Das Traumschiff als schwimmender Campus vor Costa Rica | Bildquelle: Joshua Orth

Ehemaliges Traumschiff als schwimmender Campus Vorlesungen im Kaisersaal

Stand: 09.01.2016 12:38 Uhr

Neue Verwendung für das ausrangierte Traumschiff aus der gleichnamigen ZDF-Serie gefunden: Es dient 600 Studenten aus 30 Nationen als Uni-Campus. Die "Semestergebühren" liegen bei 22.000 Euro - für eine Innenkabine. Meerblick kostet extra.

von Antje Passenheim, ARD-Studio Washington

Nein, Chef-Steward Victor ist nicht mit von der Partie. Und mit Sascha Hehn, der TV-Serie und dem Sofa ihrer Oma verbinden Studenten in den USA das Traumschiff auch nicht. Unter der Flagge der Universität von Virginia fährt die ausrangierte Fernsehdiva hier unter ihrem neuen akademischen Namen: Die "World Odyssey“, ein schwimmender Campus.  

Das Schiff drehte sich um 180 Grad: Aus den Touristenkabinen wurden Schlafräume für 600 Studenten aus 30 Nationen. Die Bar heißt jetzt Bibliothek. Gleich neben der Mensa mit Meerblick, schwärmt die Sprecherin der Organisation Semester at Sea, Lucille Renwick: "Der Kaisersaal, der für die deutsche Fernsehserie als Entertainmentsaal genutzt wurde, ist unsere Aula. Dort findet täglich eine wichtige akademische Veranstaltung statt.“

Das Traumschiff als schwimmender Campus in Kroatien (Quelle: Joshua Orth) | Bildquelle: Joshua Orth
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Zwischenstopp vor der Küste Kroatiens (Bild: Joshua Orth)

Besonders beliebt ist Deck Neun. Mit Swimmingpool und Freiluftbar. Doch auch die Sonnenstühle dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass an Bord vor allem eines gilt: Hier wird ernsthaft studiert. Professoren der Universität Virginia und sieben Gastdozenten sorgen für ein straffes Programm - von Anthropologie bis Marketing. Die Inhalte lehnen sich an die Reiseroute -  sie geht von der US-Westküsteüber Japan und China bis nach England. Und das Beste, meint der deutsche Student Joshua Orth: "Dass man zum Beispiel morgens beim Frühstück manchmal mit einem Professor am Tisch sitzt. Das findet man bei uns in Deutschland nicht so einfach.“

22.000 Euro für eine Kabine

Der Mannheimer hat auf dem Schiff im vergangenen Semester die Zeit bis zu seinem Studium in Deutschland überbrückt. "Das Besondere ist, dass man wahnsinnig viel sieht. Also mir ging es darum, dass ich die Welt kennenlerne“, sagt Orth.

Das meiste hat er sich von den Landgängen mitgenommen. Sein Highlight: Marokko. "Ich wurde sehr herzlich von allen Menschen aufgenommen", sagt der Student. "Ich habe ganz andere Erfahrungen gemacht als das, was man sonst so hört und was es für Vorurteile über das Land gibt."

Das Traumschiff als schwimmender Campus
A. Passenheim, WDR Washington
09.01.2016 14:44 Uhr

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Seit mehr als 50 Jahren lockt das Semester at Sea nun schon. 55.000 Studenten schipperten auf zahlreichen Schiffen im Namen der Wissenschaft. "Internationale Studenten bekommen hier keinen Lehrplan, der sich auf die USA konzentriert, sondern einen, der ihnen eine globale Perspektive gibt. Sie bekommen den Blick auf die Welt, um zu verstehen, welchen Einfluss die Länder aufeinander haben und wie sie zusammenhängen“, sagt Renwick.

Der Blick ist nicht billig: Knapp 22.000 Euro kostet das Bett in einer Innenkabine. Wer ein Fenster will, braucht noch mehr Kleingeld. Keine Peanuts für Studenten, die nicht an amerikanische Uni-Gebühren gewöhnt sind. Traumschiff-Reisende dürfen sogar ihre Stipendien mit an Bord nehmen. Und schließlich ist dem ausgewanderten Deutschen Schiff doch etwas aus seiner guten alten Traumschiff-Zeit geblieben, verspricht Lucille Renwick: "Es gibt viele Captain’s Dinner.“ Es geht also auch ohne Sascha Hehn.                        

Anmerkung der Redaktion: In den Sommermonaten soll das Schiff unter dem alten Namen "Deutschland" wieder für Kreuzfahrten eingesetzt werden.

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