Polizei und Reporter vor dem Wohnhaus von Babtschenko | Bildquelle: dpa

Russischer Journalist Spekulationen nach Mord an Babtschenko

Stand: 30.05.2018 15:41 Uhr

Nach dem Mord an dem russischen Journalisten Babtschenko fordert Bundespräsident Steinmeier Aufklärung. Der Kreml, den Babtschenko immer wieder kritisierte, bestreitet jede Verwicklung. *

Von Sabine Stöhr, ARD-Studio Moskau

Drei Schüsse in den Rücken, als Arkadi Babtschenko im Treppenhaus die Tür zu seiner Wohnung aufschloss. Er starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Und die Spekulationen sind in vollem Gange, wer aus welchen Motiven den 41-jährigen Journalisten ermordet haben könnte.

Die Polizei in Kiew geht davon aus, dass sein Tod mit seiner journalistischen Arbeit zusammenhängt. Babtschenko hat immer wieder die russische Führung kritisiert. Die ukrainische Polizei ermittelt seit dem frühen Morgen in seinem Haus. Sie schließe nichts aus, sagt ein Polizist. Aber: "Es gibt noch eine Menge Fragen, die wir klären müssen. Noch kann ich Ihnen nichts Genaueres sagen."

Das russische Außenministerium dagegen erklärte, in der Ukraine würden Journalisten getötet, ohne dass die Taten bestraft würden. Und forderte, dass die Ukraine den Fall umgehend untersuche.

Russischer Journalist Babtschenko in Kiew erschossen
tagesschau 16:00 Uhr, 30.05.2018, Demian von Osten, ARD Moskau

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Prägende Erlebnisse als Kriegsreporter

Babtschenko war einer der bekanntesten Kriegsreporter in Russland. In den 90er-Jahren diente er im Tschetschenienkrieg. Später berichtete er dann unter anderem über die Kriege in der Ostukraine, Tschetschenien und Südossetien. Zu seinen Aufgaben dort gehörte aber nicht nur das Schreiben. Sein Kollege Orhan Djemal erinnert sich. "Wir müssten zusammen die verbrannten Panzersoldaten in einen Hubschrauber laden, wir haben die bewaffneten Kämpfer gebeten, die Gefangenen nicht zu erschießen."

Das hat Babtschenko geprägt und nicht mehr losgelassen. Zuletzt schrieb er viel über die russische Außenpolitik in Syrien und der Ukraine, kritisierte den Kreml dabei immer wieder unerschrocken. Seine Artikel veröffentlichte er überwiegend in der unabhängigen russischen Zeitung "Nowaja Gazeta".

Deren Herausgeber Dmitri Muratow beschreibt seinen Kollegen so: "Babtschenko ist ein sehr talentierter Mensch. Er war ein Krieger, ein Soldat. Der grimmige Hass zum Krieg - das hat den Kriegsreporter Babtschenko gekennzeichnet. Und er war immer an der Seite der Opfer."

Bundespräsident Steinmeier spricht in mehrere Mikrofone. | Bildquelle: dpa
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Bundespräsident Steinmeier ist momentan in der Ukraine. Er forderte weltweiten Schutz für Journalisten.

Steinmeier fordert Aufklärung

Zurzeit ist der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf Besuch in der Ukraine. Er zeigte sich erschüttert von der Nachricht des Mordes an Babtschenko. Er betonte, dass der nicht der erste ermordete Journalist in der Ukraine sei und forderte ebenfalls, den Mord aufzuklären: "Es zeigt erneut, dass wir Bedingungen herstellen müssen, dass Journalisten überall auf der Welt ihre Arbeit ohne Gefahr für Leib und Leben verrichten können", so Steinmeier. "Alle bleiben aufgefordert, im eigenen Interesse der unterschiedlichen Länder die Freiheit für journalistische Arbeit zu gewährleisten."

"Welt verliert aufrechten Journalisten"

Auch ein Sprecher des Auswärtigen Amtes forderte die rasche Aufklärung des "feigen und hinterhältigen Mordes". Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Bundesaußenminister Heiko Maas sagte dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland", dass man die Tat nicht sprachlos hinnehmen wolle und werde. "Mit dem Tod von Arkadi Babtschenko verliert die Welt einen aufrechten Journalisten, der sich auch durch die Drohungen, die er erhielt, nicht davon abhalten ließ, kritisch und unabhängig zu berichten."

Arkadij Babtschenko (Archivbild November 2017) | Bildquelle: REUTERS
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Arkadij Babtschenko (Archivbild November 2017)

Weitere Journalistenmorde

Zwei weitere Journalisten wurden in der Ukraine in den vergangenen Jahren ermordet: Der pro-westliche Weißrusse Pawel Scheremet, ein Ermittlungsergebnis gibt es bis heute nicht. Und der ukrainische und pro-russische Journalist Olsa Busina. Auch dieser Mord ist bis heute nicht aufgeklärt.

Aus Angst vor einem ähnlichen Ende und Todesdrohungen aus Russland, wie er selbst berichtete, war Babtschenko vor einem Jahr in die Ukraine geflohen.

* Hinweis der Redaktion: Einen Tag nach dem vermeintlichen Attentat trat der russische Journalist Arkadi Babtschenko gemeinsam mit Vertretern des ukrainischen Geheimdienstes SBU in Kiew vor die Presse. Dabei wurde mitgeteilt, dass die Ermordung inszeniert worden sei, um ein geplantes Verbrechen gegen Babtschenko verhindern und aufklären zu können.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. Mai 2018 um 10:00 Uhr.

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