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28.05.2012

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Ausland
Banner Afghanistan nach Koranverbrennung (Foto: REUTERS)
Afghanistan: Tote bei Ausschreitungen nach Koran-Verbrennung
Nach Vorfall auf US-Militärstützpunkt in Afghanistan

Tote bei Protesten nach Koran-Verbrennung

Nach der Verbrennung von Exemplaren des Koran auf dem US-Stützpunkt Bagram ist es in der afghanischen Hauptstadt Kabul und weiteren Städten zu schweren Ausschreitungen gekommen. Als die Polizei gegen die anti-amerikanischen Proteste vorging, wurden mehrere Menschen getötet. Die afghanischen Behörden sprachen offiziell von acht Todesopfern. In anderen Berichten war von bis zu sieben Toten die Rede. Die Regierung der nördlich von Kabul gelegenen Provinz Parwan teilte mit, allein im Distrikt Schinwari seien sechs Menschen getötet und 13 verletzt worden.

Nach Angaben der Polizei setzten in Kabul wütende Demonstranten Fahrzeuge in Brand und griffen Geschäfte an. Wie die Nachrichtenagentur AFP meldet, lieferten sich Hunderte Afghanen Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. Die Polizei schoss teilweise in die Luft, um Demonstranten zu stoppen. In der Provinz Parwan sollen die Demonstranten versucht haben, die Distriktverwaltung zu stürmen. Einige schossen laut Regierungsangaben auf Polizisten. Die Polizei sei gegen die Menge vorgegangen.

Ausschreitungen in Kabul (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: In der afghanischen Hauptstadt kam es zu schweren Protesten.]
Ausschreitungen in Kabul (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Koran-Verbrennung löste heftige Proteste aus.]
 

Auch in der ostafghanischen Stadt Dschalalabad gab es Proteste gegen die Verbrennung von Koran-Ausgaben. Etwa 1000 Studenten sollen dort eine Hauptstraße blockiert haben.

Bereits am Dienstag hatten Tausende Afghanen den Stützpunkt Bagram angegriffen, nachdem bekannt geworden war, dass dort US-Soldaten Ausgaben des Koran verbrannt hatten. Auch in Kabul hatte es eine Demonstration gegeben.

Koran "unangemessen entsorgt"

Die Internationale Schutztruppe ISAF hatte zuvor eingeräumt, dass Soldaten in Bagram muslimische Schriften wie den Koran "unangemessen entsorgt" hätten. ISAF-Kommandeur John Allen entschuldigte sich und betonte, die Soldaten hätten nicht vorsätzlich gehandelt.

ISAF-Oberbefehlshaber John Allen (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: ISAF-Kommandeur Allen will die Soldaten künftig besser schulen lassen. ]
US-Verteidigungsminister Leon Panetta sprach von einem "höchst bedauerlichen Zwischenfall", den er verurteile. "Diese Aktionen spiegeln nicht die Ansichten des US-Militärs wider. Wir ehren und respektieren die religiösen Praktiken des afghanischen Volkes ohne Ausnahme", fügte er hinzu.

ISAF verpflichtet Soldaten zu Schulungen

Als Konsequenz aus dem Vorfall verpflichtete Allen alle ISAF-Soldaten dazu, spätestens bis zum 3. März an Schulungen zum angemessenen Verhalten mit religiösem Material wie dem Koran teilzunehmen. Dies umfasse die Erkennung, Bedeutung, Lagerung und den korrekten Umgang mit religiösen Schriften.

Ähnliche Vorfälle hatten in Afghanistan in der Vergangenheit immer wieder gewaltsame Proteste ausgelöst. Bei tagelangen Kundgebungen gegen die Koran-Verbrennung durch den radikalen US-Pastor Terry Jones in Florida waren im April 2011 mindestens zehn Menschen getötet worden. Im Januar sorgte ein Internetvideo, in dem US-Soldaten offenbar auf die Leichen getöteter Aufständischer in Afghanistan urinieren, für Empörung.

Stand: 22.02.2012 12:51 Uhr
 

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