Queen Elizabeth  | Bildquelle: REUTERS

Australien will die Queen nicht mehr Geschlossen gegen die "großartige Dame"

Stand: 26.01.2016 09:20 Uhr

Das Staatsoberhaupt von Australien lebt in London: die Queen. Die republikanischen Kräfte in Down Under finden das nicht mehr zeitgemäß. Jetzt haben sich nahezu alle Regierungschefs der Bundesstaaten gegen die Monarchie und die "großartige Dame" ausgesprochen.

Von Udo Schmidt, ARD-Studio Singapur

Pünktlich zum australischen Nationalfeiertag am 26. Januar, mit dem Down Under an die Ankunft der ersten Siedler in der Bucht von Sydney 1788 gedenkt, fordern nahezu alle Gouverneure Australiens, die Queen als Staatsoberhaupt abzuschaffen. Mit diesem Vorstoß war die republikanische Bewegung Australiens vor knapp 17 Jahren schon einmal gescheitert. Jetzt sieht sie sich im Aufwind.

Alle republikanischen Kräfte sind sich einig

Australiens Nachbar Neuseeland stimmt gerade darüber ab, ob der britische Union Jack aus der Nationalflagge der Kiwis verbannt werden soll. Die Australier gehen einen anderen Weg, um die Erinnerungen an koloniale Zeiten zu verarbeiten. Die republikanischen Kräfte im Land, und dazu gehören alle Gouverneure der Bundesstaaten sowie der Premier Malcolm Turnbull höchstpersönlich, wollen nicht mehr von der Queen als Staatsoberhaupt regiert werden. Er habe darüber mit Premier Turnbull gesprochen, sagt einer der führenden Republikaner, Peter FitzSimons.

"Wir sind, bei allem Respekt für ihre Majestät, ein souveränes Land, 25 Millionen Menschen stark. Wir sollten unsere Angelegenheiten nicht von der Dame, dieser großartigen Dame im Palast in London regeln lassen."

Republikaner wollen nicht warten

Die Queen soll von der Spitze Australiens verstoßen werden? Da wagt Colin Barnett, Gouverneur des Bundesstaates Western Australia, zumindest etwas Kritik. Man sollte diese Entscheidung nicht zu Lebzeiten der Königin treffen, sagt er.

Peter FitzSimons ist aber für ein baldiges Volksreferendum und hält dagegen:

"Ich denke, wir könnten innerhalb von fünf Jahren genug Zustimmung erreicht haben. Und ich hoffe natürlich, dass ihre Majestät noch 15 Jahre lebt. Solange will ich nicht warten. Wir sollten das unabhängig von London organisieren. Es geht um unser Australien, nicht um Großbritannien.

Australien sollte ein australisches Staatsoberhaupt haben, sagt auch der Gouverneur des Bundestaates South Australia, Jay Weatherill. "Es wäre eine wichtige Veränderung, hin zu mehr nationaler Identität, etwas, das viel Energie freisetzen könnte."

1/30

Die britische Königin Elizabeth II.

Königin Elizabeth II.

Am 21. April 1926 wird Elizabeth Alexandra Mary in London als erstes Kind des Herzogs und der Herzogin von York, später König George VI. und Königin Elizabeth, geboren. | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

Premier Turnbull sieht drängendere Probleme

Die republikanische Bewegung favorisiert ein Modell, bei dem ein Präsident oder eine Präsidentin von der Bevölkerung direkt gewählt wird und dann an die Stelle der Königin tritt. Ein entsprechendes Referendum gab es bereits 1999. Damals scheiterte es. Nun glauben die Befürworter deutlich mehr Rückenwind zu spüren. Auch Premier Malcolm Turnbull, selber erst seit September im Amt, ist bekennender Republikaner und stand früher an der Spitze der Bewegung. Nun in Amt und Würden hält er sich jedoch zurück.

Die Anhänger der australischen Republik hoffen schon für das Jahr 2020 auf eine neue Volksabstimmung. Derzeit gibt es laut Premier Turnbull aber Wichtigeres zu tun, als die Queen von der Spitze Australiens zu verjagen. Die Flüchtlinge, falls man sie hereinlasse, im Land zu integrieren, die Terrorgruppe "Islamischer Staat" zu bekämpfen und das Ende des australischen Rohstoffbooms möglichst sanft abzufedern.

Australien will sich von der Queen lossagen
U. Schmidt, ARD Singapur
26.01.2016 08:39 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Dieser Beitrag lief am 26. Januar 2016 um 05:25 Uhr im Deutschlandfunk.

Darstellung: