In einem australischen Kaffee müssen Männer mehr zahlen als Frauen. | Bildquelle: dpa

Café in Australien Geschlechter-Zuschlag für Männer

Stand: 11.08.2017 11:02 Uhr

Nur weil sie keine Frauen sind, müssen Männer in einem Café im australischen Melbourne mehr bezahlen. Der Besitzerin geht es um Geschlechter-Gerechtigkeit: Der Aufschlag von 18 Prozent entspricht nämlich der Gehaltslücke zwischen Frauen und Männern in Australien.

Von Carsten Vick, ARD-Studio Singapur

"Handsome Her", so heißt das Café im australischen Melbourne, was auf Deutsch ungefähr so viel bedeutet wie: "Hübsche Sie".  Ein veganes Café, von Frauen, aber ganz besonders auch für Frauen. Obwohl Männer durchaus gern gesehen sind.

Allerdings könnte es für die Herren dann gelegentlich ein klein bisschen teurer werden. Eine Woche im Monat gibt es nämlich für sie einen Aufschlag von 18 Prozent. Die Besitzerin Alexandra O'Brien erklärt:

"Denn diese 18 Prozent entsprechen genau der "gender pay gap" - also der Gehaltslücke zwischen Frauen und Männern in Australien."

Männliche Gäste zeigen Verständnis

Und wie finden das die Gäste im "Handsome Her"? Viele finden es einfach fair - bei all der Geschlechter-Ungleichheit, die es gebe, und eine Frau ergänzt: "Eine brillante Idee, viele wissen doch gar nichts von dieser Gehaltslücke."

Männer gibt es übrigens auch im "Handsome Her"- wenn auch deutlich in der Minderheit. Ein Gast gibt sich zum Beispiel extrem verständnisvoll: "Ich kann damit gut leben - weil es eben diese Gehaltsunterschiede gibt und weil viele immer noch glauben, es gibt eine faire Bezahlung."

Beschwert hat sich im Café von den Herren übrigens noch keiner. Außerdem ist die Aktion auch noch so gut wie freiwillig. "Wenn ein Mann das nicht bezahlen will, dann werden wir ihn nicht rausschmeißen", so die Besitzerin, "es ist für ihn einfach die Möglichkeit, etwas Gutes zu tun." Denn das zusätzlich eingenommene Geld fließe zu 100 Prozent in Frauenprojekte.

Verbindlicher Aufschlag wäre wohl problematisch

Wäre der Aufschlag übrigens verbindlich, dann müsste das Café mit einer Beschwerde rechnen - die australischen Gesetze zum Schutz vor Diskriminierung sind nämlich äußerst streng.

Reichlich Reaktionen auf die Aktion gibt es in den sozialen Medien - positive, aber auch negative. Eine Frau schrieb auf Twitter: "Kosmetik für Frauen war schon immer teurer als die für Männer - warum also die Aufregung?" Ein Mann unterstellte den Frauen des Cafés sogar, sie würden eine neue Form der Apartheid kreieren - und ein anderer schrieb: "Wenn ihr von mir mehr Geld verlangt, weil ich als Mann geboren wurde, dann seid ihr Teil des Problems."

Dieser Beitrag lief am 10. August 2017 um 09:35 Uhr auf WDR 5 im Morgenecho.

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