Atomkraftwerk Tihange | Bildquelle: dpa

Sicherheit von AKW im Nachbarland Bundesregierung kritisiert Belgiens Atomaufsicht

Stand: 26.01.2016 14:12 Uhr

Das Umweltministerium hat erneut Zweifel an der Sicherheit belgischer Atomkraftwerke geäußert. In einem Bericht, der dem WDR vorliegt, wirft die Bundesregierung der Atomaufsicht in Brüssel zudem vor, Informationen zurückzuhalten. Von Jürgen Döschner.

Von ARD-Energieexperte Jürgen Döschner, WDR

Die Bundesregierung hat nach wie vor erhebliche Zweifel an der Sicherheit der belgischen Atomkraftwerke Tihange 2 und Doel 3. Auch ein internationales Arbeitstreffen von Sachverständigen und Atomaufsichtsbehörden aus Belgien und Deutschland Anfang Januar in Brüssel konnte diese Zweifel nicht ausräumen.

In einem bislang unveröffentlichten Bericht stellt das Bundesumweltministerium nach dem Treffen fest: Die Bewertung der Sicherheit von Tihange 2 und Doel 3 liege zwar in der Zuständigkeit der belgischen Atomaufsicht, aber man werde "alle Kanäle […] nutzen, um der belgischen Regierung die deutsche kritische Haltung zu vermitteln und die deutsche Besorgnis über den fortgesetzten Betrieb der Atomkraftwerke Tihange 2 und Doel 3 zum Ausdruck zu bringen."

Mehr als 1000 Risse und Einlagerungen

Das Atomkraftwerk Tihange liegt nur rund 70 Kilometer von Aachen entfernt. In dem Bericht, der am Mittwoch dem Umweltausschuss des Bundestages zur Diskussion vorgelegt wird, ist die Rede von "signifikant reduzierten Sicherheitsmargen". Konkret geht es um mehr als 1000 Risse und Einlagerungen von Wasserstoffflocken in den Druckbehältern der beiden Reaktoren. Berlin und die Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hatten das Wiederanfahren der Meiler im Dezember wiederholt kritisiert.

In dem aktuellen Papier des Umweltministeriums heißt es: "Die in den Reaktordruckbehältern der beiden Atomkraftwerke gefundenen Wasserstoffflocken stellen eine signifikante Abweichung von der geforderten Fertigungsqualität dar. [...] Aus deutscher Sicht ist fraglich, ob das mit den grundlegenden Anforderungen an die Sicherheit von Atomkraftwerken vereinbar ist."

Karte der Kernkraftwerke Doel und Tihange in belgien
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Mit der Sicherheit belgischer AKW befasst sich am Mittwoch der Umweltausschuss.

Fragen der Bundesregierung bislang unbeantwortet

An dem internationalen Treffen in Brüssel hatten auf deutscher Seite neben dem Umweltministerium auch Vertreter der Länder Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sowie Fachleute der Reaktorsicherheitskommission und der Gesellschaft für Reaktor- und Anlagensicherheit teilgenommen. Aus dem Schreiben geht hervor, dass alle Beteiligten auf deutscher Seite besonders die Informationspolitik der belgischen Atomaufsicht FANC kritisieren. Wichtige Dokumente und Informationen würden den deutschen Stellen vorenthalten, ein Katalog der Bundesregierung mit 15 detaillierten Fragen sei bis heute nicht beantwortet worden.

Am Mittwoch wird sich der Umweltausschuss des Bundestages mit den belgischen Atomreaktoren und dem Bericht der Bundesumweltministerin befassen.

Dieser Beitrag lief am 26. Januar 2016 um 12:47 Uhr auf bei Inforadio.

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