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Mit Gebietsansprüchen im Nordpolarmeer werden sich die Außenminister der fünf Polarstaaten Dänemark, Norwegen, Kanada, Russland und der USA auf einer Konferenz im grönländischen Ilulissat beschäftigen. Heute reisen sie an, morgen beginnen die Beratungen. Denn unter dem Eis werden große Bodenschätze vermutet - und davon möchte natürlich jeder seinen Teil haben. Mit Ergebnissen wird nicht gerechnet - aber vielleicht mit einer Verständigung über das weitere Vorgehen.
Von Albrecht Breitschuh, ARD-Hörfunkstudio Stockholm
Die Vereinigten Staaten haben nur eine Vertretung von Außenministerin Condoleeza Rice geschickt, was Kritiker schon wieder an dem Sinn dieser Konferenz zweifeln lässt. Aber nachdem Russland im letzten Jahr seine Fahne in 4000 Meter Polarmeertiefe aufgestellt hatte und damit die Territorialfragen gelöst zu haben glaubte, ist einiges in Bewegung geraten.
Die Frage wem was gehört, wird in Ilulissat zwar nicht entschieden, aber nach der Konferenz sollte klar sein, dass es mit einer einfachen Flaggenhissung nicht getan ist, so Dänemarks Außenminister Per Stig Möller: "Der Sinn der Konferenz ist es, dass wir uns auf gemeinsame Spielregeln verständigen, aber auch diskutieren, was passiert, wenn die Nordwest-Passage auf einmal eisfrei und somit passierbar wird. Dann werden dort Kreuzfahrtschiffe, Handelsschiffe und Öltanker fahren, mit allen Havarierisiken. Was ist, wenn was passiert? Wollen wir eine zweite Exon Valdez, eine zweite Titanic?" Die Anrainer müssten sich der gemeinsamen Verantwortung bewusst werden, um solche Katastrophen zu verhindern.
In erster Linie geht es natürlich nicht um die Sicherheit künftiger Kreuzfahrttouristen, sondern um Bodenschätze. Denn von denen gibt es unter dem nördlichen Polarmeer nach Schätzungen von Geologen reichlich: Von bis zu einem Viertel aller weltweit vorhandenen Erdöl- und Erdgasvorkommen ist die Rede. Sollten derzeit kursierende Klimaprognosen eintreffen, könnte die Arktis schon 2040 eisfrei sei und es könnte gefördert werden.
[Bildunterschrift: Unter dem Eis werden bis zu einem Viertel der weltweit vorhandenen Erdöl- und Erdgasvorkommen vermutet (Foto: Buttler) ]
Eine Zone von 200 Seemeilen vor seinem Festland kann jeder der Nordpolanrainer schon jetzt für sich beanspruchen. Diese Zonen seien die wirtschaftlich am interessantesten, sagen Experten. Die in sehr tiefen Regionen um den Nordpol vermuteten Bodenschätze zu fördern, sei viel zu aufwendig. Und wem diese Gebiete gehören, sei ohnehin nur schwer zu entscheiden, so der Geologe Christian Marcussen: "Im arktischen Ozean gibt es fünf Länder, die ein Interesse haben. Norwegen, Russland, USA, Kanada und Grönland/Dänemark. Das spannende ist, dass dieser Rücken zusammenhängt mit Kanada, Grönland und Sibirien. Und das ist dann ein Argument für die Staaten, ihren Sockel zu erweitern. Denn wenn der 'Lomonossow-Rücken' ein Teil des Festlandes ist, kann man ja ganz weit in das arktische Ozeanien hinauskommen."
Der Lomonossow-Rücken ist eine 1800 Kilometer lange Erhebung im atlantischen Ozean, von dem sowohl Russland als auch Dänemark behaupten, dass er eine Erweiterung ihres Festlandsockels sei. Und auch die USA wollen eine neue Aufteilung der Region erreichen. Eine Kommission der Vereinten Nationen ist ebenfalls mit dieser Frage beschäftigt, Ergebnisse werden aber frühestens 2014 erwartet.
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