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10.02.2012

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Ausland
Das Kapitol in Washington (Foto: picture-alliance/ dpa)
Spannungen zwischen USA und Türkei wegen Armenien
US-Ausschuss spricht von Völkermord in Armenien

Türkei empört über US-Resolution

Die Türkei ist verärgert: Der Auswärtige Ausschuss des US-Repräsentantenhauses hat die Verfolgung der Armenier im Osmanischen Reich erneut als Völkermord eingestuft. Der türkische Botschafter wurde daraufhin aus Washington abberufen. Nun muss die US-Regierung der Wogen glätten.

Von Klaus Kastan, BR-Hörfunkstudio Washington

Die Regierung in Washington ist alles andere als glücklich über die Armenien-Abstimmung in einem Ausschuss des Repräsentantenhauses. In den letzten Tagen versuchte vor allem Außenministerin Hillary Clinton mit aller Macht, genau das Ergebnis zu verhindern, das jetzt eingetreten ist: Dass amerikanische Abgeordnete das Massaker an Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges als Völkermord einstufen.

Karte der Türkei Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Türkei reagierte prompt und zog ihren Botschafter ab. ]
Mit 23 zu 22 Stimmen votierten die Parlamentarier für die Resolution. Die Türkei rief daraufhin gestern ihren Botschafter aus Washington zurück – zu Beratungen, wie es offiziell in Ankara hieß. Schon mutmaßen einige Politbeobachter eine schwere Krise zwischen den USA und der Türkei. Doch die Auseinandersetzung in der Armenien-Frage sollte nicht überbewertet werden. Denn: Dies war in einem Ausschuss des Repräsentantenhauses schon die vierte Abstimmung in den letzten Jahren.  

Gegenseitige Abhängigkeiten

Zum letzten Mal verabschiedeten amerikanische Abgeordnete im Oktober 2007 eine solche Resolution. Auch damals wurde der türkische Botschafter von Ankara abberufen. Kurze Zeit später flog er wieder nach Washington zurück. So wird es auch dieses Mal sein – davon ist man auch in der Obama-Administration überzeugt. Die armenische Lobby ist zwar stark in den USA, aber die Regierenden in Washington wissen auch, dass sie außen- und vor allem verteidigungspolitisch auf die Türkei angewiesen sind.

Und umgekehrt hat auch Ankara ein lebhaftes Interesse an einem guten Kontakt zur Obama-Regierung. Trotzdem warnte schon vor längerer Zeit Soner Cagaptay, einer der einflussreichen Direktoren des Washington Institute for Near East Policy, die amerikanischen Politiker davor, Ankara zu sehr zu provozieren: "Egal wie man zu der armenisch-türkischen Frage steht, eine solche Resolution verletzt einen Hauptverbündeten und NATO-Partner. Aus der Perspektive amerikanischer Außenpolitik wird dieser Schuss nach hinten losgehen."

Und so werden Präsident Obama und Außenministerin Clinton in den nächsten Tagen alles tun, um die türkischen Bündnispartner zu beruhigen. Ihr Hauptargument: Die Resolution des Ausschusses des Repräsentantenhauses wird keine Auswirkungen auf Washingtons Politik haben, sie ist nichts anderes als ein Stimmungsbild.

Armenische Gedenkstätte Zizernakaberda in Jerewan (Foto: REUTERS) [Bildunterschrift: Gedenkstätte für die während des Genozids ermordeten Armenier in Jerewan ]
Die US-Regierung kann sich ein schlechtes Verhältnis zu Ankara nicht leisten. Zum Beispiel wäre ohne die Türkei der Krieg im Irak kaum möglich. Durch die Türkei gehen die meisten Nachschubtransporte für die amerikanischen Truppen in dem irakischen Kriegsgebiet. Soner Cagaptay erläutert: "Egal, welche Strategie die amerikanischen Truppen im Irak verfolgen. Sie können nichts ohne die Türkei machen. Mit anderen Worten ausgedrückt: Ohne die Türkei hätten die amerikanischen Soldaten im Irak kein Wasser zum Trinken."

Stand: 05.03.2010 09:02 Uhr
 

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