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Porträt Baschar al Assad
Eiskalt und frei von Selbstzweifeln
Der syrische Präsident Assad ist ein Mann mit klaren Vorstellungen. Der Aufstand gegen ihn, glaubt er, wird vom Ausland gesteuert, die Rebellen gehören Al Kaida an - und das syrische Volk liebt seinen Staatschef. Seinen Überlebenskampf führt Assad skrupellos - dabei galt er einst als Reformer.
Von Ulrich Leidholdt, ARD-Hörfunkstudio Amann
Er galt als unerfahren, als er mit 34 Jahren Präsident wurde. Baschar al Assad hatte in London Augenarzt studiert, dort seine syrische Frau Asma kennengelernt, eine Bänkerin, und strebte ein ziviles Leben an. Doch sein Bruder Basil starb bei einem Unfall, da musste Baschar seinem Vater vor zwölf Jahren ins Amt folgen.
Er kündigte Reformen an, löste sie aber nie ein - letztlich Auslöser für Proteste seit März 2011. Samir Seifan hat den Aufstieg Assads zum einst populärsten arabischen Führer verfolgt. "Er war gegen die Besetzung Iraks und Israels Angriff auf Gaza. Das ist Arabern sehr wichtig. Deshalb ist er für sie die Nummer eins."
Porträt des syrischen Präsidenten Baschar al Assad
U. Leidholdt, ARD Amman
06.01.2013 11:10 Uhr
Als die Diktatoren in Tunesien, Ägypten und Jemen stürzten, glaubte sich Assad dennoch fest im Sattel. Aber jeder Dritte in seinem Land lebt unterhalb der Armutsgrenze. Tausende saßen schon vor der Revolte im Gefängnis. Da hatte die internationale Isolation Syriens nachgelassen.
In Assad sah die Welt den Schlüssel zur Wiederbelebung des Nahost-Friedens. "Viele hielten ihn für einen Reformer, auch der Westen. Tatsächlich bestand seine Reform aus Munition und Maschinengewehren", urteilt der Oppositionelle Osama Monadsched.
Verschwörungstheorien eines Präsidenten
Plötzlich sah Assad sich Forderungen nach Parteien-, Pressefreiheit und Ende des Ausnahmerechts gegenüber, bald auch nach seinem Sturz. Ihm ergebene Geheimdienste und Spezialtruppen ermöglichen Assad, den Aufstand niederzuhalten. "Syrien ist mit einer Verschwörung im In- und Ausland konfrontiert", ist er überzeugt.
Assads alawitische Minderheit kontrolliert den Staat. "Assads Stärken sind die Zersplitterung seiner Gegner und die Polarisierung der Bevölkerung", sagt der Syrien-Kenner Hilal Khaschan. Die Syrien Blockade des Auslands, der arabischen Welt und der UNO kann Assad nur amüsieren. "Wer meint denn, die UNO sei eine glaubwürdige Einrichtung", verhöhnt er sie, wie er auch seine Opfer verhöhnt. "Nur Verrückte töten ihr eigenes Volk."
Klares Feindbild
Wer opponiert, ist Terrorist, wird verfolgt oder getötet. Assad gibt sich unbeirrt. "Der Präsident darf vor Herausforderungen nicht einknicken, kann nicht einfach weglaufen. Bleiben oder gehen, das ist alleine Entscheidung des Volkes. Ich habe öffentliche Unterstützung."
Der eher scheue, wie ein Verlegenheitspräsident wirkende Machthaber agiert eiskalt, von jedem Selbstzweifel frei, auch wenn Millionen ihm den Galgen wünschen. "Ich tue mein bestes, um mein Volk zu schützen, das ist doch kein Vergehen. Der Verlust von Menschen ist bedauerlich, aber man trägt doch keine Schuld, wenn man niemanden umbringt."
Stand: 06.01.2013 13:59 Uhr
