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28.05.2012

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Ausland
Atomausstieg: Überwiegend negative Reaktionen im Ausland
Auslandsreaktionen auf Ausstiegsbeschluss

"Deutschland hat einen Fehler gemacht"

Die deutschen Atomausstiegspläne stoßen im Ausland auf wenig Gegenliebe. Aus Frankreich etwa ist von politischer Augenwischerei die Rede. Schweden kritisierte, wichtiger als ein Datum sei, dass Deutschland endlich erneuerbare Energien ausbaue. Nur aus Österreich kommen freundliche Töne.

Frankreich: "Können wir das auch? - Nein"

SWR-Hörfunkkorrespondentin Evi Seibert fasst die Reaktionen in Frankreich zusammen: Der deutsche Atomausstieg macht in Frankreich große Schlagzeilen. "Können wir das auch?", werden Experten in Radio und Fernsehen gefragt. Und die Antwort ist immer die gleiche, nämlich "Nein". Noch ist Frankreich viel zu abhängig vom Atomstrom. 74 Prozent des französischen Stroms stammen aus Atomkraftwerken. Und daran soll sich nach Ansicht der Regierungspartei UMP auch nichts ändern. Für Präsident Nicolas Sarkozy fällt Atomstrom unter Umweltschutz, weil er das Klima nicht mit CO2 verunreinigt. Außerdem, so Parteisprecher Jean François Copé, ist die Atomindustrie in Frankreich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. "Ich bin völlig dagegen, dass Frankreich aus der Atomkraft aussteigt. Man kann die Situation in beiden Ländern gar nicht vergleichen. In Frankreich basiert die Energieversorgung auf Atomstrom. Und europaweit sieht man, was für ein wichtiger Industriezweig die Atomwirtschaft ist. Da können wir uns nicht einfach ausklinken - wir investieren lieber in die Sicherheit der Kraftwerke."

"Deutsche werden Strom importieren müssen"

Atommanagerin Anne Lauvergeon ist exakt der gleichen Meinung. Sie hält den deutschen Ausstieg für politische Augenwischerei und meint, bis 2022 könne sich das Ganze auch wieder ändern. Zudem befürchtet sie, dass ganz Europa darunter leiden könnte, wenn Deutschland nicht genug Strom produziert. "Die Deutschen werden Strom von ihren Nachbarländern importieren müssen", sagt sie.

Französische Kernkraftgegner halten dagegen: Bisher musste nämlich Stromfresser Frankreich im Winter bei Deutschland Strom kaufen. Gerade die älteren Kraftwerke machen im Winter in Frankreich oft schlapp, dann gibt's nicht genug Strom. Diesen Anteil werden die Deutschen zukünftig selbst brauchen. Insofern hätte der deutsche Ausstieg auch für die Franzosen Konsequenzen. 

Audio: Schneller Atomausstieg in Frankreich undenkbar

AudioEvi Seibert, SWR-Hörfunkstudio Paris 30.05.2011 15:58 | 2'46
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"Noch sind wir nicht so weit"

Ähnlich die französischen Grünen. Bisher konnten sie mit dem Thema Atomausstieg in Frankreich auch bei ihren Anhängern keinen Blumentopf gewinnen. Das hat die Katastrophe von Japan geändert. Der grüne Präsidentschaftskandidat Nicolas Hulot beglückwünschte die Deutschen zu der Entscheidung und meinte, auch Frankreich solle sich auf einen Ausstieg aus der Atomkraft vorbereiten. "Noch sind wir nicht so weit, aber das ist ja nicht für alle Ewigkeiten entschieden. Die Ereignisse in Fukushima haben in Frankreich Bewusstsein und Meinung zu Atomkraft beeinflusst - auch bei der Opposition. Wir müssen jetzt Ausstiegsszenarien entwickeln."

Die Sozialisten, mögliche Koalitionspartner der Grünen, sind sich allerdings noch nicht einig, wie sie den Ausstieg beurteilen sollen. Alternative Energien sind die Zukunft, Atomkraft ist passé, fordern die einen - Parteisprecher Benoît Hamon beschränkte sich erstmal darauf zu sagen, dass sich Deutschland und Frankreich, zumindest was die Atomkraft betrifft, in völlig unterschiedlichen Situationen befinden.

Atomkraft in Europa [Bildunterschrift: Atomkraft in Europa ]
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Stand: 30.05.2011 16:34 Uhr
 

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