Tauziehen um WikiLeaks-Gründer Assange Warum ausgerechnet Ecuador?

Stand: 17.08.2012 21:18 Uhr

WikiLeaks-Gründer Assange kämpft für Informationsfreiheit. Ecuadors Präsident Correa ist eher für das Gegenteil bekannt. Warum bekommt Assange also ausgerechnet in diesem Land Asyl? Was beide eint, ist der Hass auf den politischen Gegner USA. Gegen Washington stänkert Correa schon lange.

Von Anna Küch, ARD-Hörfunkstudio Südamerika

Persönlich kennengelernt haben sich die beiden noch nie: Ecuadors Präsident Rafael Correa und WikiLeaks-Gründer Julian Assange. Und es könnte auch noch etwas dauern, bis sie sich die Hände schütteln. Denn noch ist völlig unklar, ob und wann Assange sein Asyl in Ecuador antreten kann.

Aber gesehen und gehört haben sich die beiden schon bei einer Videokonferenz über das Internet. "Es war ein großes Vergnügen mit Ihnen zu sprechen, Julian, auch wenn es nur über diesen Medium ging", sagte Correa damals. Und er fügte hinzu: "Herzlich willkommen im Klub der Verfolgten."

Assange und Correa - einig in der Ablehnung der USA

Fast eine halbe Stunde debattierten Correa und Assange, tauschten Meinungen über die USA aus und waren sich in der Ablehnung einig. Das war im April. Zwei Monate später bat der WikiLeaks-Gründer um politisches Asyl. Correa reagierte in einem Fernsehinterview begeistert: "Er will in unserem Land seine Mission vollenden, das hat mich sehr beeindruckt." Assange wolle in Ecuador weitermachen mit seinen Enthüllungen - "in einem friedlichen Land, das Wahrheit und Gerechtigkeit garantiert".

Der ecuardorianische Präsident und Julian Assange
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WikiLeaks-Gründer Assange (links) und der ecuadorianische Präsident Correa.

Dabei war Ecuadors Präsident anfangs gar nicht so begeistert von der Enthüllungsplattform: Als sein Vizeaußenminister dem WikiLeaks-Gründer Assange 2010 anbot, er solle nach Ecuador kommen, widersprach Correa. Später änderte der Präsident seine Haltung, als er durch die geheimen Depeschen erfuhr, dass die USA Ecuador und ihn heftig kritisierten. Kurzerhand erklärte er die US-Botschafterin Heather Hodges zur unerwünschten Person und verwies sie des Landes. Mit dem Asyl für Assange kann der ecuadorianische Präsident nun erneut Stärke gegenüber den USA beweisen.

Der kleine Andenstaat im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit

Angst, dass durch den stattgegebenen Asylantrag die internationalen Beziehungen gefährdet sein könnten, hat Correa nicht. "Die Beziehungen zwischen den USA und Lateinamerika sind doch schon längst angespannt", sagt er. "Alle korrupten Bürger Ecuadors, die Banker und infame Journalisten haben in den USA Asyl beantragt. Wir haben den Antrag Assanges geprüft. Dazu hatten wir nach internationalen Bestimmungen alles Recht der Welt."

Irans Staatspräsident Ahmadinedschad bei einem Staatsbesuch im Präsidentenpalast von Quito bei Ecuadors Präsident Rafeael Correa.
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Irans Staatschef Ahmadinedschad (links) zu Besuch bei Ecuadors Präsident Correa (Archivbild vom Januar 2012)

Ecuador, der kleine Andenstaat, steht auf einmal im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit - das ist ein Bild, das Correa gefällt. Schon mehrfach hat er sich als Gegenspieler Washingtons profiliert. 2009 mussten die USA ihren einzigen Militärstützpunkt in Ecuador räumen, weil Correa den Vertrag nicht verlängerte. Auch der Staatsbesuch von Irans Staatschef Mahmud Ahmadinedschad in Quito dürfte die Vereinigten Staaten nicht erfreut haben.

Das neue Selbstbewusstsein Lateinamerikas

Lateinamerika hat ein neues Selbstbewusstsein entwickelt. "Viele Regierungen in Lateinamerika lassen die USA für die Fehler der Vergangenheit zahlen", lautet die Einschätzung von Politikexperte Pedro Brieger. "Sie fühlen sich  heutzutage viel stärker, fühlen sich auch unterstützt durch andere Länder, und so gehen sie auf Konfrontationskurs zur Weltmacht USA."

"Wir lassen uns nicht einschüchtern", twitterte Correa, kurz bevor sein Außenminister die Entscheidung bekannt gab, Assange Asyl zu gewähren. Ecuador lobte Assanges Einsatz für die Pressefreiheit und gegen jegliche Zensur. Dabei ist Correa nicht gerade bekannt dafür, die Menschenrechte und die Meinungsfreiheit im eigenen Land zu schützen. Kritische Journalisten werden verklagt, Oppositionelle verfolgt.

Der Fall Assange ist eine gute Gelegenheit für den Präsidenten, seinen schlechten Ruf zu verbessern und sich als Kämpfer für die Meinungsfreiheit zu zeigen. Außerdem sind im nächsten Jahr Wahlen - da kann ein Imagewechsel nicht schaden.

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