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Nach Protesten wegen der Verbrennung von Koran-Ausgaben in Afghanistan hat US-Präsident Obama versucht, die Situation zu entschärfen. Er entschuldigte sich bei Präsident Karsai. Bei Protesten gab es erneut Tote. Auch zwei NATO-Soldaten wurden erschossen.
Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Südasien
Die Zahl der Opfer bei den Protesten in Afghanistan steigt. In immer mehr Gebieten tragen erzürnte Afghanen ihre Wut gegen die fremden Soldaten auf die Straße. Sie schreien ihren Hass heraus und wünschen den USA, US-Präsident Obama und der NATO den Tod.
Vor einem Stützpunkt der US-Streitkräfte in der ostafghanischen Provinz Nangahar schoss ein Angreifer in einer afghanischen Uniform gezielt auf Mitglieder der internationalen Schutztruppe und tötete zwei NATO-Soldaten. Im anschließenden Schusswechsel verloren auch mehrere Demonstranten ihr Leben. Im Norden Afghanistans, mitten im Einsatzgebiet der Bundeswehr, eröffneten Polizisten in der Provinz Baghlan das Feuer auf eine protestierende Menge und töteten mindestens einen Demonstranten. Es scheint, als könne derzeit nichts und niemand die Gemüter beruhigen.
Dieser junge Mann aus der ostafghanischen Metropole Jalalabad ist nur einer von vielen, der Rache für die Schändung des Koran will: "Wir wollen, dass unsere Regierung dafür sorgt, dass die Schuldigen vor Gericht kommen. Diejenigen, die den Koran verbrannt haben, müssen vor der gesamten afghanischen Nation bestraft werden. Wir wollen, dass die Ausländer unser Land verlassen. Sie sind gegen unsere Religion und sie sind korrupt."
Auch er ist aufgebracht von einem Vorfall, der sich am Anfang der Woche auf dem US-Stützpunkt Bagram etwa eine Auto-Stunde nördlich von Kabul abgespielt hat. Dort hatten Soldaten Exemplare des Koran, die zuvor afghanischen Gefangenen weggenommen worden waren, zusammen mit Müll in einer Verbrennungsanlage entsorgt.
[Bildunterschrift: ISAF-Kommandeur Allen hat sich zwar entschuldigt, die Lage ist dennoch nicht beruhigt. ]
Afghanische Mitarbeiter des Stützpunkts griffen ein und verbreiteten die Nachricht anschließend außerhalb des Lagers. Der Kommandeur der internationalen Afghanistan-Schutztruppe, der amerikanische Verteidigungsminister und nun auch Präsident Barack Obama haben sich entschuldigt - bislang ohne Erfolg.
Während Afghanistans Präsident Hamid Karsai die Bevölkerung zur Ruhe aufruft und die Sicherheitskräfte um äußerte Zurückhaltung bittet, nutzen radikale Extremisten wie die Taliban die Lage gnadenlos aus. Sie fordern die Demonstranten ihrerseits auf, Ausländer anzugreifen und zu töten, damit diese lernten, die heilige Schrift nie wieder zu schänden.
Viele Beobachter blicken auch mit Sorge auf die morgigen Freitagsgebete, wenn das Verbrennen von Koran-Ausgaben durch US-Soldaten zum Thema in den Moscheen wird. Dann könnte die Lage noch explosiver werden. Schon jetzt scheint sich die Gewalt zu verselbständigen.
Die Wut über den unsensiblen Akt der Verbrennung mischt sich mit der allgemeinen Frustration über die schlechten Lebensumstände. Immer mehr Afghanen machen im elften Jahr der internationalen Mission den Westen und die afghanische Regierung für Krieg, Unterentwicklung, Armut und Hunger verantwortlich. Nach einem neuen Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International werden jeden Tag 400 Afghanen zu Flüchtlingen im eigenen Land.
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