Raif Badawi 2012 | Bildquelle: AFP

Sacharow-Preis für saudi-arabischen Blogger "Ein außergewöhnlich mutiger Mann"

Stand: 29.10.2015 16:24 Uhr

Der Blogger Raif Badawi kämpft für Menschenrechte und Meinungsfreiheit. In Saudi-Arabien wurde er dafür verhaftet und gefoltert. Nun hat ihn das EU-Parlament mit dem Sacharow-Preis geehrt. Parlamentspräsident Schulz fordert Badawis Freilassung.

Von Karin Bensch, WDR-Hörfunkstudio Brüssel

Er sei ein "außergewöhnlich mutiger und vorbildlicher Mann". Das sagt der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, über Raif Badawi, den diesjährigen Gewinner des Sacharow-Preises. Der 31-Jährige aus Saudi-Arabien sitzt im Gefängnis, weil ihm vorgeworfen wird, er habe auf seiner Internetplattform den Islam beleidigt. Badawi hatte in seinem Blog für freie Meinungsäußerung geworben und die Trennung von Staat und Religion vorgeschlagen.

Grausame Strafe: Brutale Folter

Er habe auch Beiträge gepostet, die die Gleichstellung von Christen, Muslimen, Juden und Atheisten fordern, sagt Ruth Jüttner, Sprecherin von Amnesty International der ARD. "Das sind Äußerungen, die in Saudi-Arabien als Beleidigung des Islam aufgefasst werden."

Parlamentspräsident Schulz sagt, Raif Badawi sei ein Mensch, "der mit einer der grausamsten Strafen belegt worden ist, die es in diesem Land gibt. Die man objektiverweise nur als brutale Folter bezeichnen kann."

Raif Badawi | Bildquelle: REUTERS
galerie

Der Blogger Raif Badawi wurde in Saudi-Arabien wegen islamkritischer Äußerungen inhaftiert.

2014 wurde Badawi zu zehn Jahren Haft und 1000 Stockhieben verurteilt. Anfang des Jahres bekam er - öffentlich zur Schau gestellt - 50 Stockschläge auf Beine und Rücken. Nach internationalen Protesten wurden weitere Peitschenhiebe ausgesetzt. Nach Angaben der Ehefrau des Bloggers, die sich im Exil in Kanada befindet, hätten die saudischen Behörden die Wiederaufnahme der Prügelstrafe erlaubt.

Schulz fordert Badawis Freilassung

Damit er den Preis persönlich entgegen nehmen kann, fordert Martin Schulz den saudischen König auf, Badawi unverzüglich zu begnadigen und frei zu lassen. "Im Fall von Herrn Badawi werden fundamentale Menschenrechte nicht nur nicht geachtet, sondern mit Füßen getreten", sagt Schulz.

Der Fall Badawi beweise einmal mehr, dass die EU und auch Deutschland ihren Umgang mit Saudi-Arabien grundlegend überdenken müssen, sagte die Grüne-Europaabgeordnete Barbara Lochbihler. Ein Land, das einen jungen Blogger öffentlich foltert, dürfe nicht als verlässlicher Handelspartner verstanden werden.

Raif Badawi ist weltweit zu einem Symbol im Kampf für Menschenrechte und Meinungsfreiheit geworden. Doch er ist kein Einzelfall. Zahlreiche Blogger, Journalisten und Menschenrechtler werden in Saudi-Arabien inhaftiert und gefoltert. Insofern steht der diesjährige Sacharow-Preis, der mit 50.000 Euro dotiert ist, auch für die vielen anderen Aktivisten in dem Land, die jeden Tag unter Strafandrohung oder Lebensgefahr den Mut aufbringen, sich für Meinungsfreiheit einzusetzen.

Sacharow-Preis 2015 geht an inhaftierten Blogger Badawi
Karin Bensch, WDR Brüssel
29.10.2015 16:24 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. Oktober 2015 um 16:15 Uhr.

Darstellung: