Julian Assange vor der Flagge Ecuadors | Bildquelle: dpa

Botschaftsgebäude in London Ecuador kappt Assange das Internet

Stand: 28.03.2018 21:08 Uhr

Die ecuadorianische Botschaft in London hat Assange sämtliche Kommunikationswege abgeschnitten. Das solle verhindern, dass der WikiLeaks-Gründer sich in die Angelegenheiten anderer Länder einmische.

Der Internetanschluss ist sein wichtigstes Werkzeug - nun hat Julian Assange den Zugang dazu verloren: Die Botschaft Ecuadors in London, die dem Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks seit 2012 Asyl gewährt, hat ihm sämtliche Kommunikationswege gesperrt. Das teilte die ecuadorianische Regierung in Quito mit. Dadurch solle verhindert werden, dass Assange sich in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einmische, hieß es zur Begründung. Die Äußerungen Assanges in den sozialen Netzwerken gefährdeten die Beziehungen Ecuadors zu den Staaten der Europäischen Union.

Tweets über Fall Skripal und Puigdemonts Verhaftung

Assange hatte am Montag auf Twitter die Schuldzuweisungen Großbritanniens an die russische Regierung im Fall des vergifteten Ex-Spions Sergej Skripal kritisiert. Außerdem stellte er die Sinnhaftigkeit der deshalb gegen Moskau verhängten Sanktionen infrage. Nachdem der katalanische Ex-Regierungschef Carles Puigdemont in Deutschland festgenommen worden war, der von Spanien mit Europäischem Haftbefehl gesucht wird, bezeichnete Assange ihn als "politischen Häftling".

Ecuador hatte schon einmal Assanges Internetzugang abgestellt: Im Jahr 2016, als er während des US-Wahlkampfs durch Hacker erbeutete Dokumente veröffentlichte.

Assange sitzt seit 2012 in Londoner Botschaft fest

Assange war 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet, weil gegen ihn selbst ein Europäischer Haftbefehl vorlag: Er wurde in Schweden der Vergewaltigung beschuldigt und befürchtete, dorthin ausgeliefert zu werden. Die Stockholmer Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen Assange in diesem Zusammenhang inzwischen eingestellt. Scotland Yard kündigte jedoch an, Assange festzunehmen, sobald er die Botschaft verlässt - denn ein 2010 erlassener britischer Haftbefehl ist noch gültig.

In diesem Jahr hatte die von Assange mitbegründete Enthüllungsplattform geheime Dokumente des US-Militärs veröffentlicht, die unter anderem die Tötung von Zivilisten im Irak-Krieg belegen. In den USA, an die er überstellt zu werden fürchtet, droht ihm deshalb ein Prozess wegen Geheimnisverrats - ein Tatbestand, der dort mit dem Tod bestraft werden kann.

Ecuador kappt Julien Assange die Internet-Verbindung
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
29.03.2018 10:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. März 2018 um 04:57 Uhr.

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