Ex-Soldat Azaria vor Gericht | Bildquelle: REUTERS

Berufung im Kopfschuss-Prozess Urteil gegen israelischen Soldaten bestätigt

Stand: 30.07.2017 15:44 Uhr

Das Urteil hatte in Israel für eine gewaltige Kontroverse gesorgt: Im Januar war ein Soldat, der einen palästinensischen Attentäter mit Kopfschuss getötet hatte, wegen Totschlags verurteilt worden. Ein Berufungsgericht bestätigte nun die Entscheidung.

Der wegen Totschlags an einem palästinensischen Attentäter verurteilter israelischer Soldat Elor Azaria muss eine 18 Monate lange Haftstrafe verbüßen. Ein militärisches Berufungsgericht bestätigte in Tel Aviv ein vorheriges Urteil gegen den 20-Jährigen. Der Fall hatte weltweit für Aufsehen gesorgt und in Israel eine heftige Kontroverse ausgelöst.

Der damals 18-jährige Azaria hatte im März 2016 in Hebron im Westjordanland einen bereits verletzt am Boden liegenden palästinensischen Attentäter getötet. Dieser hatte zuvor mit einem Komplizen einen israelischen Soldaten mit einem Messer angegriffen und leicht verletzt. Nachdem andere Soldaten auf ihn geschossen hatten, lag er blutend auf der Straße. Elf Minuten nach dem Angriff kam Azaria als Militärsanitäter dazu und tötete den Palästinenser mit einem Kopfschuss. Ein palästinensischer Mitarbeiter der israelischen Menschenrechtsorganisation Betselem filmte den Vorfall.

Gericht: Asaria handelte aus Rache

Im Januar befand ein Militärgericht Azaria des Totschlags für schuldig und verurteilte ihn später zu 18 Monaten Haft. Die Anklage hatte eine dreijährige Haftstrafe gefordert, die Verteidigung einen Freispruch. Beide Seiten fochten das Urteil an. Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst Mitte des Monats stand Azaria zuletzt unter Hausarrest.

Das Berufungsgericht entschied nun, die Zeugenaussagen von Kameraden gegen den Sanitäter seien glaubwürdig. Ein anderer Soldat hatte ausgesagt, Azaria habe gesagt, der Attentäter habe es "verdient zu sterben", bevor er feuerte. Die Aussagen Azarias seien hingegen nicht glaubwürdig gewesen, hieß es in dem Urteil.

Azaria hatte während des Prozesses angeben, er habe befürchtet, der Palästinenser könne einen versteckten Sprengsatz tragen. Das Gericht wies diese Version jedoch ab. Auch ein am Boden liegendes Messer habe keine Gefahr dargestellt, weil es zu weit von dem verletzten Attentäter entfernt gelegen habe, hieß es in der Entscheidung. Azaria habe aus Rache gehandelt und sich "wie auf einem Schießstand" verhalten. Es habe keine echte und unmittelbare Gefahr bestanden.

Empörung in der Bevölkerung

Während der Verkündung des Berufungsurteils saß der in Zivil gekleidete Azaria zwischen seinen Eltern. Seine Mutter brach nach der Entscheidung in Tränen aus. Dutzende von Anhängern des Angeklagten demonstrierten vor dem Militärhauptquartier in Tel Aviv. Sie schwenkten israelische Flaggen und forderten einen Freispruch. Viele Israelis sehen in Azaria einen Helden, andere verurteilen seine Tat als Mord. Mehrere israelische Politiker hatten dazu aufgerufen, Azaria zu begnadigen. Dazu gehört auch Regierungschef Benjamin Netanyahu, der seine Forderung nun wiederholte.

Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman schrieb nach der Urteilsverkündung auf Twitter: "Ich bitte die Familie Azaria, das Urteil nicht weiter anzufechten, sondern stattdessen den Generalstabschef um eine Begnadigung zu bitten. Ich bin sicher, dass der Generalstabschef alle schwierigen Umstände in Betracht ziehen wird sowie die Tatsache, dass Azaria ein ausgezeichneter Soldat war."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Juli 2017 um 19:00 Uhr.

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