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22.03.2010

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Ausland
Großbritannien beschleunigt Ausbau der Atomenergie
Großbritannien beschleunigt Genehmigung

Schnelles "Yes" zu neuen Atomkraftwerken

Großbritannien setzt auf einen neuen Energiemix. Dabei spielen erneuerbare Energien aber nicht die Schlüsselrolle. Stattdessen sollen Atomkraftwerke bald ein Viertel des britischen Bedarfs liefern. Die Genehmigungen für neue Meiler werden beschleunigt.

Von Ralf Borchard, BR-Hörfunkstudio London

Großbritanniens Umweltminister Ed Miliband (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Der britische Umweltminister Miliband wertet die Atomenergie als sichere Technologie. ]
Großbritannien drückt beim Ausbau der Atomkraft aufs Tempo. Die Labour-Regierung will die Genehmigungsverfahren für neue Atomkraftwerke erheblich beschleunigen. Hat es bisher bis zu sieben Jahren gedauert, bis die Genehmigung neuer Kraftwerke abgeschlossen war, sollen Investoren künftig nach einem Jahr Klarheit haben.

Der britische Umweltminister Ed Miliband begründet den Ausbau der Atomkraft vor allem mit dem Klimawandel. "Angesichts der Herausforderung durch den Klimawandel müssen wir alle Alternativen zum CO2-Ausstoß betrachten", sagt er. "Und die Atomenergie ist eine Alternative, die meiner Meinung nach sicher ist."

Ziel: 25 Prozent der Energie aus Atomkraft

Kraftwerk von British Energy (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: In Großbritannien soll die Atomenergie eine größere Rolle im Energiemix spielen. ]
Bisher bezieht Großbritannien 15 Prozent seiner Energie aus Kernkraftwerken, in den nächsten zwei Jahrzehnten soll der Anteil auf mindestens 25 Prozent steigen. Da die Laufzeit vieler bestehender Kraftwerke demnächst endet, gibt es erheblichen Investitionsbedarf. Die Regierung in London vertraut ganz auf private Investoren und konzentriert sich darauf, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Auch die deutschen Stromkonzerne RWE und E.ON haben bereits angekündigt, auf dem britischen Markt zu investieren.

Die britische Opposition zieht bei diesem Thema mit Labour an einem Strang. "Wir haben kaum Alternativen zur Atomkraft", sagt der energiepolitische Sprecher der Konservativen, Greg Clark, und spricht von einem "nationalen Energie-Notstand". Wenn nicht schnell etwas passiere, drohten in Großbritannien um das Jahr 2017 die Lichter auszugehen.

Ölvorkommen schwinden

Lange haben die Briten auf die Öl- und Gasvorkommen vor den eigenen Küsten und auf Kohlekraftwerke vertraut. Doch das Nordsee-Öl schwindet, sogenannte saubere Kohlekraftwerke sind noch in der Entwicklung.

Britische Atomkraft-Kritiker betonen unter anderem, dass das Problem der Endlagerung des Atommülls nach wie vor nicht gelöst ist. "Kein einziges Atomkraftwerk ist bisher im geplanten Kosten- oder Zeitrahmen gebaut worden", sagt Martyn Williams von der Umweltschutz-Organisation Friends of the Earth. "Wir müssen radikal umdenken, und das Geld, das wir für Atomkraft verschwenden würden, in andere alternativen Energien investieren."

Labour setzt auch auf Windenergie

Auch die Labour-Regierung will neben der Atomkraft vor allem den Bereich Windenergie ausbauen. Im Meer vor Großbritannien sollen riesige Windparks entstehen. Doch viele Investoren bleiben skeptisch, weil sie den Aufwand für den Bau von Windrotoren in der Nordsee für zu groß halten.

Die beschleunigten Genehmigungsverfahren für Atomkraftwerke und Windparks stoßen noch in anderer Hinsicht auf Kritik: Die Bürger, betonen Umweltschutzorganisationen, würden bei Standortentscheidungen künftig einfach übergangen.

Der neue Chef-Energieberater der Regierung, Cambridge-Professor David MacKay, meint, die lohnendste Investition sei das Energiesparen. "Wer persönlich etwas tun will, das wirklich gegen den Klimawandel hilft, sollte den Heizungs-Thermostat herunterstellen", sagte er. "Man kann leicht zehn, 20, 30 Prozent der Stromrechnung sparen. Ich habe meine Stromrechnung um 50 Prozent reduziert, indem ich meine Heizung um fünf Grad heruntergestellt habe und im Winter zusätzliche Pullover trage."

Stand: 10.11.2009 01:33 Uhr
 

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