Audi-Chef Rupert Stadler | Bildquelle: AFP

Audi-Chef greift Dobrindt an "Vielleicht wirft der Wahlkampf Schatten"

Stand: 02.06.2017 18:00 Uhr

Im Zuge neuer Ermittlungen gegen Audi hat Konzernchef Stadler Vorwürfe gegen Bundesverkehrsminister Dobrindt erhoben: Er habe im "Alleingang" Informationen über angebliche neue Abgas-Manipulationen veröffentlicht. Stadler wittert Wahlkampfgebaren.

Von Peter Hornung, NDR

Audi-Chef Rupert Stadler wirft Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt einen "Alleingang" bei der Veröffentlichung von Informationen über angebliche neue Abgas-Manipulationen vor und weist dessen Anschuldigung zurück. Stadler unterstellt Dobrindt indirekt sogar, wegen der Bundestagswahl im September so gehandelt zu haben.

In einer an Audi-Mitarbeiter gerichteten, internen Videobotschaft, die NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" einsehen konnten, zeigte Stadler sich überrascht über Äußerungen von Dobrindt zu in den Modellreihen A7 und A8 eingesetzter Software. Audi sei der Meinung, es handele sich nicht um unzulässige Abweichungen bei den Abgas-Werten. "Die Politik stellt da manches anders dar", so Stadler weiter: "Vielleicht wirft der Wahlkampf schon seine ersten Schatten."

Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der Audi AG
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Rupert Stadler, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, wirft Dobrindt einen "Alleingang" vor.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt | Bildquelle: dpa
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Dobrindt hatte zuvor neue Vorwürfe gegen Audi erhoben.

Dobrindt gegen Stadler

Dobrindt hatte am Donnerstag erklärt, Audi setze in den betroffenen Euro-5-Fahrzeugen eine unzulässige Abschalteinrichtung ein. Diese unterscheide durch eine Lenkwinkelerkennung zwischen Abgastest und Straßenfahrt und sorge für einen deutlich höheren Stickstoffausstoß, wenn die Autos nicht getestet würden.

Audi-Chef Stadler dagegen betonte, dass der Hersteller "sofort und in Eigeninitiative" das Kraftfahrtbundesamt informiert habe, als jüngst bei einer Audi-internen Untersuchung bei Diesel-Fahrzeugen mit bestimmten Motor-Getriebe-Kombinationen ein höherer Stickstoffausstoß festgestellt worden sei, der auf bestimmte Funktionen der Getriebesoftware zurückgehe. Audi halte diese Funktionen jedoch nicht für illegal. Das Getriebe sei nicht Teil des Emissionskontrollsystems und deshalb von der entsprechenden Gesetzgebung nicht erfasst. Aus Unternehmenskreisen heißt es zudem, dass man erstaunt sei, dass der Bundesverkehrsminister hier seine Rechtsauffassung offenbar geändert habe und nun auch solche Software für illegal halte.

In 24.000 Diesel-Autos eingesetzt

Nach Angaben von Audi handelt es sich um fünf Getriebevarianten, die in insgesamt 24.000 Diesel-Autos eingesetzt wurden. Betroffen sind demnach unter anderem die Getriebe mit der Bezeichnung AL 551. Unternehmensjuristen des Audi-Mutterkonzerns Volkswagen waren bereits im vergangenen Herbst zu der Einschätzung gelangt, dass ein Softwareeingriff am Getriebe AL 551, der bei Abgastests den Schadstoffausstieg reduziert, in Europa nicht illegal sei.

NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" hatten damals aus einem vertraulichen Vorstandspapier zitiert. Aus dem Papier geht jedoch auch hervor, dass die in der Software verwendete Lenkwinkelerkennung den Behörden offenbar zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt war. Ein Audi-Sprecher sagte heute, es handele sich um einen Sachverhalt, der mit der nun in Rede stehenden Software nur mittelbar zu tun habe.

Recherchekooperation

Die investigativen Ressorts von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" kooperieren unter Leitung von Georg Mascolo themen- und projektbezogen. Die Rechercheergebnisse, auch zu komplexen internationalen Themen, werden für Fernsehen, Hörfunk, Online und Print aufbereitet.

Audi-Chef kritisiert Dobrindt
Peter Hornung, NDR
02.06.2017 21:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Juni 2017 um 16:00 Uhr

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