Seitenueberschrift
Porträt des neuen US-Außenministers
Kerry - ein Europa-Freund
Der US-Senat hat den früheren Präsidentschaftskandidaten John Kerry als neuen Außenminister bestätigt. Das Oberhaus des Kongresses in Washington wählte ihn mit klarer Mehrheit zum Nachfolger von Hillary Clinton. Kerry gilt als Freund Europas und als erfahrener Diplomat, der Militäreinsätzen skeptisch gegenübersteht.
Von Martin Ganslmeier, NDR, ARD-Hörfunkstudio Washington
Präsident Obama war voll des Lobes über John Kerry, als er ihn kurz vor Weihnachten zum Nachfolger von Hillary Clinton als Außenminister vorschlug: "Sein ganzes Leben hat ihn auf dieses Amt vorbereitet. Als Sohn eines Diplomaten hat er tiefen Respekt für die Männer und Frauen im Außenministerium."
Tatsächlich begann Kerrys lebenslanges Interesse an Außenpolitik schon in seiner Kindheit. 1954 zog Familie Kerry nach Berlin, wo sein Vater zwei Jahre lang im US-Hochkommissariat in Dahlem arbeitete - dort wo jetzt das amerikanische Generalkonsulat untergebracht ist.
Prägende Zeit in Deutschland
Für den zwölfjährigen Kerry war Berlin eine prägende Zeit, wie er im Präsidentschaftswahlkampf 2004 berichtete: "Ich erinnere mich, dass ich mit dem Fahrrad um Hitlers ausgebrannten Führerbunker fuhr und ich sah den zerstörten Kurfürstendamm und den ausgebrannten Reichstag."
John Kerry: Vom Vietnam-Protestler zum Außenminister
29.01.2013 23:09 Uhr
Kerry konnte damals noch mit dem Rad durch das Brandenburger Tor in den Ostteil Berlins fahren. Seinen Kindheitsjahren in Berlin verdankt Kerry nicht nur seine passablen Deutschkenntnisse, sondern auch ein frühes Interesse an anderen internationalen Konflikten: "Mir öffnete das die Augen für die Folgen von Krieg, Holocaust und der Besatzung eines Landes."
Skepsis gegenüber militärischem Eingreifen
Auch als Senator spezialisierte sich Kerry auf die Außenpolitik. Gemeinsam mit seinem republikanischen Kollegen John McCain setzte er sich für die Aussöhnung mit dem ehemaligen Kriegsgegner Vietnam ein. Dort hatte Kerry als junger Mann gekämpft und - von seinen Erfahrungen desillusioniert - wurde er bald zum Kriegsgegner.
Weshalb ihn 1971 der gleiche Senatsausschuss als Zeugen befragte, der ihn in der vergangenen Woche als designierten Außenminister anhörte. Mit einer Aussage im Senat erlangte der junge Kriegsgegner Kerry nationale Berühmtheit: "Wie fragt man einen Mann, dass er der Letzte sein soll, der für einen Fehler stirbt."
Die Skepsis gegenüber militärischem Eingreifen teilt John Kerry mit seinem Präsidenten. Auch wenn Obama am liebsten seine UN-Boschafterin Susan Rice zur Außenministerin gemacht hätte - Obama und Kerry kennen und schätzen sich, und das nicht erst seit den Vorbereitungscamps auf die TV-Duelle, als Kerry die Rolle Romneys übernahm.
Kerry als erfolgreicher Krisendiplomat
Kerry hat für Obama auch einen Waffenkontrollvertrag mit Russland abgeschlossen und er war als Krisendiplomat erfolgreich in Afghanistan und Pakistan unterwegs. Ihre erste gemeinsame Bewährungsprobe könnte der Atomstreit mit dem Iran sein. In der Senatsanhörung warnte Kerry die Regierung Teheran, dass "die Uhr tickt", auch wenn er eine diplomatische Lösung bevorzuge: "Wir werden tun, was wir tun müssen, um zu verhindern, dass der Iran in den Besitz einer Atombombe kommt."
Doch es gibt auch Unterschiede zwischen Kerry und Obama: Während das außenpolitische Interesse des Präsidenten eher dem pazifischen Raum gilt, kann sich Europa mit John Kerry auf einen überzeugten Transatlantiker freuen.
Stand: 29.01.2013 22:46 Uhr
