Eine Gruppe armenischer Flüchtlinge aus dem osmanischen Reich sitzt 1915 in Syrien auf dem Boden | Bildquelle: dpa

Hintergrund Wie die Armenier verfolgt wurden

Stand: 12.04.2015 19:29 Uhr

Weil die osmanische Regierung die christlichen Armenier als innere Feinde ansah, ordnete sie 1915 ihre Verfolgung an. Unter Duldung von Deutschland beging das Osmanische Reich innerhalb von zwei Jahren einen Völkermord.

Millionen Armenier sind während des Ersten Weltkriegs aus dem Osmanischen Reich vertrieben worden oder geflohen. Ende des 19. Jahrhunderts lebten in dem Vorläuferstaat der heutigen Türkei etwa 2,5 Millionen Armenier. Die osmanische Regierung sah in der christlichen Minderheit innere Feinde und zweifelte im Weltkrieg an deren Loyalität im Kampf gegen das christliche Russland.

Die Verfolgung der Armenier begann mit Massenverhaftungen am 24. April 1915. Mehr als 2000 Mitglieder der armenischen Elite wurden festgenommen. Viele wurden anschließend ermordet.

Beobachter werden Zeuge von Massakern

In den folgenden Monaten führte die türkische Regierung eine "Umsiedlung" durch - angeblich, um Aufstände zu zerschlagen und militärischen Druck von der Front zu Russland zu nehmen. Nach unterschiedlichen Schätzungen kamen bei den Deportationen 1915/1916 zwischen 200.000 und 1,5 Millionen Menschen ums Leben. Viele Armenier wurden gezwungen, zum Islam überzutreten.

Missionare, Diplomaten und Beobachter anderer Nationalitäten berichteten von Massakern. Der Botschafter der USA in der Türkei, Henry Morgenthau, notierte damals in seinem Tagebuch: "Ich habe keinesfalls über die schlimmsten Details berichtet, denn die ganzen Geschichten der sadistischen Orgien, deren Opfer diese armenischen Männer und Frauen wurden, können niemals in einer amerikanischen Publikation veröffentlicht werden. Die perversesten Verbrechen, die sich Menschen ausdenken können, wurden zum täglichen Unglück dieses treuen Volkes."

Deutschland duldet Verfolgung

Deutschland duldete die Verfolgung der Armenier durch ihren Verbündeten stillschweigend. Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg definierte die deutsche Haltung damals so: "Unser einziges Ziel ist, die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten, gleichgültig, ob darüber Armenier zu Grunde gehen oder nicht."

1987 stufte das Europaparlament den Fall als "Völkermord" ein und forderte die Regierung in Ankara auf, dies ebenfalls anzuerkennen. Entsprechende Resolutionen verabschiedeten auch etwa die Parlamente von Belgien, Schweden und Frankreich. Die Türkei, wo nur noch eine armenische Minderheit lebt, bestreitet jedoch, dass es einen Genozid gegeben habe.

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