Mitglieder der Gewerkschaft Pame brechen in Athen ins Arbeitsministerium ein. | Bildquelle: AFP

Geplantes Streikrecht Demonstranten stürmen Ministerium in Athen

Stand: 10.01.2018 01:49 Uhr

Die Wut über die geplanten Einschränkungen beim Streikrecht ist groß in Athen - Hunderte, vor allem Gewerkschafter, gingen auf die Straße. Die Situation schaukelte sich so hoch, dass einige sogar das Arbeitsministerium stürmten.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

"Hände weg vom Streikrecht", rufen Hunderte Demonstranten vor dem Athener Arbeitsministerium. Zwischen Parlament und Ministerium entlädt sich der Frust über das geplante Streikrecht. Am Montag soll darüber abgestimmt werden. Griechische Gewerkschafter sind schon lange sauer über die geplanten Neuerungen: Nur wenn mehr als 50 Prozent der Mitglieder in einem Betrieb ja zu einem Streik sagen, soll der in Zukunft erlaubt sein.

Etwas später werden am Arbeitsministerium dann die heruntergelassenen Stahltore von Pame-Mitgliedern - kommunistischen Gewerkschaftsanhängern - hochgeschoben. Scheiben gehen zu Bruch, mehrere Dutzend Demonstranten strömen hinein ins Ministerium. "Hände weg vom Streikrecht", skandieren sie immer wieder. Kamerateams folgen den Protestteilnehmern bis hinauf ins Amtszimmer der 32-jährigen Arbeitsministerin Effie Achtsioglou. Die steht in weißer Bluse, schwarzer Hose ziemlich gelassen, aber auch ein wenig stolz hinter ihrem Schreibtisch, die Hände in den Hosentaschen.

Aus Protest gegen das geplante neue Streikrecht haben Demonstranten das Arbeitsministerium in Athen gestürmt. | Bildquelle: REUTERS
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Arbeitsministerin Efi Achtsioglou in der Diskussion mit den Besetzern.

Gekürzte Renten, weniger Gehalt, Sozialabbau

Die Ministerin wird angeschrien vom Gewerkschafter Yannis Tsoulas: "Wissen Sie nicht, dass die Bosse sich jetzt ihre Hände reiben können? Sie werden heute diesen Gesetzentwurf zurücknehmen, haben Sie verstanden? Haben Sie verstanden?" Achtsioglou kennt Auftritte wie diesen. Jetzt aber klatscht eine wütende Hand neben die Papierstapel auf ihrem Schreibtisch. Seit vielen Monaten spürt sie, dass sie für gekürzte Renten, schmälere Gehälter und Sozialabbau verantwortlich gemacht wird. Jetzt ist der Protest direkt im Amtszimmer vor ihrem Schreibtisch angekommen.

Die Ministerin schaut ernst, aber hört zu und sagt, ihre Partei habe lange über die Änderungen im Streikrecht diskutiert. "Wir ziehen den Entwurf jetzt nicht zurück", so Achtsioglou. Die Demonstranten engtegnen: "Ziehen Sie diesen Gesetzentwurf heute noch zurück. Sie sollten wissen, als junger Mensch, dass Blut vergossen wurde, um das Streikrecht durchzusetzen. Unsere Vorfahren haben ihr Blut geopfert!" "Schämen Sie sich", rufen andere der Ministerin ins Gesicht. Achtsioglou hebt die Hände Richtung Decke und verlässt ihr Büro.

Wohl knappe Mehrheit für neues Streikrecht

Athen, die Wiege der Demokratie, zu Beginn des Jahres 2018: Am Ende bleiben an diesem milden Wintertag Demonstranten, die für zerbrochene Glasscheiben im Ministeriumseingang einstehen müssen, eine Ministerin, die sich minutenlang ziemlich mutig ihren Gegnern gestellt hat und ein neues Streikrecht, das sehr wahrscheinlich am Montag mit knapper Mehrheit im Parlament beschlossen wird.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Januar 2018 um 19:00 Uhr.

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