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10.02.2010

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Ausland
Cristina Fernandez de Kirchner und Elisa Carrio (Foto: dpa)
Argentinien wählt eine Präsidentin
Zweikampf zwischen zwei Spitzenkandidatinnen

Argentinien wählt eine Präsidentin

Die Argentinier wählen heute ihr neues Staatsoberhaupt - und alles sieht so aus, als werde es erneut Kirchner heißen. Die Frau des bisherigen Präsidenten liegt in allen Umfragen vorn. Nur Oppositionskandidatin Carrio könnte ihr den Sieg streitig machen.

Von Gottfried Stein, ARD-Hörfunkstudio Südamerika

Christina Fernandez de Kirchner (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Argentiniens künftige Präsidentin? Cristina Kirchner (Archivbild) ]
Sie mühen sich redlich, aber sie haben keine Chance. Egal ob Roberto Lavagna, Alberto Rodriguez Saa, Lopez Murphy oder neun andere männliche Kandidaten: Bei der Präsidentenwahl in Argentinien haben zwei Frauen die Nase vorn. Die eine stimmt ihre Anhänger schon mal auf die neue Realität ein:
"Präsidentin, gewöhnen Sie sich daran, alle. Ich weiß, alle sind Männer gewöhnt, aber gewöhnen sie sich auch an Frauen", maßregelt Cristina Kirchner ihr Publikum. Alle Umfragen sehen die Ehefrau des amtierenden Präsidenten Nestor Kirchner klar vorn.

Nur eine könnte der First Lady den Aufstieg zur ersten Frau im Staat vermiesen: Elisa Carrio, Kandidatin des Mitte-Links-Bündnisses Coalicion civica. Aber ihr hilft nur ein Wunder: "Es ist wie zwischen David und Goliath, aber wir kämpfen und halten uns tapfer. Wir sind in den großen städtischen Zentren gleich auf, die Coalicion civica kommt voran, und wenn es ein Wunder gibt, wenn die Kandidatin der Regierung zwei Punkte verliert, dann kommt es zur Stichwahl und ich bin Präsidentin."

Alle Umfragen sehen Kirchner vorn

Elisa Carrio, Präsidentschaftskandidatin der Coalicion civica (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Liegt in den Umfragen auf Platz zwei: Elisa Carrio ]
Carrio hofft, dass ihre Widersacherin unter 40 Prozent bleibt. Nur dann käme es zu einer Stichwahl. Aber es wäre ein Wunder: Alle Umfragen sehen Cristina Kirchner meilenweit vorn und außerdem deutlich über der 40-Prozent-Marke. Dabei haben es sich die Kirchners selbst schwer gemacht, meint der Politikexperte Rosendo Fraga: "Wären die Wahlen im März gewesen, hätte die Regierung sechzig Prozent Stimmen bekommen, heute sind es fünfundvierzig. Das heißt, dass Inflation, Korruptionsvorwürfe und andere Themen das Bild der Regierung geschwächt haben, aber die Opposition konnte diese Schwäche nicht für sich nutzen."

Es gibt keine Veranstaltung der Kirchners, die nicht mit dem historischen Loblied auf Parteigründer Juan Peron endet. Der Peronismus ist noch immer die stärkste politische Kraft Argentiniens. Und die zersplitterte und zerstrittene Opposition findet kein Mittel, ihn zu überwinden. Hinzu kommt die beeindruckende Bilanz Kirchners, der das Land 2003 nach der schweren Wirtschaftskrise wieder nach vorn gebracht hat, sagt Fraga: "In jedem Land, wo die Wirtschaft fünf Jahre lang um acht Prozent steigt, die Arbeitslosigkeit von 20 auf acht und die Armut von 50 auf 29 Prozent sinkt, wird normalerweise die Regierung gewinnen. Das einfache Volk wählt weiter den Peronismus, und das sind ihre wichtigsten Wähler."

"Wer auch immer gewinnt - es wird eine Frau sein"

Zumindest die Medien mühten sich redlich, so etwas wie Spannung zu erzeugen. Ansonsten war eher Wahlkrampf als Wahlkampf. Die Kirchners nutzten die Staatsmedien, um Cristina breit zu präsentieren. Die wiederum düste im Präsidentenflugzeug rund um die Welt, um sich mit Hillary Clinton, Angela Merkel und Michelle Bachelet ablichten zu lassen. Aber beliebt ist sie nicht. Viele Leute bleiben bis zuletzt ratlos und unentschlossen. "Wahlkampf sehe ich keinen, nein", sagt ein Passant. "Es sieht nicht so aus. Ich denke, Wahlkampf geschieht mit Programmen, aber es gibt nur wenige Programme". Auch diese Frau weiß noch nicht, wo sie Kreuz machen wird: "Ich verstehe nicht viel von Politik, und ich weiß nicht, was werden wird. Ich werde wählen müssen, aber wen, das weiß ich nicht, das ist das Problem."

Trotzdem: Drei Viertel der Argentinier glauben, dass Cristina Kirchner bereits im ersten Wahlgang gewinnt. Selbst für Elisa Carrio hätte das eine gute Seite: "Wer auch immer gewinnt, es wird eine Frau sein, aber wir sind zwei verschiedene Frauen."

Stand: 28.10.2007 00:06 Uhr
 

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