Bainimarama bei der Klimakonferenz in Bonn | Bildquelle: REUTERS

Bainimarama im Porträt Fidschis Premier als Klima-Präsident

Stand: 07.11.2017 01:04 Uhr

Für eine Konferenz mit 25.000 Teilnehmern wäre auf den Fidschi-Inseln kein Platz. Deshalb findet sie in Bonn statt - offizieller Gastgeber und Konferenzpräsident ist aber Fidschis Regierungschef Bainimarama. Der ist durchaus umstritten.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Dass Fidschis Premierminister Frank Bainimarama einmal die UN-Klimakonferenz leiten würde, war nicht unbedingt abzusehen: Zweimal riss er die Macht in dem Pazifikstaat durch einen militärischen Coup an sich, zunächst im Jahr 2000 für mehrere Wochen, dann im Jahr 2006.

Er selbst sagte, er habe dies "aus Sorge um sein Land" getan. Die Korruption, die er in der Regierung vermutete, missfiel ihm, und darum bliebt er einfach an der Macht, um seinen Masterplan umzusetzen. Denn, das Militär sei "die einzige Kraft, die Reformen umsetzen kann", so Bainimarama. "Politiker können keine Reformen umsetzen, weil sie Angst haben, dass sie dann ihre Macht verlieren."

Erst 2014 demokratisch gewählt

Er setzte Gerichte unter Druck, zensierte Medien und wies Journalisten aus, schuf ein Klima der Angst, so sagten Menschenrechtsorganisationen. Internationale Organisationen schlossen Fidschi aus, die Nachbarstaaten isolierten das Land, bis es 2014 die längst versprochenen demokratischen Wahlen gab. Der Sieger - mit fast 60 Prozent der Stimmen - hieß Frank Bainimarama.

Handfest und volksnah, so präsentiert er sich seitdem, als Sportsfreund und natürlich größter Fan der Rugby-Nationalmannschaft. Als die Spieler vor einem Jahr Gold bei den Olympischen Spielen in Rio holten, war er der erste Gratulant auf dem Feld. Der Commodore der fidschianischen Marine hält die militärische Disziplin hoch. "Wir werden den Kampf nie aufgeben", hatte er noch kurz nach seinem zweiten Coup gesagt.

Zerstörungen auf Fidschi nach dem Zyklon Winston im Jahr 2016 | Bildquelle: dpa
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Der Inselstaat Fidschi ist vom Klimawandel besonders betroffen. Dieses Bild zeigt die Zerstörungen nach dem Zyklon Winston im Jahr 2016.

"Wir sitzen alle im selben Kanu"

Mit einer ähnlichen Durchsetzungskraft geht er den Kampf gegen den Klimawandel an. Er habe die Auswirkungen des Klimawandels zum ersten Mal vor 30 Jahren bemerkt, erzählt er in einem ARD-Interview. Damals sei in seinem Heimatort, einem kleinen Fischerdorf an der Küste, der Strand weggespült worden "Wir haben seitdem Dämme gebaut, immer höher, damit der restliche Sand dableibt."

So will er sich als starke Stimme vor allem der pazifischen Inseln präsentieren und dem Rest der Welt deutlich machen, wie wichtig es ist, jetzt zu handeln. Selbst wenn es für das Eineinhalb-Grad-Ziel schon zu spät sei, so doch bitte die zwei Grad.

"Ich habe keinen Zweifel, dass meine Rolle als Präsident der Klimakonferenz die wichtigste ist, die ein fidschianisches Staatsoberhaupt je hatte", sagt Bainimarama. "Wir nehmen die größte Herausforderung unserer pazifischen Region in Angriff, die größte Herausforderung für die ganze Welt. Wir sitzen alle im selben Kanu."

Alle im selben Kanu - Fidschis Premier als Klima-Präsident
L. Bodewein, ARD Singapur
06.11.2017 23:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. November 2017 um 04:42 Uhr.

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