Flüchtlinge in der Ägäis | Bildquelle: AP

Erhebung von Eurostat Mehr als eine Million Asylbewerber in der EU

Stand: 04.03.2016 21:12 Uhr

Mehr Menschen als je zuvor haben 2015 erstmals einen Asylantrag in der EU gestellt. Mit 1,2 Millionen waren es mehr als doppelt so viele wie 2014. Nach Deutschland ging jeder Dritte von ihnen.

Mehr als 1,2 Millionen Menschen haben 2015 erstmals Asyl in der EU beantragt. Im Jahr davor waren es noch rund 560.000 erstmalige Asylbewerber gewesen, wie das europäische Statistikamt Eurostat meldete.

Mehr als ein Drittel der Asylanträge, nämlich 441.800, entfielen laut Eurostat auf Deutschland. Dahinter folgten Ungarn mit 174.400, Schweden mit 156.100, Österreich mit 85.500, Italien mit 83.200 und Frankreich mit 70.600 Antragstellern.

Allerdings ergeben die Daten zu Erstanträgen auf Asyl nur ein unvollständiges Bild. So war laut Bundesinnenministerium die Zahl der tatsächlichen Einreisen von Asylsuchenden nach Deutschland im vergangenen Jahr deutlich höher, "da die formale Asylantragstellung teilweise erst zeitlich verzögert möglich ist", wie das Ministerium mit Blick auf die deutschen Zahlen bereits im Januar mitteilte.

Zudem würden viele Menschen, die nach Deutschland eingereist und verteilt worden sind, in andere EU-Staaten weiterziehen. So wurden im Verwaltungssystem Easy sogar 1,1 Millionen Zugänge von Asylsuchenden registriert, wobei Fehl- und Doppelerfassungen nicht ausgeschlossen seien.

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2015 beantragten so viele Flüchtlinge wie nie zuvor Asyl in der EU.

Viele verließen Ungarn wieder

Viele der in Ungarn registrierten Antragssteller wiederum sind nicht in Ungarn geblieben. Ein Teil von ihnen sei zum Beispiel nach Deutschland weitergereist, teilte die EU-Kommission auf Anfrage mit. Davon abgesehen müssen die Zahlen im Verhältnis zur Bevölkerungszahl betrachtet werden. Danach hatte zum Beispiel Schweden eine verhältnismäßig größere Zahl von Asylbewerbererstanträgen zu bearbeiten als das viel größere Deutschland.

Unter den Herkunftsstaaten stand das Bürgerkriegsland Syrien mit 29 Prozent der Bewerber an erster Stelle. Ihre Zahl von 362.800 hat sich laut Eurostat gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Danach folgten Afghanen mit 178.200 Anträgen, bei denen sich die Zahl nahezu vervierfacht habe, und 121.500 Iraker, deren Zahl sich sogar versiebenfacht habe. Zusammen machten diese drei Gruppen mehr als die Hälfte aller erstmaligen Asylbewerber in der EU aus, berichtete Eurostat.

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