Seitenueberschrift

Thailands Premier Schinawatra eröffnet die Konferenz.

Artenschutzkonferenz in Thailand

Gastgeber am Pranger

Im thailändischen Bangkok beraten Spezialisten bei der internationalen Artenschutzkonferenz über den Schutz Tausender Tier- und Pflanzenarten. Dabei steht das Gastgeberland Thailand selbst in der Kritik, denn es ist ein Transitland für den international verbotenen Handel mit Elfenbein.

Von Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Südostasien

Thailand ist Gastgeber der Cites-Artenschutzkonferenz und steht selber im Fokus. Denn das Land gilt als Drehscheibe des illegalen Handels mit Elfenbein. Daher eröffnete die thailändische Premierministerin Yingluck Schinawatra die Konferenz mit einem Eingeständnis.

Sie wisse, dass Thailand ein Transitland für den international verbotenen Handel mit Elfenbein sei: "Wir müssen die Zahl der frei lebenden Elefanten erhöhen. Wir müssen unsere Artenschutzverpflichtungen umsetzen, indem wir gemeinsam gegen den illegalen Elfenbeinhandel kämpfen."

Artenschutzkonferenz: Experten müssen über 70 Anträge entscheiden
tagesschau24 12:00 Uhr, 03.03.2013, Beathe Thomsen, DW

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Gastgeber mit zweifelhaftem Ruf

Der Handel mit Elfenbein von in Thailand gezüchteten Elefanten ist erlaubt. Das Land gilt als Schlupfloch für Elfenbein-Schmuggler. In den vergangenen Tagen war die Polizei etwa in Bangkok massiv gegen vermuteten illegalen Handel vorgegangen. Man wollte schließlich zu Konferenzbeginn einen guten Eindruck hinterlassen.

"Der Elefant hat in Thailand eine lange Geschichte eng verbunden mit dem Menschen. Er ist geschützt. Aber der Handel mit Elfenbein ist nicht verboten. Wir können also nur das geltende Recht durchsetzen und den Handel mit geschmuggeltem Elfenbein unterbinden", sagt Thirapat Prayoonsith, stellvertretender Leiter der Nationalpark-Behörde.

Die Umweltschutzorganisation WWF übergab in der vergangenen Woche der thailändischen Regierung eine Petition, unterschrieben von einer halben Million Menschen. Sie fordern, auch den Handel mit nationalem Elfenbein zu verbieten.

1/

Eine Auswahl weltweit bedrohter Arten

Boreno-Orang-Utan

Durch die Rodung von Wäldern in Malaysia und Indonesien ist der Lebensraum des Borneo-Orang-Utan bedroht. Der Menschenaffe gilt als stark gefährdet. (Foto: picture-alliance / OKAPIA KG, Ge)

35.000 Tiere und Pflanzen verzeichnet

Neben den Elefanten stehen in den kommenden Tagen Eisbären, Mantarochen und Haie auf der Tagesordnung der Artenschutzkonferenz. Für diese Tiere liegen Anträge vor, ihre Schutzwürdigkeit heraufzustufen. 

Alles in allem stehen 70 Anträge zur Debatte, über die nun tagelang, bis zum 14. März gestritten werden kann. 35.000 Tier- und Pflanzenarten sind auf den Listen des Artenschutzabkommens verzeichnet. Sie alle gelten als schutzwürdig. Bei manchen ist der Handel genehmigungspflichtig, bei anderen gänzlich verboten.

Beginn der Artenschutzkonferenz in Thailand
U. Schmidt, ARD Singapur
03.03.2013 11:27 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Infobox

Die Artenschutzkonferenz in Bangkok muss über rund 70 Anträge entscheiden. Es geht darum, den internationalen Handel mit bestimmten Tieren und Pflanzen einzuschränken oder ganz zu verbieten. Für einige Arten könnte der Schutzstatus aber auch gelockert werden.

Eisbären: Die USA beantragen, den internationalen Handel mit Eisbär-Produkten vollständig zu verbieten. Die Tiere seien bereits durch die Eisschmelze bedroht, heißt es im Antrag. In den USA steht der Bär schon unter strengem Schutz. Kanada und andere Länder dagegen exportieren Bärenfelle und Trophäen.

Nashörner: Kenia beantragt für das Breitmaulnashorn eine Aussetzung der Trophäenjagd-Exporte aus Südafrika und Swasiland, um der zunehmenden Wilderei einen Riegel vorzuschieben. In allen anderen Ländern ist der Export der Hörner bereits verboten. Wurden 2007 in Südafrika noch 13 Nashörner gewildert, waren es im vergangenen Jahr 668.

Haie: Mehrere Länder fordern, dass der Handel mit verschiedenen Haiarten beschränkt wird. Die Flossen gelten in Asien als Delikatesse. Den Tieren wird oft die Flosse abgeschnitten. Dann werden sie sterbend ins Meer zurückgeworfen.

Schildkröten: Dutzende Schildkrötenarten stehen auf der Konferenz-Agenda. Sie landen unter anderem in Kochtöpfen Südostasiens und als Heimtiere in USA und Europa. Durch ihre niedrige Vermehrungsrate können sie die Wildfänge nur schwer ausgleichen.

Krokodile: Das Gastgeberland Thailand hat weitere Ausnahmen dafür beantragt, Krokodile aus Zuchtbeständen sowie deren Produkte exportieren zu dürfen. Von diesen Tieren gibt es in Thailand nur noch zirka 200 freilebende pro Art. Mehrere hunderttausend Siamkrokodile leben nach Angaben der Organisation Pro Wildlife in Zuchtfarmen vor allem in Thailand und Vietnam.

Holz: Madagaskar möchte Handelsbeschränkungen für Ebenholz und Palisander durchsetzen. Ihr Vorkommen ist durch den illegalen Einschlag in Nationalparks bedroht.

Stand: 03.03.2013 12:01 Uhr

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

17 Kommentare zur Meldung. Kommentierung der Meldung beendet.

Schlagwörter der Meldung:
Darstellung: