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Spanien fürchten "Balconing-Saison"
Abiturient stirbt bei Balkonsprung in Lloret de Mar
Von Balkon zu Balkon oder von Balkon in den Pool: Diese waghalsigen Sprünge sind ein beliebter Ferienspaß bei Touristen an der spanischen Küste - teils mit fatalen Folgen. In Lloret de Mar sprang jetzt ein Abiturient aus Hessen aus dem siebten Stock und starb. Der vierte Todesfall in dieser "Balconing-Saison", wie die Spanier sie nennen.
Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Hörfunkstudio Madrid
Es ist schon der vierte Todesfall in diesem Jahr. Spanische Medien sprechen davon, die "Balconing-Saison" habe begonnen - und das nicht ohne Grund. Seit mehreren Jahren sind die Sprünge von Balkon zu Balkon oder vom Balkon in den Swimmingpool ein beliebtes Urlaubsvergnügen, vor allem englischer und deutscher Touristen.
Knochenbrüche, wenn es glimpflich ausgeht
Tagsüber sind die Aktionen noch relativ harmlos. Die meist jungen Touristen klettern auf das Balkongeländer und springen aus der zweiten oder dritten Etage in den Hotelpool. Riskant genug, aber mit der Chance, mit Knochenbrüchen davon zu kommen, wenn es schiefgeht.
Nach einer durchgefeierten Partynacht gehen die Jugendlichen oft größere Risiken ein, so wie offenbar jetzt auch in Lloret de Mar. Ein Zeuge berichtet: "Es war viel los in der Nacht, und plötzlich hörten wir einen lauten Knall. Es war unglaublich."
"Balconing": Hessischer Abiturient springt in den Tod
Reinhard Spiegelhauer, ARD Madrid
25.06.2012 11:55 Uhr
Wollte auf die Dachterrasse des Nachbarhotels springen
Die Polizei ermittelt noch, es deutet aber alles darauf hin, dass ein 19-jähriger Abiturient aus Hessen gegen 4.00 Uhr morgens aus großer Höhe abgestürzt ist. Ob, wie in vielen Fällen, Alkohol oder Drogen oder beides im Spiel waren, ist noch unbekannt.
Der Tourismusbeauftragte von Lloret, Jordi Orbitg, sagte: "Er wollte auf die Dachterrasse des Nachbarhotels springen, das dreieinhalb bis vier Meter entfernt ist. Er hat es nicht geschafft und ist aus der siebten Etage abgestürzt."
Orbitg ist entsetzt. Vor wenigen Wochen stürzte bereits ein erst 17-jähriger Portugiese im selben Hotel in den Tod. Einfach alle Balkons zu verriegeln oder gezielt in den Zimmern junger Gäste geht natürlich nicht.
Eingreifen können die Hoteliers erst, wenn tatsächlich gesprungen wird, betont Orbitg: "Wenn jemand dabei beobachtet wird, wie er beispielsweise von Balkon zu Balkon springt, muss er darauf angesprochen werden - und wenn er es nicht unterlässt sofort aus dem Hotel geworfen werden." Hoteliers, die das "balconing" dulden, müssen mit einer Strafe in Höhe von bis zu 1500 Euro rechnen.
Tödliche Unfälle trotz Verbot von "Flat-Rate-Parties"
In vielen spanischen Touristenorten hat "balconing" inzwischen schon eine traurige Tradition mit mehreren Toten pro Jahr und während der Urlaubssaison mehreren Verletzten pro Woche. Dass einige Ferienorte inzwischen sogenannte "Flat-Rate-Parties" verboten haben, um den Alkoholkonsum der Jugendlichen zu senken, hat tödliche Unfälle nicht verhindern können.
Stand: 25.06.2012 12:27 Uhr
