Syriens Präsident Bashar al Assad im Interview mit der ARD | Bildquelle: Präsidialamt Damaskus

Syriens Präsident im Gespräch "Bis das Volk mich nicht mehr will"

Stand: 01.03.2016 20:15 Uhr

Im ARD-Interview hat der syrische Machthaber Assad seine ganz eigene Weltsicht dargestellt: Von einem Bürgerkrieg will er nicht sprechen, zurücktreten will er nur, "wenn das syrische Volk es will". Hier finden Sie das Interview in voller Länge.

Seit fünf Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg, der Präsident Bashar al-Assad den Schlaf kostet. Das gibt der Machthaber im ARD-Interview zu. Doch schlaflos sei er nicht etwa wegen seiner Mitschuld am Tod von mindestens 260.000 Syrern, sondern weil "wir arbeiten müssen", erklärt Assad.

Im Interview, das ARD-Korrespondent Thomas Aders am Sonntag in Damaskus mit Assad geführt hat, inszeniert sich Assad wiederholt als Herrscher, der für das Wohl seines Volkes gegen "mehr als 100 Gruppierungen von Terroristen" kämpft. Es ist Assads ganz eigene Weltsicht: Bürgerkrieg? Gibt es laut Assad in seinem Land nicht. Tatsächlich müsse es heißen "die Terroristen gegen den Rest". Gemäßigte Aufständische? Haben sich den Extremisten angeschlossen. Rücktritt? Nur wenn es das syrische Volk will. Assad will stattdessen Wahlen abhalten - mitten im Bürgerkrieg. Ein neues Parlament soll dann "das Gesicht des nächsten oder des neuen Syriens" prägen.

Assads Verbündete und ein Rat an Deutschland

In dem 25-minütigen Interview spricht Assad offen über seine Verbündeten wie Russland, den Iran und Libanon. Sie seien aber nicht nach Syrien gekommen, "um den syrischen Präsidenten oder die syrische Regierung zu unterstützen. Sie kamen, weil sie wissen, dass der Terrorismus, wenn er sich in einigen Gebieten durchsetzen kann, keine Grenzen mehr kennt", sagt Assad. "Alle unsere Freunde achten unsere Souveränität und verlangen keinerlei Gegenleistung."

Bashar al-Assad im ARD-Interview (deutsch)
Weltspiegel extra, 01.03.2016

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Auf die Frage nach seiner Meinung zur deutschen Flüchtlingspolitik antwortet Assad mit einer Gegenfrage: "Wie könnten wir es nicht gut finden, wenn Flüchtlinge aufgenommen werden, die ihr Land auf Grund der herrschenden Not verlassen?" Doch darauf folgt schnell ein "aber": "Wäre es nicht noch humanitärer, diesen Menschen ein Verbleiben in ihrem Land zu ermöglichen?", fragt Assad und meint: Der Westen sollte gegen den Terrorismus angehen und sich "nicht in Angelegenheiten seines Landes einmischen. Das wäre aus humanitärer Sicht besser." Die Nichteinmischung wäre doch außerdem für Deutschland "weniger kostspielig" sagt der Machthaber.

Bashar al-Assad im ARD-Interview (englisch)
Weltspiegel extra, 01.03.2016

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"Bis man nicht mehr fähig ist zu liefern"

Nach 29 Fragen ist klar: Assad sieht ein anderes Syrien als der Großteil der Welt. Ein Land, in dem eine "humanitäre Katastrophe" herrscht - das gibt er zu - doch eine eigene Schuld scheint er nicht zu erkennen. "Früher war ich Arzt im öffentlichen Dienst, heute bin ich Politiker im öffentlichen Dienst und bin damit von dem einen öffentlichen Dienst in einen größeren und breiteren öffentlichen Dienst gewechselt", sagt der Sohn aus der Politikerfamilie.

Seinen Wechsel vom Augenarzt zum Präsidenten stellt Assad als Pflicht dar, um seinem Land zu dienen. Das Amt wolle er so lange behalten, "bis man vielleicht irgendwann nicht mehr fähig ist zu liefern oder bis das syrische Volk einen in diesem Amt nicht mehr haben will".

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