel. Das kann jeder Blödmann. Aber das ist hässlich, und es ist falsch."

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