Seitenueberschrift
Der Fall Lance Armstrong
Ein inszeniertes Geständnis
Der Ex-Radprofi Lance Armstrong hat in einem Interview mit der US-Talkmasterin Oprah Winfrey die jahrelange Einnahme von leistungssteigernden Substanzen eingeräumt. Doch die Motive seines Geständnisses sind weiter offen. Es könnte ihn jedoch Millionen kosten.
Von Sabrina Fritz, SWR-Hörfunkstudio Washington
Oprah Winfrey hatte sie alle auf der Couch: Michael Jackson, Bill Clinton und nun Lance Armstrong, den gefallenen Radprofi. Kritiker werfen ihr vor, er wäre deshalb so gerne zu ihr gegangen, weil sie nicht so strenge Fragen stellt. Dazu meinte die Talkmasterin im Fernsehsender CBS: "Ich war gut vorbereitet und bereit zu graben und nachzufragen aber das musste ich gar nicht, denn er war so entgegenkommend."
Was genau Lance Armstrong über seine Dopingvergangenheit gesagt hat, verrät die Top-Talkerin nicht, aber verschiedene Quellen bestätigen, dass er in dem Gespräch zugegeben hat, leistungssteigernde Mittel genommen zu haben. Jahrelang hat Armstrong das vehement bestritten, seine Anwälte drohten und klagten, wenn jemand diese Behauptung aufgestellt hatte.
Warum gesteht Armstrong jetzt?
Warum also jetzt das Geständnis im Fernsehen? Darüber kann auch Winfrey nur spekulieren: "Ich habe ihm diese Frage gestellt und ich denke, er war einfach bereit, nach alldem, was in den letzten Wochen an die Öffentlichkeit kam." Die amerikanische Anti-Doping-Agentur hatte ihn des Dopings überführt, ihm wurden alle Tour-de-France-Titel aberkannt und er wurde lebenslang gesperrt.
Armstrong legt Doping-Geständnis ab
S. Fritz, SWR Washington
15.01.2013 04:39 Uhr
Jedenfalls haben sich mit Armstrong und Winfrey zwei Medienprofis getroffen, die wissen, wie man ein solches Gespräch vermarktet. Das Interesse an der Sendung wird auf der ganzen Welt riesig sein. Das Interview fand ein einem Hotelzimmer in Austin in Texas statt. Zwischen Armstrong und Winfrey stand nur ein Tisch mit zwei Gläsern Wasser. Zweieinhalb Stunden hätten sie gesprochen, erzählt Winfrey, das Interview soll in voller Länge an zwei Abenden ausgestrahlt werden. "Am Ende waren wir beide sehr erschöpft", sagt sie. "Was die Enthüllung betrifft, war dies das größte Interview meiner Karriere", so die 58-Jährige.
Armstrong droht Millionenklage
Und in der Tat hat das Gespräch schon eine große Wirkung gezeigt: Das US-Justizministerium erwägt eine Klage gegen Armstrong. Es geht um Meineid und die Veruntreuung von Sponsorengeld für Dopingmittel. Der Chef der amerikanischen Anti-Doping-Behörde hatte erklärt, Armstrong habe das raffinierteste Dopingsystem gehabt, das die Welt je gesehen habe. Die spannende Frage ist nun, wie viel von diesem System die Zuschauer am Donnerstag erfahren werden.
Karin Dohr (ARD) zum Interview mit Lance Armstrong
ARD-Morgenmagazin 05:30 Uhr, 16.01.2013
Stand: 15.01.2013 18:26 Uhr
