Australien: Down under wohl vor dem Machtwechsel

Ein Wahlhelfer in Australien stellt eine Wahlurne auf. (Bildquelle: REUTERS)

Wahl in Australien

Down under wohl vor Machtwechsel

Da helfen wohl auch keine Steuererleichterungen mehr: In Australien hat die linke Labor-Regierung ihre Sympathien bei den Wählern verloren. Bei den Wahlen bahnt sich ein Regierungswechsel zugunsten der Konservativen an.

Von Udo Schmidt, ARD Singapur, zzt. Melbourne

"Wollt ihr mehr Jobs für Australien?", ruft Noch-Premierminister Kevin Rudd der Gruppe von Schülerinnen zu, die ihn in Melbourne umringt. Die Antwort ist eindeutig: Mehr Jobs - ein Labor-Premierminister muss das versprechen.

Kontrahent Tony Abbott von den konservativen Liberalen hat sich an einen Ort gewagt, der eigentlich Labor-Hochburg sein müsste: in den Sydney Market, die Großmarkthallen mit ihren Gemüse-, Blumen- und Fleischhändlern. Abbott wird bejubelt, der Eierverkäufer Nino Barbaro, eine Größe im Markt, nimmt den Oppositionsführer in den Arm und drückt ihm einen Kuss auf die Stirn. Ein Symbol, das den Konservativen für die Markthändler wählbar macht.

Endspurt im australischen Wahlkampf
U. Schmidt, ARD Singapur, zzt. Melbourne
06.09.2013 21:08 Uhr

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"Glaubwürdigkeit ist dahin"

Steuererleichterungen für den Mittelstand hatte Kevin Rudd gerade noch in der vergangenen Woche versprochen, um eine solche Annäherung zu verhindern. Genutzt hat es nicht mehr: Die Glaubwürdigkeit der Labor-Regierung sei dahin, sagt Wahlforscher John Scales. "Die Glaubwürdigkeit in Wirtschaftsfragen ist erschüttert, die Kritik an geplanten Kürzungen der Liberalen hat dies sogar noch schlimmer gemacht, da vielen diese Kürzungen vernünftig erscheinen. Das war ein schwerer Fehler."

Der Spitzenkandidat der australischen Konservativen, Tony Abbott. (Bildquelle: AP)
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Tony Abbott von den konservativen Liberalen ist laut Umfragen der Favorit auf das Amt des Premierministers.

Australiens Premierminister Kevin Rudd. (Bildquelle: AFP)
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Kevin Rudd hatte die Labor-Führung von seiner glücklosen Vorgängerin Julia Gillard übernommen

Abbott, der wohl kommende Premier, hatte unsinnige Projekte angeprangert, die Labor in den vergangenen Jahren mit hohen Summen finanziert hatte. Etwa eine Forschung zur Rolle der Kunst beim Klimawandel. Positive Wirtschaftsdaten, ein höheres Wachstum als erwartet, geringe Arbeitslosenzahlen: Alles das hilft der amtierenden Regierung unter Rudd offenbar nicht mehr.

Hanebüchene Kampagne gegen Flüchtlinge

Lange Zeit sah es nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus, nachdem Rudd die Labor-Führung von seiner glücklosen Vorgängerin Julia Gillard übernommen hatte. Nun aber trennen schon vier Prozentpunkte Labor und die Liberals, und der Abstand wächst.

Obwohl die Konservativen etwa bei der wichtigen Frage nach dem Umgang mit Flüchtlingen mit hanebüchenen Argumenten arbeiten, wie dem, dass die per Boot nach Australien kommenden Asylsuchenden für die zunehmenden Verkehrsstaus verantwortlich seien. So gerade von Fiona Scott, Kandidatin der Opposition, verkündet.

Viele junge Wähler ratlos

Der Machtkampf zwischen Ex-Premier Julia Gillard und ihrem Vorgänger sowie Nachfolger Rudd hatte Labor in der Vergangenheit immer wieder gelähmt und die Wähler verärgert. Nun stehen viele gerade junge Wähler etwas ratlos vor dem kommenden Wahltag.

In den Umfragen stabil sind die Greens, die australischen Grünen. Und der neugegründeten Wikileaks-Partei wird, trotz interner Querelen, in den Bundesstaaten, in denen sie antritt, ein zweistelliges Ergebnis vorhergesagt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. September 2013 um10:00 Uhr.

Stand: 06.09.2013 22:13 Uhr

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