Argentiniens Ex-Präsidentin Kirchner | Bildquelle: dpa

Vorwurf der Korruption Argentiniens Ex-Präsidentin angeklagt

Stand: 27.12.2016 22:00 Uhr

Die frühere argentinische Präsidentin Kirchner soll einem Bauunternehmer jahrelang überteuerte Aufträge zugeschustert haben - nun hat ein Gericht sie deswegen angeklagt. Die 63-Jährige streitet die Vorwürfe jedoch vehement ab.

Argentiniens frühere Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner ist wegen des Verdachts der Korruption angeklagt worden. Die 63-Jährige soll während ihrer Amtszeit einen ihr bekannten Bauunternehmer begünstigt haben, indem sie ihm überteuerte Staatsaufträge zuspielte. Der zuständige Bundesrichter Julián Ercolini ordnete zudem an, das Vermögen der Ex-Staatschefin einzufrieren: umgerechnet rund 600 Millionen Euro.

Kirchner war von 2007 bis 2015 Präsidentin Argentiniens, bis sie von dem konservativen Politiker Mauricio Macri abgelöst wurde.

Unternehmer und weitere Ex-Politiker ebenfalls angeklagt

Vor Kirchners Amtsantritt hatte ihr Mann, Nestor Kirchner, Argentinien geführt. Zwölf Jahre lang sollen beide dem Unternehmer Lázaro Báez unberechtigte Zuschläge zugesprochen haben. Báez sitzt bereits in Untersuchungshaft, allerdings wegen des Verdachts der Geldwäsche. Die nun erhobene Anklage richtet sich auch gegen ihn, ebenso wie gegen Kirchners langjährigen Planungsminister Julio de Vido und ihren Ex-Staatssekretär für öffentliche Bauvorhaben, José Lopez. Dieser war bereits im Juni festgenommen worden. Er soll versucht haben neun Millionen Euro in einem Kloster zu verstecken - woher das Geld stammt, ist bis heute unklar.

Kirchner bestreitet die Vorwürfe und bezeichnet die rechtlichen Schritte gegen sie als "großes Manöver politischer Verfolgung". Sie kann gegen die Anklage Berufung einlegen.

Kirchner - kein unbeschriebenes Blatt

Es sind nicht die ersten Vorwürfe, die gegen die ehemalige Staatschefin laut werden: Gegen Kirchner war bereits ein Verfahren wegen Untreue im Amt eingeleitet worden. Sie muss sich für große Staatsverluste auf dem Devisen-Zukunftsmarkt verantworten. Der Prozess hat noch nicht begonnen.

Zudem hatte die Staatsanwaltschaft gegen Kirchner wegen möglicher Strafvereitelung im Amt ermittelt. Hintergrund war ein Anschlag auf eine jüdische Wohlfahrtsorganisation im Jahr 1994, die dem Iran angelastet worden war. Kirchner soll iranische Regierungsangehörige jedoch vor einer Strafverfolgung geschützt haben. Der Staatsanwalt, der gegen Kirchner ermittelt hatte, war im Januar 2015 erschossen in seiner Wohnung gefunden worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Dezember 2016 um 23:00 Uhr

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