Schweiz: Freibäder und Kirchen tabu für Asylbewerber

Neue Asylbewerberzentren in der Schweiz

Kein Zutritt in Freibädern und Kirchen

Mit sogenannten Bundeszentren will die Schweiz Asylverfahren effektiver machen. Im Kanton Aargau wurde nun das erste dieser Zentren eröffnet. Für die Asylbewerber gelten strenge Auflagen: Auch der Besuch von Freibädern und Kirchen ist verboten.

Von Nina Barth, ARD-Studio Zürich

Asylbewerber in der Schweiz (Archivbild) (Bildquelle: Picture-Alliance/KEYSTONE)
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Das Asylverfahren in der Schweiz soll durch die Bundeszentren beschleunigt werden.

Die Schweiz will ihre Asylverfahren beschleunigen und setzt dabei auf Bundeszentren. Das erste ist jetzt in Bremgarten im Kanton Aargau eröffnet worden, etwa einen Kilometer von der Innenstadt entfernt. Am Montag sind die ersten 23 Bewohner eingezogen - Männer, Frauen und zwei Kinder, unter anderem aus Tibet und dem Sudan - und sehen sich mit Verboten und Sperrzonen konfrontiert: Die Bibliothek ist genauso tabu wie das Freibad, das haben die Stadt Bremgarten und das Bundesamt für Migration entschieden.

Es geht dabei nur um ein gutes Miteinander, erklärt Urs von Däniken vom Bundesamt: "Das sind sensible Zonen. Die hat man definiert im Interesse eines guten Zusammenlebens zwischen der Gesellschaft und den Asylsuchenden."

Kirche und Freibad tabu für Asylbewerber?
N. Barth, ARD Zürich
06.08.2013 20:52 Uhr

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Auch Kirchenbesuche sind tabu

Und selbst für Kirchen gilt montags bis freitags: Zutritt für Asylbewerber verboten. Der Diakon von Bremgarten schüttelt den Kopf. Er sagt: "Kirche ist offen für alle Menschen und zwar unabhängig von ihrer Konfession und Religion."

Der Diakon ist nicht der einzige, der mit den Sperrzonen nicht einverstanden ist. Menschenrechtsorganisationen sind überzeugt davon, dass die Verbote rechtlich nicht haltbar sind. Raymond Tellenbach von der Stadt Bremgarten versteht die Aufregung nicht: "Wir haben uns aus Sicherheitsgründen dazu entschlossen, diese Räume möglichst nicht betreten zu lassen, um eventuellen Konflikten aus dem Weg zu gehen und vor allem auch, um möglichem Drogenkonsum vorzubeugen", sagt er.

Justizministerin: Bundeszentren sind nötig

Die Schweizer Justizministeirn Sommaruga (links) und ihre französische Amtskollegin Taubira (Bildquelle: AFP)
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Die Schweizer Justizministerin Sommaruga (links) hält die Bundeszentren für einen Fortschritt.

Die neuen Bundes-Asylzentren gehören zum neuen Asyl-Gesetz der Schweiz. Für Justizministerin Simonetta Sommaruga sind die Zentren der richtige Schritt, um Asylverfahren zu beschleunigen: "Bundeszentren sind nötig, weil wir dort eine ganz wichtige Neuerung einführen wollen, dass sich eben alle Beteiligten Personen am selben Ort befinden. Die Asylsuchenden selber, die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Rechtsvertreter, die Dolmetscherinnen und die Rückkehrberatung."

Vorreiter ist nun Bremgarten - aber eben nicht nur mit dem Bundeszentrum, sondern auch mit dazugehörigen Sperrzonen. Kein Zugang für Asylbewerber zu Bibliothek, Kirchen oder Freibad, wer sich nicht daran hält, dem drohen Strafen. Ob das rechtlich überhaupt haltbar ist, soll nun geprüft werden. Es spricht einiges dafür, dass diese Regeln noch aufgeweicht werden müssen.

Dieser Beitrag lief am 06. August 2013 um 09:18 Uhr im Deutschlandfunk.

Stand: 06.08.2013 21:22 Uhr

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