Streit um Tierschutzanlage in Vietnam Ein Herz für gequälte Bären

Stand: 18.01.2013 15:29 Uhr

Der Gallensaft von Bären soll gegen Leberleiden helfen. Dafür werden die Tiere in Asien oft in engen Käfigen gehalten und sterben nach wenigen Jahren. Ein Bären-Rettungszentrum in Vietnam wurde nun zum Zankapfel der Politik. Erst ein Machtwort des Regierungschefs brachte Klarheit: Das Zentrum bleibt.

Von Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Südasien

Es ist ein furchbares Verfahren, mit dem tausende Bären in Asien gequält werden. Ihnen wird in regelmäßigen Abständen Gallensaft entzogen, der in der traditionellen chinesischen Medizin als hilfreiches Mittel gegen Leberleiden eingesetzt wird. Die Tiere, in engen Käfigen gehalten, müssen dabei große Schmerzen erdulden.

Das Bärenzentrum der Tierschutzgruppe Animals Asia versorgt seit 2008 Bären, die man aus dieser Qual befreien konnte. 100 Tiere waren es zuletzt. "Die Bären werden hauptsächlich wegen der Gallenflüssigkeit gejagt. Obwohl es streng verboten ist, geht der Handel mit Bärengalle weiter. Deswegen sind die Tiere gefährdet", sagt Tuan Bendixen, der die vietnamesische Sektion von Animals Asia leitet.

Ein Bär im Rettungszentrum des Dao-Nationalparks (Vietnam) (Bildquelle: AFP)
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Im Rettungszentrum können sich die Bären von den Qualen der Gallensaftentnahme erholen.

Zwei Bären im Rettungszentraum im Dao-Nationalpark (Vietnam). (Bildquelle: dpa)
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In freier Wildbahn werden Bären 30 Jahre alt - in Käfigen sterben sie deutlich früher.

Geld schien wichtiger als die Bären

30 Jahre werden Bären in freier Wildbahn alt. Werden sie in engen Käfigen gequält, haben sie meist nur fünf bis zehn Jahre zu leben. Und das, sagt Jill Robertson, die Gründerin von Animals Asia, für eine Medizin, zu der es viele Alternativen gebe: "Es gibt alternativ Kräuter oder auch synthetische Substanzen gegen Leberleiden."

Das Bärenrettungszentrum im Dao-Nationalpark, 70 Kilometer von Vietnams Hauptstadt Hanoi entfernt, ist also eine gute Sache. Der Leiter des Nationalparks, Do Dinh Tien, sah das allerdings anders. Der Grund: Seine Tochter wollte auf dem Gelände des Bärenzentrums einen Freizeitpark eröffnen. Der versprach Geld, und das war wichtiger als die Bären.

Bärenrettungszentrum in Vietnam darf bleiben
U. Schmidt, ARD Singapur
18.01.2013 13:42 Uhr

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Gefährden Bären die nationale Sicherheit?

Do Dinh Tien, ganz der gute Vater, schickte den Tierschützern einen Räumungsbefehl für einen Teil ihres Geländes. Die Gruppe Animals Asia aber weigerte sich, die Bären im Stich zu lassen. Der Nationalparkchef schaltete das Verteidigungsministerium ein.

Blick in das Bärenrettungszentrum im Dao-Nationalpark (Vietnam). (Bildquelle: obs)
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Blick in das Bärenrettungszentrum im Dao-Nationalpark

Das sah zwar anfangs nationale Sicherheitsinteressen bedroht, wenn das Bärenzentrum nicht geräumt werde. Dann aber starteten die Tierschützer eine internationale Unterstützungskampagne. Und nun sprach Regierungschef Tan Dung das für die Bären erleichternde Machtwort: Das Bärenzentrum bleibt.

Die Bären lägen ihm sehr am Herzen, sagt Parkdirektor Do Dinh Tien: "Es ist geradezu ein Erziehungsmodell, um den Menschen beizubringen, Tiere nicht zu missbrauchen und zu jagen, wie es jetzt immer noch geschieht." Ein Erziehungsmodell, dass bei ihm selber aber offenbar nicht gefruchtet hat. Dem Parkdirektor drohen nun Amtshebung und Bestrafung.

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