Proteste nach der Hinrichtung des Geistlichen Nimr in Saudi-Arabien. | Bildquelle: AFP

Proteste gegen Hinrichtung Bahrain kappt diplomatische Beziehungen zum Iran

Stand: 06.01.2016 19:47 Uhr

Nach Saudi-Arabien hat nun auch Bahrain seine diplomatischen Beziehungen zum Iran unterbrochen. Die Vereinigten Arabischen Emirate schränkten den Kontakt zu Teheran ein. Auslöser für die Krise sind Proteste gegen die Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen.

Nach Protesten im Iran gegen die Hinrichtung eines bekannten schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien bricht auch Bahrain die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab. Das meldeten die Staatsmedien. Bahrain forderte die iranischen Diplomaten auf, das Land binnen 48 Stunden zu verlassen.

Die Entscheidung sei eine Reaktion auf die zunehmende "offene und gefährliche Einmischung" des Irans nicht nur in die Angelegenheiten Bahrains, sondern auch die der anderen arabischen Staaten, hieß es weiter. Bahrain warf Teheran zudem vor, Terroristen zu unterstützen sowie Zerstörung und Unruhe zu verbreiten.

Schulterschluss mit Saudi-Arabien

Auch die Vereinigten Arabischen Emirate wollen einer staatlichen Nachrichtenagentur zufolge den Kontakt zu Teheran einschränken und die Zahl der iranischen Diplomaten im eigenen Land reduzieren. Der Botschafter werde aus der iranischen Hauptstadt abgezogen.

Bereits am Sonntag hatte Saudi-Arabien seine diplomatischen Beziehungen zu Teheran gekappt. Bahrain ist wie Saudi-Arabien sunnitisch regiert, allerdings hat Bahrain anders als Saudi-Arabien eine schiitische Bevölkerungsmehrheit. Während der arabischen Aufstände ließ die Regierung Proteste von Schiiten mit Gewalt niederschlagen. Unterstützt wurde sie dabei von Saudi-Arabien, einem engen Verbündeten.

Hinrichtung eines bekannten Geistlichen

Auslöser der Krise in der Region ist die Hinrichtung des schiitischen Oppositionellen Nimr al-Nimr. Der Geistliche war am Samstag in Saudi-Arabien zusammen mit 46 weiteren Menschen wegen Terrorvorwürfen hingerichtet worden. Der 56-Jährige war ein entschiedener Gegner des sunnitischen saudi-arabischen Königshauses.

Al-Nimr hatte im Arabischen Frühling im Jahr 2011 die Abspaltung der ölreichen östlichen Regionen Katif und Al-Ihsaa befürwortet, in denen die meisten der rund zwei Millionen Schiiten Saudi-Arabiens leben. Im Oktober 2014 wurde er wegen Aufwiegelung, Ungehorsams und Waffenbesitzes zum Tode verurteilt.

Verwüstung der Botschaft in Teheran

Der schiitische Iran, der mit dem sunnitisch geprägten Königreich um die Vormachtstellung in der Region ringt, reagierte empört auf die Vollstreckung des Todesurteils. Die saudischen Führer würden "die Rache Gottes spüren", drohte der oberste Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei. Iranische Demonstranten setzten Teile der saudische Botschaft in Teheran in Brand und verwüsteten Büros.

Daraufhin brach Riad die diplomatischen Beziehungen ab. Dieser Angriff sei ein "schwerwiegender Bruch internationaler Konventionen", sagte der saudische Außenminister Adel al Dschubair. "Wir lehnen es ab, mit einem Staat zu tun zu haben, der Terrorismus unterstützt und Chaos und sektiererische Spannungen in der islamischen Welt verbreitet", begründete der Minister die Entscheidung. Er warf Teheran vor, die Führer des Terrornetzwerkes Al-Kaida zu schützen und Waffen zu schmuggeln. Schließlich zeige die Kritik des Iran an der Hinrichtung, dass Teheran den Terrorismus unterstütze.

Saudi-Arabien bricht diplomatische Beziehungen zu Iran ab
tagesschau 12:00 Uhr, 04.01.2016, Natalie Amiri, ARD Athen, zzt. Teheran

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USA mahnen zum Dialog

Der Iran reagierte mit Unverständnis auf den Abbruch der Beziehungen. "Die Saudis haben schon in der Vergangenheit mit solchen voreiligen und irrationalen Entscheidungen Instabilität in der Region verursacht",  sagte Vizeaußenminister Hussein Amir Abdullahian. Mit Blick auf die wütenden Proteste vor der saudischen Botschaft fügte er hinzu: Kein saudiarabischer Diplomat sei dabei zu Schaden gekommen.

International war Saudi-Arabien mit der Massenhinrichtung auf scharfe Kritik gestoßen - von UN über USA bis zu EU. Einhellig herrscht die Sorge vor neuen Spannungen in der Region vor. Die USA mahnten Saudis und Iraner zum Dialog. "Wir glauben, dass diplomatisches Engagement und direkte Gespräche bei der Überwindung von Schwierigkeiten äußerst wichtig sind", sagte Außenamtssprecher John Kirby. Die USA appellierten deshalb an die politisch Verantwortlichen in der Region, "Schritte zur Reduzierung der Spannungen zu unternehmen".

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